Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Fahrlachtunnel: Vorerst kein Notbetrieb

Seit August dicht: der Fahrlachtunnel.
Seit August dicht: der Fahrlachtunnel.

Autofahrer in Mannheim brauchen weiter Geduld. Die Wiedereröffnung des Fahrlachtunnels verzögert sich.

Knapp elf Monate dauert die Sperrung des Fahrlachtunnels im Mannheimer Süden mittlerweile an. Die Autofahrer müssen sich weiter gedulden, denn die für das dritte Quartal erhoffte Wiedereröffnung im Notbetrieb werde sich auf Grund von Lieferschwierigkeiten um rund ein halbes Jahr verzögern, so die zuständige Bürgermeisterin Diana Pretzell (Grüne). Auswirkungen auf den Verkehrsversuch in der Innenstadt sieht sie deshalb aber nicht.

Rund 60.000 Fahrzeugbewegungen am Tag verzeichnen die beiden Tunnelröhren auf der Pendlerroute normalerweise. Seit August 2021 herrscht allerdings Stillstand, wurde der Tunnel auf Grund akuter Sicherheitsmängel geschlossen. Doch wie von Zauberhand scheinen auch die 60.000 Fahrzeuge verschwunden zu sein. „Bisher hat die Schließung kein großes Chaos verursacht“, meint die Bürgermeisterin, die deshalb auch keinen Grund sieht, den seit März laufenden Verkehrsversuch in der Innenstadt neu zu bewerten oder gar vorzeitig abzubrechen, wie von CDU, FDP und einigen Gewerbetreibenden mittlerweile gefordert wurde.

Notbetrieb im Frühjahr 2023

Laut Pretzell peilt das Projektteam um Alexandre Hofen-Stein für die Wiedereröffnung des Tunnels im Notbetrieb, also mit nur jeweils einer Fahrspur in jede Richtung, mittlerweile das erste Quartal 2023 an. Das wäre kurz vor dem Start der Bundesgartenschau im kommenden Jahr. Dann wäre die aktuelle Verkehrsleitung durch die Quadrate entweder beendet oder aus dem Versuchsstadium ein Dauerzustand geworden. Darüber hat der Gemeinderat noch zu entscheiden.

Derweil gestaltet sich die Wiedereröffnung des Fahrlachtunnels als schwierig. Am Einsatz der Planer liegt das nicht. Viel mehr haben Lieferschwierigkeiten von Spezialbauteilen aus China und auch aus der Ukraine die Bauarbeiten für die Notfallinbetriebnahme verzögert. „Man findet solche Spezialbauteile eben nicht im Baumarktregal“, sagt Projektleiter Hofen-Stein. Nur in sieben der 15 Gewerke befinde man sich im Zeitplan.

Fluchtwege umgeplant

„Aber nur mit dem Abschluss aller Gewerke ist die Sicherheit der Besucher gewährleistet“, verdeutlichte Ingenieur Axel Stork. Zur Beschleunigung habe man ja auch bereits umgeplant. Anstelle von drei Verbindungstüren zwischen den beiden Tunnelröhren, die jede für sich aufwendig genehmigt werden müssten, ist nun nur noch eine Fluchttür vorgesehen, so steht es in den Planungen, die Bürgermeisterin und Projektbeteiligte am Nachmittag auch dem Ausschuss für Umwelt und Technik vorstellten.

Dies sei ein Beitrag zur völligen Transparenz, die Pretzell für die gesamte Projektphase angekündigt hatte. Dies gelte auch für die Ursachenforschung, wie es trotz regelmäßiger Wartung der Tunnelröhren nach den Untersuchungen zu einem Brandereignis aus dem Jahr 2019 zur völlig überraschenden Sperrung des 1994 eröffneten Tunnels kam. „Wir konzentrieren unsere Kräfte jetzt erst einmal auf die Anstrengungen für die Notertüchtigung. Die Ursachenforschung kommt“, sagt Hofen-Stein. Laut Pretzell hat man intern zumindest schon einmal mit der Suche nach Schuldigen begonnen. „Aber es fehlt uns an einigen Stellen noch an Nachrecherche und Evaluierung.“ Ein Abschluss der Untersuchungen sei schwer absehbar. Ganz im Gegensatz zur Wiedereröffnung. „Da haben wir die Buga als festes Ziel im Blick.“

Tunnel blockiert Bahnpläne

Wie es in der Zukunft mit dem Fahrlachtunnel weitergeht, ist aktuell offener denn je. So steht die Autoröhre Überlegungen der Bahn im Weg, zwei der vier angedachten Varianten der Neubaustrecke Karlsruhe-Mannheim könnten mit dem Tunnel kollidieren, der hier das Schienennetz kreuzt. „Aber das sind im Moment alles noch Vorüberlegungen der Bahn. Wir befinden uns da in Gesprächen“, erklärte Tim Neugebauer aus dem zuständigen Dezernat I.

Es wäre allerdings für die Stadt Mannheim ärgerlich, den Autotunnel bis 2027 im großen Stil zu sanieren, um dann festzustellen, dass er wegen der Planungen der Bahn weichen müsste. So weit soll es nicht kommen. „Wir haben das im Blick“, versprach Bürgermeisterin Pretzell.

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