Ludwigshafen / Rhein-Pfalz-Kreis Wie eine Dachdeckerin mit Hilfe der BG Klinik zurück in ihren Beruf fand
Dachdeckerin Petra Bangert ist das, was man landläufig als echtes „Original“ bezeichnet. Als sie für einen Pressetermin ins Reha-Zentrum der BG Klinik zurückkehrt und erzählt, wie sie dort nach einem Arbeitsunfall wieder fit für ihren Beruf gemacht wurde, hat man das Gefühl: Der Anblick der 55-Jährigen zaubert jedem Mitarbeiter ein strahlendes Lächeln ins Gesicht.
Gründe dafür gibt es genügend. Denn: Petra Bangerts Geschichte ist das, was man eine absolute Erfolgsgeschichte nennen kann und muss. Nach einem Arbeitsunfall im Jahr 2005 entwickelte sie Arthrose im Knie und kämpfte jahrelang mit starken Schmerzen. „Am Ende konnte ich keine Treppen mehr laufen, nicht mehr auf der Seite liegen und der Leidensdruck war enorm“, erzählt Bangert. Im September 2023 erfolgte deshalb eine OP, die Dachdeckerin bekam in der Oggersheimer BG Klinik ein neues Kniegelenk eingesetzt. „Danach folgten insgesamt acht Monate stationäre, teils auch ambulante Reha, in denen wir mit allen geeigneten Mitteln versucht haben, das Knie von Frau Bangert wieder so herzustellen, wie es vor dem Arbeitsunfall im Jahr 2005 war“, erzählt der geschäftsführende Oberarzt des Reha Zentrums, Franz-Peter Maichl.
Ermöglicht werde die „nahtlose Versorgung“ von Unfallverletzten an der BG Klinik durch die gesetzliche Unfallversicherung. „Nach einer Akutbehandlung am Unfallort und der anschließenden operativen Therapie hier bei uns im Haus, können wir auf unserem Campus direkt zur Reha übergehen und behandeln die Menschen bis zu ihrer beruflichen Reintegration“, erklärt Maichl. Schwerverletzte seien entsprechend mehrere Monate, auch bis zu einem Jahr in Behandlung.
Handgriffe trainieren
Was die wenigsten allerdings wissen dürften: Im Reha Zentrum der Oggersheimer BG Klinik werden etliche Arbeitsplätze 1:1 abgebildet, sodass Unfallverletzte ab einem bestimmten Punkt ihrer Genesung die für ihren Beruf typischen Bewegungsabläufe trainieren können. „Tätigkeitsorientierte Reha“ heißt das mehrwöchige Modul, in das die Betroffenen einsteigen, sobald nach ihrem Unfall genügend Muskelmasse und Stabilität aufgebaut wurde, um sich einem simulierten, aber dennoch realitätsnahen Arbeitstag zu stellen.
Für Dachdeckerin Petra Bangert standen so zum Beispiel zwei Dachstühle zur Verfügung, auf denen sie unter der Aufsicht von geschulten Therapeuten Hebetätigkeiten durchführen konnte. „Auch das Sitzen auf der Dachleiter war für mich eine enorm wichtige Übung“, erzählt die Ludwigshafenerin, die für die Firma Waldenberger in Hochdorf-Assenheim tätig ist.
Für viele weitere Berufsgruppen ist im BG Reha-Zentrum ebenfalls bestens gesorgt: Zur Verfügung steht unter anderem eine Metallwerkstatt, es können Montagearbeiten durchgeführt, Mauersteine gesetzt und auch Gabelstapler genutzt werden. Dauerhaft aufgebaut ist zudem ein Baugerüst, das Unfallverletzte mit einem Therapeuten besteigen können, wenn es darum geht Ängste abzubauen – etwa nach einem Absturz aus großer Höhe. Auch ein Lkw steht auf dem Gelände des Reha-Zentrums. An diesem können Fernkraftfahrer, zum Beispiel nach einer Schulterverletzung, die beruflich benötigten Handgriffe trainieren. „Dieses 1:1-Training ist enorm wichtig, damit der Einstieg in den Arbeitsalltag am Ende gut gelingt“, betont Franz-Peter Maichl.
Wichtig sei aber auch die Motivation des oder der Unfallverletzten. „Gerade Petra Bangert ist da ein sehr gutes Beispiel“, sagt der geschäftsführende Oberarzt und schmunzelt. Die 55-Jährige selbst hätte sich zwar am liebsten schon nach drei Monaten aus der Reha entlassen. „Ich hab damals einfach nicht gemerkt, dass ich mit dem operierten Bein noch anders auftrete“, erzählt sie im RHEINPFALZ-Gespräch. „Und ich wollte auch unbedingt wieder zurück in meinen Beruf.“
Hauptaufgabe Muskelaufbau
Es sei allerdings gut gewesen, dass die Ärzte und Ergotherapeuten ihr damals empfahlen, die Reha noch weiterzuführen, sagt Petra Bangert ohne Umschweife. Denn heute ist die Ludwigshafenerin, die seit 36 Jahren Dachdeckerin ist, tatsächlich wieder zurück auf ihrer alten Arbeitsstelle – und man merkt ihr zu keinem Moment an, dass sie ein künstliches Kniegelenk hat. Am schwierigsten sei nach der OP der Muskelaufbau gewesen. Zur Unterstützung ist sie deshalb immer wieder die Treppen der BG-Türme rauf und runter gelaufen. „Ich hätte nicht gedacht, dass man das so braucht, aber es hat wirklich viel gebracht“, erzählt Bangert, die sich nicht vorstellen kann, als gelernte Dachdeckerin im Büro zu landen. „Noch ein paar Jahre auf dem Dach mache ich auf jeden Fall“, sagt die 55-Jährige entschlossen und will mit ihrer Erfolgsgeschichte vor allem eines: auch anderen Unfallverletzten Mut machen.
Noch Fragen?
Das Reha Zentrum der BG Klinik Oggersheim feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen. Abgegrenzt vom normalen Klinikbetrieb liegt das Gebäude, in dem vier Stationen untergebracht sind, am Klinikpark. Die Fachrichtungen haben dabei ihre Schwerpunkte auf der Unfallchirurgischen Rehabilitation, der Hand-Plastischen Rehabilitation sowie der Brandverletztenrehabilitation. Über eine unterirdische Anbindung können die Patienten wettergeschützt zu den Reha-Anwendungen im Hauptgebäude der BG Klinik gelangen.