Neustadt
Eye-Tracking-Studie: Was Blicke über die Vorlieben von Weinkäufern verraten
Mehr als 100 Freiwillige aus der Umgebung haben sich im November auf das Experiment am Weincampus in Mußbach eingelassen: Sie wurden in einen präparierten Raum geführt, in dem mit Regalen und Stellwänden die Gänge eines Supermarkts simuliert wurden. Ausgestattet wurden die Studienteilnehmer mit einem Einkaufskorb und einer sogenannten Eye-Tracking-Brille, deren Kameras und Sensoren die Blickrichtung und Pupillenbewegungen des Trägers aufzeichnen. Der Auftrag: eine Flasche Wein aus den zwei präparierten Regalen zu kaufen. Zur Auswahl standen ein Souvignier gris, ein Cabernet Blanc, ein Grauburgunder und ein Riesling in Schlegel- und Burgunderflaschen mit verschiedenen Kapselfarben und in drei Preisklassen.
Das Einkaufsverhalten wurde genau analysiert: Die von der Brille erfassten Daten, die in verschiedenen Darstellungen angezeigt werden können, liefern Sandra Morsch zufolge Erkenntnisse, inwiefern Merkmale wie Etikett, Mehrwegflasche, Logo, Preis oder Rebsortenname Einfluss auf die Kaufentscheidung haben und welche Auswirkungen mit nachhaltigen Kennzeichnungen am Weinregal einhergehen. So könnten künftig Produzenten und Handel die Gestaltung von Weinregalen im Einzelhandel sowie Vermarktung und Kommunikation auf Grundlage von Forschungsergebnissen optimieren. Gleichzeitig erfasst die Studie durch einen umfangreichen Fragebogen im Anschluss an den Einkauf Käufergruppen und deren Präferenzen.
Wie wirken Info-Tafeln?
„Eine erste Auswertung zeigt auf, dass routinierte Einkäufer, die in Marketing als effiziente Käufer beschrieben werden, Informationstafeln wenig wahrnehmen“, erklärt Morsch. Teilnehmer, die Nachhaltigkeit bewusst in ihren Alltag integrieren, greifen demnach bevorzugt zu Mehrweg-Verpackung. „Diese könnten sich an einem eigenständigen Mehrwegregal mit unterschiedlichen Produkten in dieser Verpackungsform schneller entscheiden“, meint Morsch. Diese Kunden seien zudem bereit, einen höheren Preis für nachhaltige Produkte zu zahlen.
Das Experiment ist Teil der Forschung zu nachhaltigem Unternehmertum von Marc Dreßler, Professor für Betriebswirtschaftslehre und Entrepreneurship sowie Studiengangsleiter am Weincampus, und deckt zwei Fragestellungen aus den Projekten EIP-Wein-Mehrweg von Katharina Kleiner und dem EIP- Nachhaltiger Wein BaWü von Sandra Morsch ab. Julius Schattat (Bachelor Weinbau und Oenologie) und Sebastian Breyer (Master of Business Administration Wine Sales and Sustainability) schreiben ihre Abschlussarbeiten zum Eye-Tracking-Experiment: der eine mit Fokus auf Mehrweg-Weinflaschen, der andere auf pilzwiderstandsfähige Sorten (Piwis).
Morsch kündigt an, gemeinsam mit Marc Dreßler Auszüge des Eye-Tracking-Experiments bei den Pfälzischen Weinbautagen (14. und 15. Januar) im Neustadter Saalbau vorzustellen.
Mehr zu Mehrweg für Weinflaschen lesen sie hier.
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