Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Eye-Tracking-Studie: Was Blicke über die Vorlieben von Weinkäufern verraten

Sandra Morsch (links) erklärt Franziska Fuchs vor dem präparierten Weinregal, wie die Eye-Tracking-Brille funktioniert.
Sandra Morsch (links) erklärt Franziska Fuchs vor dem präparierten Weinregal, wie die Eye-Tracking-Brille funktioniert.

Warum greift der Kunde genau zu diesem Wein? Und wie könnte man seine Entscheidung beeinflussen? Um das herauszufinden, haben Forscher und Studierende am Weincampus in Mußbach Weinkäufern in einem Experiment eine spezielle Brille aufgesetzt.

Mehr als 100 Freiwillige aus der Umgebung haben sich im November auf das Experiment am Weincampus in Mußbach eingelassen: Sie wurden in einen präparierten Raum geführt, in dem mit Regalen und Stellwänden die Gänge eines Supermarkts simuliert wurden. Ausgestattet wurden die Studienteilnehmer mit einem Einkaufskorb und einer sogenannten Eye-Tracking-Brille, deren Kameras und Sensoren die Blickrichtung und Pupillenbewegungen des Trägers aufzeichnen. Der Auftrag: eine Flasche Wein aus den zwei präparierten Regalen zu kaufen. Zur Auswahl standen ein Souvignier gris, ein Cabernet Blanc, ein Grauburgunder und ein Riesling in Schlegel- und Burgunderflaschen mit verschiedenen Kapselfarben und in drei Preisklassen.

Auf einer sogenannten Heat-Map wird ersichtlich, wie lange die Versuchsteilnehmer auf Preisschilder, Flaschen und Etiketten gesc
Auf einer sogenannten Heat-Map wird ersichtlich, wie lange die Versuchsteilnehmer auf Preisschilder, Flaschen und Etiketten geschaut haben: je dunkler die neonfarbenen Flecken, desto länger.

Das Einkaufsverhalten wurde genau analysiert: Die von der Brille erfassten Daten, die in verschiedenen Darstellungen angezeigt werden können, liefern Sandra Morsch zufolge Erkenntnisse, inwiefern Merkmale wie Etikett, Mehrwegflasche, Logo, Preis oder Rebsortenname Einfluss auf die Kaufentscheidung haben und welche Auswirkungen mit nachhaltigen Kennzeichnungen am Weinregal einhergehen. So könnten künftig Produzenten und Handel die Gestaltung von Weinregalen im Einzelhandel sowie Vermarktung und Kommunikation auf Grundlage von Forschungsergebnissen optimieren. Gleichzeitig erfasst die Studie durch einen umfangreichen Fragebogen im Anschluss an den Einkauf Käufergruppen und deren Präferenzen.

Wie wirken Info-Tafeln?

„Eine erste Auswertung zeigt auf, dass routinierte Einkäufer, die in Marketing als effiziente Käufer beschrieben werden, Informationstafeln wenig wahrnehmen“, erklärt Morsch. Teilnehmer, die Nachhaltigkeit bewusst in ihren Alltag integrieren, greifen demnach bevorzugt zu Mehrweg-Verpackung. „Diese könnten sich an einem eigenständigen Mehrwegregal mit unterschiedlichen Produkten in dieser Verpackungsform schneller entscheiden“, meint Morsch. Diese Kunden seien zudem bereit, einen höheren Preis für nachhaltige Produkte zu zahlen.

Das Experiment ist Teil der Forschung zu nachhaltigem Unternehmertum von Marc Dreßler, Professor für Betriebswirtschaftslehre und Entrepreneurship sowie Studiengangsleiter am Weincampus, und deckt zwei Fragestellungen aus den Projekten EIP-Wein-Mehrweg von Katharina Kleiner und dem EIP- Nachhaltiger Wein BaWü von Sandra Morsch ab. Julius Schattat (Bachelor Weinbau und Oenologie) und Sebastian Breyer (Master of Business Administration Wine Sales and Sustainability) schreiben ihre Abschlussarbeiten zum Eye-Tracking-Experiment: der eine mit Fokus auf Mehrweg-Weinflaschen, der andere auf pilzwiderstandsfähige Sorten (Piwis).

Morsch kündigt an, gemeinsam mit Marc Dreßler Auszüge des Eye-Tracking-Experiments bei den Pfälzischen Weinbautagen (14. und 15. Januar) im Neustadter Saalbau vorzustellen.

Mehr zu Mehrweg für Weinflaschen lesen sie hier.

Wein-Newsletter

Die RHEINPFALZ verschafft Ihnen einen Überblick über die Weingüter und die Vinotheken der Region: In unserem Newsletter „Entkorkt“ erfahren Sie alle zwei Wochen, welche Pfälzer Vinotheken unbedingt einen Besuch wert sind und welche Winzer und Gutsbesitzer dahinterstecken. Darüber hinaus gehen wir spannenden Fragen rund um den Wein und seinen Genuss nach: Welchen Weg nimmt die Traube bis in die Weinflasche? Wie werde ich Weinkönigin? Ist Wein gesund? Und wie gelingt die perfekte Weinprobe zu Hause? Jetzt kostenlos abonnieren unter www.rheinpfalz.de/entkorkt.

Mehr zum Thema
Entkorkt - Newsletter  - Anmeldeseiten 729 x 450 (1)

Dürfen wir nachschenken?

Was sind die Trends der Weinszene? Welche Neuigkeiten gibt es von den Weingütern in der Region? Was ist Naturwein? Wie arbeitet ein Kellermeister? Und wo stehen Weinautomaten in der Pfalz? In unserem kostenlosen Newsletter Entkorkt" liefern wir alle zwei Wochen Weinwissen für Pfälzer Weinliebhaber.

 

Wer nicht lesen will, kann hören: Sie wollten schon immer wissen, wie man die vielen Flaschen Wein, die man zu Hause hat, am besten lagert? Oder welche Unterschiede es zwischen verschiedenen Rebsorten gibt? Dann sind Sie hier genau richtig: In unserem kostenlosen Podcast "Wissensdurst" löchern Vanessa Betz und Rebecca Singer die Weinexpertin Janina Huber mit Fragen rund um das Thema Wein.  

An dieser Stelle finden Sie Umfragen von Opinary.

Um Inhalte von Drittdiensten darzustellen und Ihnen die Interaktion mit diesen zu ermöglichen, benötigen wir Ihre Zustimmung.

Mit Betätigung des Buttons "Fremdinhalte aktivieren" geben Sie Ihre Einwilligung, dass Ihnen Inhalte von Drittanbietern (Soziale Netzwerke, Videos und andere Einbindungen) angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an die entsprechenden Anbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät notwendig. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

x