Neustadt Forschung am Weinregal: Teilnehmer für Eye-Tracking-Studie gesucht
Weinliebhaber haben es im Supermarkt oft schwer: Dutzende Flaschen, Erzeuger und Sorten stehen aneinandergereiht in den Regalen. Da fällt die Auswahl nicht leicht. Doch woran macht der Kunde seine Kaufentscheidung letztlich fest? Genau das wollen Forscher und Studierende am Weincampus in Mußbach herausfinden und haben dafür ein ausgeklügeltes Experiment auf die Beine gestellt. „Forschung ist nicht langweilig“, betont Marc Dreßler, Professor für Betriebswirtschaftslehre und Entrepreneurship sowie Studiengangsleiter am Weincampus. Das Ziel: „mit innovativen Methoden und praxisorientiert“ aus der Forschung heraus Handlungsempfehlungen zu entwickeln, die die Regalgestaltung im Einzelhandel optimieren.
„Wir haben vorher intensiv diskutiert, wie genau wir das machen“, erklärt Sandra Morsch, Diplom-Ingenieurin aus Dreßlers Fachbereich. Sie unterstützt Julius Schattat (Bachelor Weinbau und Oenologie) und Sebastian Breyer (Master of Business Administration Wine Sales and Sustainability), die ihre jeweilige Abschlussarbeit zu dem Experiment schreiben: der eine mit Fokus auf Mehrweg-Weinflaschen, der andere auf pilzwiderstandsfähige Sorten (Piwis).
Augenbewegung aufgezeichnet
Inwieweit genau diese Schwerpunkte im Experiment zum Tragen kommen, sei an dieser Stelle noch nicht erklärt – die Teilnehmer sollen ja möglichst unvoreingenommen in die Testsituation gehen. Verraten darf man aber so viel: Jeder bekommt zuerst eine spezielle Brille auf die Nase und muss dann für die Kalibrierung auf einen Punkt schauen. Im Brillensteg steckt eine kleine Videokamera, in den Gläsern sind Sensoren eingebaut, die die Augenbewegung aufzeichnen. Den Kunden werden dann im Experiment zwei Regale mit je zwei Weinsorten, entweder im Schlegel- oder Schulterflaschendesign, präsentiert. Die extra hergestellten Etiketten der Testflaschen zeigen weder Jahrgang noch Lage noch Preisklasse, sind aber im Detail nicht identisch.
Im „Verkaufsraum“ am Weincampus werden sich natürlich auch Preisschilder und Infotafeln befinden, sodass die Situation der im Supermarkt möglichst ähnlich wird. Zum Abschluss beantworten die Testpersonen noch Fragen zu ihrem Einkauf, die je nach Produktwahl variieren werden. So soll zwischen bewussten und unbewussten Impulsen unterschieden werden.
Ergebnisse im Frühjahr
Aus den Daten der Eye-Tracking-Brille können die Forscher und Stundenten im Nachgang unter anderem erkennen, wohin die Kunden vorm Regal in welchem Moment schauen, wo sie besonders lange mit den Augen hängenbleiben und wie sie zu ihrer Entscheidung kommen. „Es gibt einige Aspekte, bei denen wir noch nicht wissen, wie die Testpersonen darauf reagieren werden“, sagt Morsch. Es bleibt also auch für die Forscher spannend. Erste Ergebnisse des Experiments sollen im Frühjahr vorliegen.
Info
Wer bei dem Eye-Tracking-Experiment mitmachen will, kann sich per E-Mail an sandra.morsch@hwg-lu.de anmelden und bekommt dann einen persönlichen Termin am Weincampus, Breitenweg 71. Pro Testperson sind 20 bis 30 Minuten eingeplant. Brillenträger mit starken Dioptrien können wegen der Eye-Tracking-Brille nur mit Kontaktlinsen teilnehmen.