Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Wirbel um Wasserturm-Verkauf: Wahrzeichen im Hemshof sorgt für Diskussionen

Der Wasserturm steht auf dem Schulhof der Gräfenauschule.
Der Wasserturm steht auf dem Schulhof der Gräfenauschule.

Ein möglicher Verkauf des Wasserturms auf dem Gelände der Gräfenauschule in Ludwigshafen sorgt für Debatten. Was ist dran an den Plänen?

Seit 130 Jahren steht der Wasserturm mitten im Hemshof. Das 45 Meter hohe Gebäude prägt die Silhouette der „Altstadt“ von Ludwigshafen und bildet mit der Gräfenauschule ein Ensemble. Der Wasserbehälter fasst 1000 Kubikmeter und der Turm wäre auch noch funktionstüchtig. Doch seit April 2008 wird die Anlage nicht mehr zur Wasserversorgung der Haushalte im Hemshof genutzt.

Der Wasserturm gehört den Technischen Werken Ludwigshafen (TWL) und die brauchen die Immobilie nicht mehr. Deshalb ist der Turm Ende 2019 zum Verkauf angeboten worden. 45.000 Euro wurden damals in einem Bieterverfahren als Mindestgebot festgelegt. Nach einem Proteststurm aus der Kommunalpolitik – der Ortsbeirat Nord sprach sich einstimmig gegen den Verkauf an einen Privatinvestor aus – war es still um einen möglichen Verkauf geworden. Die Versteigerung wurde gestoppt.

Grüne gegen Verkauf

Nach einem Medienbericht sind die Grünen im Stadtrat nun aktiv geworden und veröffentlichten eine Pressemitteilung, in der sie einen Verkauf entschieden ablehnen. „Der Wasserturm ist nicht nur ein bedeutendes historisches Wahrzeichen Ludwigshafens, sondern steht zudem unter Denkmalschutz. Sein Erhalt liegt im öffentlichen Interesse und darf nicht kurzfristigen wirtschaftlichen Überlegungen untergeordnet werden“, fordern die Fraktionssprecher Ibrahim Yetkin und Susanne Großpietsch. Die Entscheidung der demokratisch gewählten Gremien vor sechs Jahren dürfe nicht ignoriert werden. Entscheidungen dieser Tragweite müssten gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern des Stadtteils getroffen werden, heißt es weiter von den Grünen zu einem angeblich geplanten Verkauf.

Der Turm wurde 1894/95 gebaut und in den 1970er- und 1980er-Jahren renoviert.
Der Turm wurde 1894/95 gebaut und in den 1970er- und 1980er-Jahren renoviert.

Die TWL stehen dem Verkauf ihres Wasserturms in der Gräfenauschule zwar nach wie vor offen gegenüber, doch von einem Plan, die Immobilie loszuwerden, kann aktuell keine Rede sein. „Derzeit gibt es vonseiten der TWL keine Verkaufspläne. Wir erhalten gelegentlich Anfragen von Interessenten für Besichtigungen zwecks einer eventuellen Nutzung. Diese zerschlagen sich jedoch in der Regel“, teilt eine Sprecherin des Energiekonzerns auf Nachfrage mit. Und weiter: „Einem Verkauf wären die TWL in Abstimmung mit der Stadt Ludwigshafen grundsätzlich aufgeschlossen. Dies setzt allerdings voraus, dass die von einem Käufer beabsichtigte Nutzung mit geltendem Baurecht und Denkmalschutzrecht in Einklang zu bringen ist und den Schulbetrieb der Gräfenauschule nicht beeinträchtigt. Viele Optionen dürfte es unter diesen Voraussetzungen nicht geben.“

Immobilie schwer zu nutzen

Heißt im Klartext: Der Standort des Turms schließt eigentlich einen Verkauf an einen Investor aus: Das Gebäude steht mitten auf dem Pausenhof der Gräfenauschule und ist nur über das Schulgelände zu erreichen. Jegliche Nutzung des Turms darf nicht mit dem Schulbetrieb kollidieren. Um den Turm überhaupt betreten zu können, ist ein Fahr- und Wegerecht über das Schulgelände erforderlich. Das haben die TWL mit Auflagen von der Stadt bekommen, denn das Schulgelände ist städtischer Grund. Das Zugangsrecht geht im Falle eines Verkaufs des Turms allerdings nicht automatisch auf den neuen Eigentümer über.

„Der Turm ist eigentlich ein unverkäufliches Objekt. Ein Käufer müsste über den Schulhof fliegen können oder eine Brücke bauen, um ihn betreten zu können“, bringt Ortsvorsteher Osman Gürsoy (SPD) das Kernproblem auf den Punkt. Die TWL haben aus der Not eine Tugend gemacht: Der Gräfenauturm ist für die Trinkwasserversorgung der Stadt nicht mehr notwendig. Nach der Außerbetriebnahme wurden Mobilfunksendeanlagen an der Außenfassade im Bereich des Hochbehälters angebracht. Diesen oberen Teil des Turms haben die TWL an Telekommunikationsunternehmen vermietet. Die Mieteinnahmen decken die jährlichen Unterhaltungskosten für den Turm komplett, die im „niedrigen vierstelligen Bereich“ liegen. „Die TWL sind zufrieden, dass dieses Denkmal und Wahrzeichen des Stadtteils Hemshof derzeit aufgrund der erzielten Mieteinnahmen kostendeckend erhalten werden kann“, sagt eine Sprecherin des Energiekonzerns.

Andere Türme in Privathand

Und die Grünen? „Wir haben auch keine konkreten Hinweise auf einen Verkauf. Aber die TWL haben ihre Verkaufsabsicht nicht aufgegeben. Deshalb haben wir uns präventiv geäußert“, sagt Co-Fraktionschef Yetkin auf Nachfrage.

Beispiele für Wassertürme in Privathand gibt es in Ludwigshafen: So wurde der Edigheimer Turm umgebaut, in dem sich nun Wohnungen befinden. Und der Schlachthofturm im Stadtteil West wurde nach einem Umbau von einer Werbefirma als Bürogebäude genutzt. Aus dem ehemaligen Bunker und Wasserturm in der Rollesstraße im Hemshof wurde der Kulturm, ein Ort für Kulturveranstaltungen. Doch alle Immobilien waren frei zugänglich und lagen nicht mitten auf einem Schulhof.

x