Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Fahrlachtunnel: Auf lange Sicht dicht

Auf Dauer unpassierbar: der seit fast zwei Monten gesperrte Fahrlachtunnel.
Auf Dauer unpassierbar: der seit fast zwei Monten gesperrte Fahrlachtunnel.

Der wegen Sicherheitsmängeln komplett gesperrte Fahrlachtunnel in Mannheim bleibt gesperrt. Hoffnungen auf die schnelle Wiederöffnung der wichtigen Verkehrsader haben die Leiter der neuen Projektgruppe einen Dämpfer verpasst. Und erläutert, wie der Zeitplan konkret aussieht.

Vermutlich wird erst im Sommer 2022 wieder ein eingeschränkter Notbetrieb für Autos durch die beiden Röhren des Tunnels möglich sein. Nach einer weiteren Ertüchtigung, die zwei Jahre in Anspruch nehmen soll, könnten ab 2024 auch wieder Lastwagen durch den Tunnel fahren dürfen. Die Generalsanierung dauert voraussichtlich bis 2027. Dabei geht es offenbar um eine komplette Erneuerung der Betriebstechnik. Inoffiziell ist von Kosten in Höhe von 20 Millionen Euro die Rede.

Diesen vorläufigen Zeitplan für die Arbeiten am und im Fahrlachtunnel haben die städtischen Fachleute Alexandre Hofen-Stein und Alexander Storck am Dienstag im Ausschuss für Umwelt und Technik des Gemeinderats mitgeteilt. Beide sind als Köpfe einer neu gegründeten Projektgruppe eingesetzt, die den Auftrag hat, den Fahrlachtunnel möglichst schnell wieder flott zu machen.

Unverständnis über „Schlamperei“

In dieser ersten Sitzung des Stadtparlaments nach der Sommerpause bestand angesichts des Verkehrsdesasters rund um den Fahrlachtunnel erheblicher Rede- und Informationsbedarf, wie zahlreiche emotionale Wortmeldungen von Stadträten deutlich machten. Er sei entsetzt gewesen über Aussagen der Stadt, der Tunnel entspreche nicht dem aktuellen Stand der Technik. Ob etwa die Sicherheit der Bürger jahrelang nicht gegeben gewesen sei, fragte Achim Weizel von der Mannheimer Liste (ML), der aufgebracht von einer „Schlamperei“ sprach. CDU-Gemeinderat Alexander Fleck, von Haus aus Anwalt, regte gleich an, die Wartungsfirmen dafür haftbar zu machen. Etwas zurückhaltender sprachen sich dagegen Thorsten Riehle (SPD) und Gerhard Fontagnier (Grüne) dafür aus, vor solchen Vorwürfen die Ergebnisse einer umfassenden Aufarbeitung der Versäumnisse abzuwarten, um die sich die eingesetzte Projektgruppe derzeit bemüht.

Brandschutzlüftung nicht auf heutigem Stand

Gemeinsam war allen Stadträten das Unverständnis, warum ein regelmäßig gewartetes Tunnelbauwerk wie der Fahrlachtunnel Anfang August von jetzt auf nachher völlig gesperrt werden musste. Tiefer gehende Antworten konnten die beiden städtischen Fachleute in ihrem Bericht dazu noch nicht liefern. Zur Aussage im Bericht, der Tunnel entspreche nicht dem aktuellen Stand der Technik, ergänzte Storck, dass nichts defekt sei im Tunnel. „Es funktioniert alles, nur nicht nach dem heutigen Stand der Technik“, betonte der Bauingenieur.

Dazu muss man wissen, dass der 489 Meter lange Fahrlachtunnel von 1988 bis 1994 gebaut wurde. Eine Antwort darauf, warum niemand die Nicht-Erfüllung heutiger Vorschriften bemerkt hat, werde noch gesucht. Dies wäre wohl auch weiterhin unbemerkt geblieben, hätte es nicht 2019 einen kleinen Brand in einem Sicherungskasten gegeben. Denn diesem folgte eine Überprüfung der Betriebstechnik, und im Juni 2021 auch eine Prüfung der Brandschutzlüftung. Deren Ergebnisse lieferten Ende Juli dann den Anlass zur sofortigen Sperrung.

Brandversuche ab Ende November

„Wenn ein Brand eintritt, muss gewährleistet sein, dass der Rauch schnell genug aus dem Tunnel herauskommt. Er soll dort nicht erkalten und sich niederschlagen, weil das gefährlich werden kann“, erläuterte Storck. Ende November werde es daher Brandrauchversuche im Tunnel geben, um die Leistungsfähigkeit der Tunnellüftung zu überprüfen. „Wir müssen wissen, was die Anlage kann und was nicht“, sagte Storck. Zudem gehe darum, mit einem Überdruck zu verhindern, dass Rauch in die jeweilige Nachbarröhre eindringen könne. Vor November seien die Brandrauchversuche nicht möglich, weil es nur zwei Ingenieurbüros in Deutschland gebe, die diese durchführen könnten, nannte Storck den Grund für die Wartezeit. Daneben werde mit Hochdruck an einer Notertüchtigung des Tunnels mit einer Fahrspur für Autos gearbeitet, versicherte Hofen-Stein, dass die Stadt alles in ihrer Macht stehende unternehme.

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