Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Frust hinter den Absperrungen: Baustelle bringt Betriebe an ihre Grenzen

Fußgänger kommen noch durch die Frankenthaler Straße – gerade so. Bei Autofahrern ist das anders.
Fußgänger kommen noch durch die Frankenthaler Straße – gerade so. Bei Autofahrern ist das anders.

Seit Montag wird auf der Frankenthaler Straße hart gearbeitet. Für Autos ist kein Durchkommen. Für manche Unternehmer dort ist das ein herber Schlag.

Drei Monate und länger soll sie andauern, die Mega-Baustelle in der Frankenthaler Straße. An der Fahrbahn in West wird eine Menge erneuert: zuerst die Schienen, dann Kanäle, Fernwärme- und Gasleitungen unter der Fahrbahn, dann die Straße selbst. Die Baustelle besteht in Teilen schon seit langer Zeit – zuletzt war die Frankenthaler Straße nur noch einspurig in eine Richtung befahrbar. Doch seit Montag ist die Straße sozusagen komplett zu: Ab etwa der Haltestelle Hauptfriedhof ist kein Durchkommen mehr für Autofahrer. Die Schienen sind aus der Straße genommen, der Untergrund ist sandig, die demontierten Gleise liegen teilweise auf dem Gehweg. Und das ist ein Problem, vor allem für diejenigen, die auf Autoverkehr angewiesen sind.

Ali Celiktürks Werkstatt liegt direkt an der Frankenthaler Straße und ist nicht mehr zugänglich.
Ali Celiktürks Werkstatt liegt direkt an der Frankenthaler Straße und ist nicht mehr zugänglich.

Das ist zum Beispiel Ali Celiktürk. Der 32-Jährige ist zusammen mit seinem Bruder Geschäftsführer der Autowerkstatt „Kfz am Rhein“. Die liegt in der Frankenthaler Straße 166, also genau dort, wo man gerade nicht hinfahren kann. „Wir haben heute im Prinzip nicht gearbeitet“, sagt Celiktürk. Denn Kunden wüssten nicht, wie sie in die Werkstatt kommen sollen. „Unseren Stammkunden habe ich die Termine abgesagt. Aber wir haben sonst sehr viel Laufkundschaft. Das fällt jetzt weg.“ Er schätzt, dass sein Betrieb mit einigen Mitarbeitern vielleicht noch drei Wochen durchhalten kann, bis die Sperrung den Betrieb zum Erliegen bringt. „Teilelieferanten kommen ja auch keine durch!“, sagt Celiktürk.

Infoschreiben nicht bei allen

Ein Schreiben der Rhein-Neckar Verkehrsgesellschaft (RNV), das diese erste Phase verantwortet, habe er nicht bekommen. Eigentlich sendet die RNV diese nämlich an Anwohner und Betriebe, die von Sperrungen betroffen sind, per Einwurf zu. Celiktürk hat nach eigenen Angaben nur ein Schreiben der Technischen Werke Ludwigshafen (TWL) bekommen, in dem er über die Kanalarbeiten informiert wurde und ein Gutachter zur rechtlichen Absicherung angekündigt wurde. Auch eine Nachfrage Celiktürks bei seinem Vermieter fördert nichts zu Tage. Zwischendurch lassen Bauarbeiter vereinzelte Autos, die zur Werkstatt wollen, durch die Absperrung. Das sei aber nur ein Zeichen des guten Willens, sagt einer der Bauarbeiter.

Auch auf der anderen Straßenseite (rechts) ist kein Zugang mehr.
Auch auf der anderen Straßenseite (rechts) ist kein Zugang mehr.

Ali Ihsan (61), der auf einem Gelände auf der gegenüberliegenden Straßenseite mehrere Firmen hat, ergeht es dabei noch schlimmer. Auf seinen Hof kann man auch mit Hilfe der Bauarbeiter nicht fahren. Die Einfahrt ist versperrt, vor dem Gehweg, auf dem man mit Müh und Not vielleicht manövrieren könnte, liegen alte Gleise. „Seit Freitag habe ich keine Lieferungen mehr bekommen“, sagt Ihsan. Im Gegensatz zu Celiktürk hat Ihsan einen Brief der RNV bekommen. Darin steht aufgezählt, wann genau welche Arbeiten gemacht werden – und wo. „Die Erreichbarkeit von Grundstückseinfahrten wird temporär eingeschränkt oder teilweise nicht möglich sein“, steht in dem Schreiben. Ganz unten ist ein Baustellenbeauftragter aufgeführt. Den hat Ihsan nach eigenen Aussagen noch nicht angerufen. Warum, ist nicht ganz klar. „Ich habe eh kein Vertrauen, dass das besser wird“, sagt Ihsan zum Schluss.

RNV setzt auf Gespräche

Nicht nur Gewerbetreibende finden die Situation verdrießlich. Eine Passantin auf dem Fahrrad findet alles unverschämt. „Da muss man sich doch vorher Gedanken machen, dass die Leute weiter schaffen können!“, sagt sie. Auch Ex-Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck ist von der Sperrung betroffen und berichtet von einer sehr aufgeheizten Stimmung. Sorge gibt es auch wegen der Zugänglichkeit für Pflegedienste. Laut dem RNV-Schreiben soll zumindest die gegeben sein, das gelte auch für Polizei und Rettungsdienste.

Einzelne Autos werden durchgelassen.
Einzelne Autos werden durchgelassen.

Die RNV sagt auf Anfrage, dass man im Vorfeld flächendeckend informiert habe. Allerdings gebe es bei der Verteilung von Anwohnerschreiben „immer gewisse Streuverluste“, so ein Sprecher. Man sei deswegen auch persönlich mit Ansprechpartnern vor Ort gewesen, habe aber nicht alle Gewerbetreibenden antreffen können. Deswegen habe man sich am Dienstagmorgen erneut für Gespräche in die Frankenthaler Straße aufgemacht. „Wichtig ist es, mit der Baufirma und dem Baustellenbeauftragten zu sprechen. Dann sollte sich eigentlich eine Lösung finden“, so der Sprecher. Auch wenn es an einzelnen Tagen trotz allem schwierig werden könnte. „Alle Beteiligten arbeiten an individuellen Lösungen.“

So sieht eine behelfsmäßige Zufahrt in einer Nebengasse der Frankenthaler Straße aus.
So sieht eine behelfsmäßige Zufahrt in einer Nebengasse der Frankenthaler Straße aus.

Wie es für Celiktürk und Ihsan weitergeht, ist noch nicht ganz klar. Noch lassen die Bauarbeiter Autofahrer durch, auch ein Lieferant schafft es an diesem Tag – doch die Baustelle sei nur bis 17 Uhr besetzt, und der Betrieb habe bis 18 Uhr geöffnet, sagt Celiktürk. Dank des Schreibens, das Ihsan bekommen hat, und das Celiktürk sich spontan abfotografieren konnte, wolle er sich an den Baustellenbeauftragten wenden. Ihsan selbst hat zumindest laut der Bauarbeiter vor Ort keinen Grund, sich zu beschweren. „Die haben doch erst vor kurzem eine Extra-Einfahrt am Hinterhof gebaut“, sagt einer der Männer. Und tatsächlich: Der Zaun in einer Seitenstraße der Frankenthaler Straße, nahe des Friedhofs, ist tatsächlich geöffnet und die Zufahrt ist über Platten möglich. Ausgeschildert ist diese Möglichkeit allerdings nicht. Zwischenzeitlich haben sich noch weitere Gewerbetreibende bei der RHEINPFALZ gemeldet. Sie wollen Beschwerde bei der Stadt einlegen.

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