Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Ludwigshafen: TWL möchten Wasserturm im Hemshof verkaufen

Eine Insel mit ’nem Turm: der Wasserturm auf dem Hof der Gräfenauschule.
Eine Insel mit ’nem Turm: der Wasserturm auf dem Hof der Gräfenauschule. Foto: KUNZ

Trautes Heim, Glück allein. Habe neulich mal wieder durch den Immobilienteil geblättert und dort das womöglich größte Ein-Zimmer-Angebot aller Zeiten gefunden: 158 Quadratmeter groß, zu verkaufen. Die inserierte Immobilie liegt auf einem „Inselgrundstück“ liest man und denkt sogleich an die idyllisch gelegene Parkinsel, an Wasser, an Weite. Dann jedoch wundert man sich über den Preis: 45.000 Euro Mindestgebot in einem Bieterverfahren. Das wäre doch arg günstig für die Größe und für eine gehobene Lage. Außerdem wundert man sich über den Stadtteil: Hemshof. Wo ist da eine Insel?

Guter Ausblick garantiert

Die Lage der Immobilie ist nicht nur gehoben, sie ist sogar stark gehoben. Genau genommen: 45 Meter hoch. Die Technischen Werke Ludwigshafen (TWL) verkaufen nämlich ihren Wasserturm in der Gräfenaustraße. Besagte Insel liegt inmitten des Schulhofs der Gräfenauschule. Ein Wasserwerk kaufen? Das erinnert ein bisschen an Monopoly. Wenn keiner das Wasser- oder E-Werk möchte, wird es versteigert. Gehen Sie zurück auf Los, ziehen Sie keine 4000 D-Mark ein. Einnahmen gibt es aber nicht durch eine möglichst hohe Würfelzahl, sondern durch die Funkstation vor Ort, die laut Immobilienanzeige Miete generiert. Dieses Kaufangebot ist jedoch keineswegs im Spaß, sondern ganz ernst gemeint.

Laut Internetseite des Vereins Rhein-Neckar-Industriekultur wurde der Turm in den Jahren 1894 und 1895 gebaut und in den 1970er- und 1980er-Jahren renoviert. Der Wasserbehälter fasst laut dem Verein 1000 Kubikmeter und der Wasserturm wäre auch noch funktionstüchtig. Allerdings werde er bereits seit April 2008 nicht mehr als solcher genutzt. Letzteres betätigen auch die TWL. Weil er nicht mehr in Betrieb sei, habe man ihn in den vergangenen Jahren „schon mehrfach zum Verkauf“ angeboten, sagt Sprecherin Iris von Kirschbaum. Anscheinend bislang ohne Erfolg.

Kreativität des Käufers gefragt

Weil ein Wasserturm natürlich kein Haus und auch kein Geschäftsgebäude ist, dazu noch denkmalgeschützt und renovierungsbedürftig, dürfte die Nachnutzung nicht gerade unkompliziert sein. „Wir gehen davon aus, dass ein Kaufinteressent den von ihm beabsichtigten Nutzungszweck im Vorfeld mit der Stadt abstimmt“, sagt die TWL-Sprecherin. Was genau man mit der Immobilie anfangen könnte, möchte der Energieversorger nicht vorgeben.

Beispiele für kreative Nutzungen alter Gebäude gibt es in Ludwigshafen ja bereits mehrere – und gleich mehrere davon im Hemshof. Die BASF baut auf den Bunker in der Karl-Müller-Straße derzeit einen modernen Kubus, in dem flexibel nutzbare Arbeitsplätze entstehen sollen. Aus dem ehemaligen Bunker und Wasserturm in der Rollesstraße ist der Kulturm geworden, eine Eventlocation.

So wird wohl auch dem neuen Besitzer des besonderen Inselgrundstücks etwas einfallen. Bis 20. Dezember können noch Gebote abgegeben werden.

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