Hassloch
Beigeordnetenwahl: Wie Unternehmer Dennis Messer überzeugen will
Digitalisierung der Verwaltung, schnellere Abläufe, effizientere Prozesse: Schlagwörter, die in der Politik oft fallen. Sie klingen nach Zukunft, Modernisierung und Entlastung, bleiben aber nicht selten vage. Wenn Dennis Messer, CDU-Kandidat für das Amt des ehrenamtlichen Beigeordneten in Haßloch, darüber spricht, wird es konkreter.
Der Wirtschaftsinformatiker und Unternehmer entwickelt mit seiner Firma Innofabrik Softwarelösungen für Unternehmen. Das Haßlocher Rathaus ist zwar kein Unternehmen. Einen Bedarf an digitalen Lösungen sieht er dort dennoch. „Ich glaube, dass man gerade im Digitalisierungsbereich relativ viel machen könnte, müsste und sollte“, sagt er. Es gebe Dinge, „die bisher noch nicht so angestoßen wurden und wo andere Verwaltungen einfach weiter sind“. Das reiche von Formularen, die Bürger bislang nicht online einreichen könnten, bis zu internen Abläufen. „Ich glaube, dass es da viele Ansatzpunkte gibt und dass ich da gerade in dem Bereich relativ viel bewegen kann“, sagt der 32-Jährige mit Blick auf seine Kandidatur.
Die Verbesserungen sollten aus seiner Sicht nicht nur für Bürger spürbar werden, sondern auch für die Mitarbeiter im Rathaus. Besonders im KI-Zeitalter lasse sich vieles machen, was vor ein oder zwei Jahren „nur mit enormen Summen“ zu lösen gewesen wäre. Messer glaubt, dass sich dadurch „Zeit und Geld sparen“ lassen und dass dies am Ende auch bei den Bürgern ankommt. Sein Anspruch sei es, nicht nur Impulse zu geben, sondern „auch in die Umsetzung“ zu kommen.
Feuerwehrneubau als weiterer Schwerpunkt
Neben seiner beruflichen Expertise will der Haßlocher auch seine kommunalpolitische Erfahrung einbringen, unter anderem aus dem Bau-, Verkehrs- und Entwicklungsausschuss. Als mögliche Themen nennt er den Feuerwehrneubau, der in den nächsten Jahren „ein großes Projekt“ werde, sowie die Wirtschaftsförderung. Der endgültige Zuschnitt der Geschäftsbereiche stehe noch nicht fest. Zwar habe es erste Gespräche gegeben. Die Zuteilung obliege jedoch Bürgermeister Tobias Meyer (CDU).
Dass er erst rund sechs Monate nach dem Rücktritt von Marcel Wirdemann seinen Hut in den Ring wirft, habe praktische Gründe, erklärt Messer. Der zentrale Abstimmungstermin der Beigeordneten ist dienstags. Genau zu dieser Zeit stand der 32-Jährige bislang an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen, wo er einen Lehrauftrag hat, vor Studierenden. „Als sich der Termin an der Hochschule dieses Jahr verschoben hat, dachte ich, das wäre ja jetzt eine Option“, sagt er. Von langer Hand geplant sei seine Kandidatur nicht gewesen. Dass sein Vorgänger unter anderem „parteiinterne Machtkämpfe“ und Differenzen mit dem Bürgermeister als Gründe für seinen Rückzug angeführt hat, habe ihn nicht abgeschreckt, sagt Messer.
„Sehr kurzsichtig“ gedacht
Auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Daniel Mischon betont, dass man nach vorne schauen wolle und nicht zurück. „Mit Dennis Messer haben wir einen sehr guten Kandidaten, für den wir, wie ich denke, eine Mehrheit im Rat generieren und dann die Themen angehen werden.“ Die CDU habe sich Zeit gelassen, weil sie zielführend vorgehen wollte. Man habe sich zunächst angeschaut, welche Themen vor der Gemeinde stünden und welcher Kandidat dafür geeignet sei.
Dass FDP/HLL den Posten als überflüssig bewertet und die Nachbesetzung auf die „Befriedigung der Eitelkeit von Koalitionspartnern“ zurückführt, hält Mischon für „sehr kurzsichtig“. Allein mit Blick auf die Großprojekte der nächsten Jahre brauche Haßloch den zweiten ehrenamtlichen Beigeordneten. Wenn die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt werde, führe das zu „einer effizienteren Arbeit der Verwaltung“. Entscheidungen würden schneller, und das komme auch den Bürgern zugute.
Auch CDU-Gemeinderat Georg Franzmann betont, dass eine Gemeinde zwar auch mit zwei Hauptamtlichen an der Spitze verwaltet werden könne. Der Mehrwert liege aus seiner Sicht aber darin, dass jemand mit spezifischer Kenntnis und größerer Freiheit Themen angehen könne, während Hauptamtliche auch Personalverantwortung und das laufende Verwaltungsgeschäft tragen müssten.
„Trumpf“ in den eigenen Reihen
Franzmann spricht von einem Prozess, der „vielleicht länger als gewünscht gedauert“ habe, am Ende aber aus Sicht der CDU zu einem vernünftigen Ergebnis geführt hat. Messer arbeite zielorientiert, sagt Franzmann. Er erkenne Handlungsbedarf, greife Themen auf und führe sie auch zu Ende. Das sei wichtig, wenn man in der Gemeindeverwaltung „nicht nur verwalten will, sondern was angehen will“. Messer bringe außerdem eine „etwas andere unternehmerische Herangehensweise“ mit als das, was in der Verwaltung typischerweise vorliege.
Michael Puxler, stellvertretender CDU-Ortsvorsitzender, fasst die Argumentation der Partei so zusammen: „Jeder ruft nach Digitalisierung. Und wenn man einen Fachmann in den eigenen Reihen hat, warum soll man den Trumpf dann nicht ausspielen?“ Jetzt habe man die Möglichkeit, dieses Thema zu fokussieren und etwas zu bewegen. Messer sei dafür „der richtige Mann“.
Ob Dennis Messer auch die anderen Fraktionen im Gemeinderat überzeugen kann, wird sich in der Sitzung am 24. Juni zeigen. Fest steht: Er wird nicht allein ins Rennen gehen. Am Donnerstagnachmittag teilte die AfD mit, dass sie den ehemaligen Landtagsabgeordneten Peter Stuhlfauth als Kandidaten vorschlagen will. Eine ausführlichere Darstellung war aufgrund des Redaktionsschlusses nicht mehr möglich. Die RHEINPFALZ wird das Thema aufgreifen.
