Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Gesichter der Gartenschau: Ingrid Dickes bindet die Ehrenamtlichen ein

Ingrid Dickes ist bei der dritten Gartenschau im Einsatz.
Ingrid Dickes ist bei der dritten Gartenschau im Einsatz.

Was macht eine promovierte Apothekerin bei der Landesgartenschau? Sie kümmert sich um ehrenamtliche Unterstützer. Das ist jedenfalls die Aufgabe von Ingrid Dickes.

Ingrid Dickes ist mit dem „Gartenschau-Virus“ infiziert. Die Infektion ist allerdings jüngeren Datums, sie ist etwa zwei Jahre alt. Dass sie innerhalb dieser kurzen Zeit schon bei der dritten Gartenschau-Gesellschaft tätig sein würde, darauf hat bis kurz davor nichts hingedeutet. „Ich war kein eingefleischter Gartenschau-Fan, bin nicht wie andere von Schau zu Schau gereist“, erzählt sie. Sie habe sich mit der Familie im Jahr 2000 die Landesgartenschau (LGS) in Kaiserslautern angeschaut, das sei es aber gewesen.

Auch beruflich hatte sie keine Berührungspunkte. In Stuttgart geboren und in der Kleinstadt Bebra in Nordhessen aufgewachsen, studierte Dickes in Freiburg Pharmazie, in Heidelberg promovierte sie. Danach arbeitete sie in der pharmazeutischen und Medizinprodukteindustrie. Zunächst lebte sie in der Schweiz, Anfang der 1990er-Jahre zog die verheiratete Mutter dreier inzwischen erwachsener Kinder mit ihrer Familie in die Pfalz. Zuletzt war sie bei Roche beschäftigt. Als ihr befristeter Vertrag dort auslief, hätte es wohl trotzdem die Möglichkeit gegeben, etwas anderes in der Branche zu finden, sagt sie. „Aber ich wollte das nicht mehr.“ Vor allem wollte sie nicht den ganzen Tag am Schreibtisch sitzen, was insbesondere während der Corona-Pandemie die Regel gewesen sei. Sie sei gerne in der Natur, ihr Mann und sie, die in Rödersheim wohnen, wandern viel.

Freundeskreis soll Ideen entwickeln

Und so stieß sie auf die Bundesgartenschau in Mannheim, wo sie 2023 am Infopoint beschäftigt war, den Besuchern Fragen beantwortete und bei Problemen weiterhalf. Das sei herrlich gewesen. Sie habe den ganzen Tag die blühenden Pflanzen, den Wechselflor vor Augen gehabt, blickt sie zurück. Und sie gab Flyer aus für die baden-württembergische Landesgartenschau 2024, die in Wangen im Allgäu stattfand. Da das „Gartenschau-Virus“ inzwischen von ihr Besitz ergriffen hatte, bewarb sie sich dort – mit Erfolg. Im Allgäu war sie für den Einsatz der 900 Ehrenamtlichen zuständig. Denn für den Erfolg von Gartenschauen sind nicht nur ein überzeugendes Konzept und eine gute Organisation notwendig. Auch freiwilliges Engagement ist wichtig. Das gilt auch für die LGS 2027.

Wobei in Wangen die Ehrenamtlichen direkt bei der LGS-Gesellschaft angedockt waren, während sich für Neustadt 2027 Mitte Mai ein Freundeskreis gegründet hat. Dickes, die im April zur LGS-Gesellschaft gestoßen und die zentrale Ansprechpartnerin für die Ehrenamtlichen ist, erklärt den Unterschied: Der Freundeskreis setze sich seine eigenen Ziele, habe mehr Spielraum. In Wangen seien den Helfern hingegen Aufgaben zugeteilt worden. Natürlich werde es so sein, dass die LGS-Gesellschaft auch Wünsche an den Freundeskreis richten werde. Sie selbst wolle Impulse geben, aber sie sei sehr gespannt, welche Ideen im Freundeskreis entwickelt würden.

Dickes freut sich auf zufriedene Besucher

56 Gründungsmitglieder hat der Freundeskreis, was für Dickes eine hohe Zahl für eine Vereinsgründung ist. Dennoch müsse es nun darum gehen, viele weitere Menschen für eine Mitgliedschaft zu gewinnen. Es solle so werden, dass es „für die Neustadter einfach dazugehört, im Freundeskreis dabei zu sein“, sagt die 63-Jährige. Das sei das Ziel. Denn auf diese Weise werde die Begeisterung für die Landesgartenschau in der Stadt verbreitet.

Dickes ist in Teilzeit bei der LGS-Gesellschaft beschäftigt. Sie gehört dort auch dem Team an, das sich ums Sponsoring kümmert, also bei Unternehmen um Geld oder Sachspenden für die Gartenschau wirbt.

Die LGS ist für Dickes „einfach ein tolles Projekt“. Aus Brachflächen werde etwas Schönes gemacht. Aber auch für sich wird sie etwas mitnehmen, wie sie aus Erfahrung weiß. „Wenn man sieht, wie glücklich und zufrieden die Besucher abends das Gelände verlassen, dann ist das auch für mich selbst schön.“

Die Serie

Im April 2027 öffnet die Landesgartenschau in Neustadt ihre Tore. Bis dahin muss für die Großveranstaltung noch einiges gebaut und umgestaltet werden. Darum kümmern sich die Mitarbeiter der Landesgartenschau gGmbH. In dieser Serie treffen wir uns mit den Menschen und schauen: Wer sind sie und was machen sie konkret?

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