Neustadt
Bau-Fest macht Lust auf Landesgartenschau
Nicht, dass man den Neustadtern mit langem Anlauf behutsam das Feiern beibringen müsste. Das gehört zu ihrem genetischen Code. Dennoch: Eine Landesgartenschau (LGS), wie sie 2027 vor der Tür steht, das ist halt noch mal eine andere Dimension. Und so war es eine sehr gute Idee der Macher, jetzt schon mal ein bisschen einzustimmen. Mit einem Bau-Fest am Fuße des Panoramabergs auf der Fläche, auf der sich später die Sportlandschaft mit Spielfeldern, Work-Out-Anlage und Boulderwand präsentieren wird.
An diesem letzten August-Samstag sind das Bungee-Trampolin, die Hüpfburg, die Showbühne, Liegestühle, Bänke und Tische für Schorle und kulinarische Verpflegungsstützpunkte angenehme Platzhalter für das, was da kommt. Der Beginn einer wunderbaren Baustelle wird so quasi zum Beginn einer wunderbaren Freundschaft zwischen den Neustadtern und ihrer LGS.
Es ist sehr familiär, gemütlich, freundlich, viele Kinder sind da, auch sehr kleine. Und es wird emotional, später, bei den Showacts.
Weigel: „Brauchen noch Unterstützung“
11 Uhr. Standesgemäß ist es der Hausherr, Oberbürgermeister Marc Weigel, der eröffnet. Derweil ist die erste von mehreren fachkundigen Führungen hinauf zum Panoramaberg, wo die Flugdrachen der Installationskünstlerin Anke Sauer den Weg weisen, und dann rund um die Baustelle schon ratzeputz ausgebucht. „Die Landesgartenschau ist eines der umfassendsten Stadtentwicklungsprojekte seit Jahrzehnten“, betont Weigel. „Alle legen sich mächtig ins Zeug.“ Und dann formuliert der OB den ultimativen Maßstab: Die LGS werde „schöner als jede Kerwe.“ Allerdings: „Wir brauchen noch ganz viel Unterstützung!“
12 Uhr mittags. Großes Getümmel an der Hüpfburg und beim Bungee-Springen, quasi „High Noon“ am Panoramaberg – „da sind wir dabei!“, jubelt Timo Bertram-Breuer, Leader der Neustadter Tanzmanufaktur, der nichts weniger ins Rennen schickt als seine Deutschen Meisterinnen im Hip-Hop, die „Thundergirls“. Die legen, stark umjubelt, so mächtig los, dass die Showbühne oben nicht genug Platz hat und die Tänzerinnen unten, nah am Publikum, wirbeln.
„Von wegen lammfromm“ – nein, das ist keineswegs der Slogan der Hip-Hopperinnen, vielmehr ein fast schon verwegenes Bekenntnis am Stand von „himmelgrün“, die von sich sagen: „Wir sind wieder dabei, als Kirche auf der Gartenschau!“ Ein grünes und ein pinkfarbenes Schaf als Symbolfiguren, und die Ansage von Projektleiterin Mechthild Werner: „Euch blüht ein kugelrundes querbeetbuntes Kirchen-Kulturprogramm von und mit Christ*innen aus vielen Glaubensrichtungen“ – dafür wette sie „das Blaue und Grüne vom Himmel“. Schon bei der Landesgartenschau in Landau 2015 hatte „himmelgrün“ die frohen Botschaften verkündet.
Michael Heinz: Von Buga 1975 begeistert
Überhaupt: Neustadt hat sich für 2027 intelligenterweise Leute ins Boot geholt, die wissen, wie Landesgartenschau geht, wie Großprojekte gehen, wie Management funktioniert und – tue Gutes und rede darüber – wie man nicht zuletzt in Sachen „Showtime“ überzeugt. Rebecca Siemoneit-Barum, Veranstaltungsleiterin für die LGS 2027, stand schon 1990, mit 13, für die „Lindenstraße“ vor der Fernsehkamera und war von 2021 bis 2023 im Organisationsteam für die Landesgartenschau im niedersächsischen Bad Gandersheim. An diesem Wochenende ist sie Moderatorin beim Neustadter Bau-Fest, kundig, smart, herzlich, souverän. Neben ihr auf der Talkshow-Bühne: Michael Heinz, BASF-Vorstand, für die LGS Vorsitzender des Freundeskreises. „Als junger Mensch war ich nie in Urlaub“, berichtet er. „1975 hat mir meine Großmutter dann eine Dauerkarte für die Bundesgartenschau in Mannheim geschenkt.“ In Mannheim wurde Heinz geboren. „Ich habe dann den ganzen Sommer auf der Buga verbracht.“ Die Neustadter LGS sei „ein großartiges Projekt – das unterstütze ich, weil ich Bürger Neustadts bin.“
Für die promovierte Apothekerin Ingrid Dickes wird 2027 das dritte Gartenschau-Engagement, „aus Leidenschaft fürs Ehrenamt“, betont sie. Und Winfried Walther, Unternehmer und Vorsitzender der Willkomm Gemeinschaft, erklärt schlicht: „Man kann gar nicht anders, als mitzumachen.“ Die Neustadter Geschäftswelt werde ihren Beitrag leisten. Alle drei bitten darum, dass sich noch mehr Bürger – für einen Jahresbeitrag von 27 Euro – dem Freundeskreis anschließen. Dafür brauche man weder einen „grünen Daumen“ noch Angst zu haben, eine Wiese umgraben zu müssen. Es sei nicht zuletzt wichtig, noch mehr Projektideen einzubringen.
„Für die Ewigkeit danach“
Langeweile kommt nicht auf an diesem Samstag, der nicht zuletzt ein Familientag ist. In seiner Eigenschaft als Vater flaniert Oberbürgermeister Weigel, den Nachwuchs auf dem Arm, noch lange nach seiner Eröffnungsrede über den Platz, man sieht ihn plaudernd mit anderen Familien, womöglich „Koalitionsgespräche“ in der ganz großen Fraktion Neustadter Eltern. Womöglich sind für sie die Erkenntnisse von Jonny Karacho hilfreich, der bürgerlich ganz brav Dominik Scherer heißt, es aber – der Name ist Programm – auf der Showbühne mit der E-Gitarre krachen lässt. Punk für Kids. Es könne nicht sein, postuliert Karacho/Scherer, dass nur noch pädagogisch wertvolle Kindermusik aus den Lautsprechern komme, sobald ein Kind das Licht der Welt erblickt habe.
Mit eher leiseren und herzlicheren Tönen rührt dagegen Jennifer Wittmanns Kindertanzgruppe an, Sieben- und Achtjährige, die mit ihren Händen Herzen formen, Leitgedanken: „Tanzen macht groß//Ich bin ich//mich gibt’s nur einmal.“ Dass die LGS nicht nur ein kurzes Vergnügen, sondern etwas Generationenübergreifendes sein soll, hatte Rebecca Siemoneit-Barum so formuliert: „Das ist nicht nur für 2027, sondern auch für die Ewigkeit danach.“