Ludwigshafen Hochmoderne Medizintechnik: BG Klinik hat weiteren Quantensprung im Visier
Paul Alfred Grützner und Susanne Dieffenbach sind ein eingespieltes Team. Er ist seit 16 Jahren der Ärztliche Direktor der BG Klinik, sie seit zehn Jahren deren Geschäftsführerin. Im Detail mögen sie sich vielleicht nicht immer einig sein – das wäre auch viel verlangt. Doch eines eint sie seit Jahren und immer wieder aufs Neue: Das Bestreben, für die Patienten, ob nach einem Unfall oder bei orthopädischen Beschwerden, die bestmögliche medizinische Versorgung zu ermöglichen.
„10 Jahre Reha-Zentrum“ ist zum Beispiel ein Jubiläum, das die BG Klinik in diesem Jahr feiert – wobei viele gar nicht wissen dürften, was hinter den Mauern dieses Zentrums alles geleistet wird. „Wir bieten Patienten nach einem Unfall zum Beispiel die Möglichkeit des ,Indoor-Dachdeckens’ an“, erzählt Grützner. Denn natürlich mache es einen Unterschied, nach einem Unfall ohne Vorbereitung wieder aufs Dach zu gehen oder die Möglichkeit zu haben, in der Reha auf einer echten schrägen Ebene wieder Dachziegel in der Hand zu halten. „Für insgesamt 50 Gewerke halten wir diese Art von Rehabilitationsmaßnahmen vor“, betont Grützner. Zudem seien Psychotraumatologen im Einsatz, die den Patienten nach einem Unfall helfen, ihr persönliches Gefühl von Sicherheit wiederherzustellen.
Aber auch sonst unterscheide sich das Rehazentrum der BG Klinik als Einrichtung der gesetzlichen Unfallversicherung deutlich von anderen Rehazentren. „Unser System ist absolut durchlässig und hochspezialisiert“, erklärt Susanne Dieffenbach. Dadurch, dass sich sämtliche Einrichtungen und Ansprechpartner auf einem Campus befänden, sei der Reha-Mediziner sozusagen direkt schon dabei, wenn ein Schwerverletzter in den OP kommt.
„Betreiben hohen Aufwand“
„Wir wollen die Rehabilitation möglichst früh beginnen lassen und betreiben dafür auch einen hohen Aufwand“, betont Paul Alfred Grützner. Zum Beispiel laufe während der Reha die Diagnostik stetig weiter. „Insgesamt ist das ein Mix aus Pflege, dem Erstellen weiterer Verlaufsbefunde, und vielleicht muss ein Patient nach einer gewissen Zeit in der Reha ja auch doch noch mal ins MRT oder gar operiert werden“, sagt der 62-Jährige. „Das System ist insgesamt sehr durchlässig.“
Genau diese Idee liege auch der Entscheidung der BG Klinik zugrunde, ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) mit mehreren Arztpraxen aufzubauen. Ein Standort – nämlich eine Praxis für Orthopädie und Unfallchirurgie – eröffnete im vergangenen November im Medical Center der BASF. „Medizin aus einer Hand“ heißt an dieser Stelle das entscheidende Stichwort. Denn: Nach einer stationären Behandlung in der BG Klinik könnten Patienten im MVZ gut weiterversorgt werden.
Aber auch BASF-Mitarbeiter würden im Falle eines Unfalls arbeitsplatznah erstversorgt und müssten nicht mehr in jedem Fall mit dem Krankenwagen nach Oggersheim gefahren werden. „Unsere Mitarbeiter im MVZ wissen auch ganz genau, an wen sie die Patienten weiterverweisen müssen, sollte eine Behandlung in der BG Klinik am Ende doch noch notwendig sein“, sagt Paul Alfred Grützner. Speziell Doppeluntersuchungen könnten auf diesem Weg sehr gut vermieden werden. „Dass künftig nicht mehr alle alles machen, ist im medizinischen Bereich der entscheidende Schlüssel zum Erfolg“, ist auch Susanne Dieffenbach überzeugt.
CT im Stehen möglich
Wie spezialisiert und auch führend die BG Klinik in vielen Bereichen bereits ist, merkt man unter anderem daran, mit wie vielen hochmodernen Geräten das Haus ausgestattet ist. „Derzeit lassen wir gerade ein ganz neues MRT einbauen, mit dem man sogar feinste Nervenbahnen sichtbar machen oder die Knorpeldicke ausmessen kann“, erzählt der Ärztliche Direktor. Auch eine Computertomographie (CT) im Stehen sei möglich. „Es ist eben ein Unterschied, ob Sie bei der Untersuchung liegen, oder das Ganze im Stehen erfolgt, wenn die Wirbelsäule belastet wird.“
Und: „Wir sind im Besitz des weltweit ersten autonom fahrenden Röntgengeräts“, sagt Grützner. Hervorgegangen sei dieses neue Hightech-Gerät aus einer Forschungskooperation mit Siemens. „Weniger Strahlenbelastung für die Mitarbeiter, sehr präzise Aufnahmen, mehr personelle Ressourcen, die jetzt für unsere Patienten an anderer Stelle zur Verfügung stehen“, fasst der 62-Jährige die aus seiner Sicht größten Vorteile zusammen.
Neues Simulationszentrum
Gar von einem „Quantensprung“ ist indes die Rede, als der Ärztliche Direktor und die Geschäftsführerin auf das nächste „Hightech-Projekt“ der BG Klinik zu sprechen kommen: das neue Skills- und Simulationszentrum, das in rund zwei Jahren eröffnet werden soll. Entstehen wird es direkt neben dem Hubschrauberlandeplatz der BG Klinik. „Das wird ein komplett mit Kameras ausgestattetes neues OP-Zentrum, in dem mithilfe von Trainingspuppen echte Notfallbedingungen simuliert werden“, erklärt Susanne Dieffenbach.
In Einrichtungen wie diesen liegt die „Zukunft der Bildung“ für alle medizinischen Berufe, ist sich die 53-Jährige sicher. „Unser Fach- und Assistenzpersonal wird dort Kurse zur Aus- und Fortbildung absolvieren.“ Doch auch Organisationen wie zum Beispiel das Deutsche Rote Kreuz werden von dem neuen Skills- und Simulationszentrum profitieren. „Geplant ist, dass wir dort auch Fortbildungskurse für Externe anbieten“, betont Dieffenbach.
Dass die BG Klinik die größte Abteilung für Handchirurgie in Deutschland hat und auch zu den größten Schwerbrandverletztenzentren in ganz Europa zählt, darauf ist die Geschäftsführerin sichtlich stolz. Der hohe Stellenwert des Hauses, der weit über die Rhein-Neckar-Region hinaus reiche, habe sich gerade erst in der vergangenen Woche wieder gezeigt. „Da ist ein Patient mit einer sehr komplexen Wirbelsäulenverletzung aus Trier mit dem Hubschrauber eingeflogen worden“, berichtet Paul Alfred Grützner. „Es ist ein wirklich großes Einzugsgebiet, dass wir hier vom Standort Oggersheim aus bedienen.“