Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel „Weinhändler des Jahres 2026“: BASF-Weinkellerei setzt auf 360-Grad-Shows

Fast eine Million Flaschen Wein hat das Team der BASF-Weinkellerei um Marc Oliver Heilos (links) und Bernhard Wolff auf Lager.
Fast eine Million Flaschen Wein hat das Team der BASF-Weinkellerei um Marc Oliver Heilos (links) und Bernhard Wolff auf Lager.

Die Weinkellerei des Chemiekonzerns BASF ist von der Fachzeitschrift „Weinwirtschaft“ als „Weinhändler des Jahres 2026“ ausgezeichnet worden. Und es gibt noch mehr zu feiern.

Die Weinkellerei verdankt ihre Entstehung der Einweihung des benachbarten Gesellschaftshauses der BASF. Gutes Essen ohne Wein, das war auch schon vor 125 Jahren unvorstellbar. Mittlerweile zählt die Kellerei zu den bekanntesten Weinhändlern Deutschlands und setzt mit ihrem Konzept Maßstäbe für die Branche.

Den begehrten Titel „Weinhändler des Jahres“ vergeben der Fachverlag „Meininger“ in Neustadt und die Jury der Redaktion „Weinwirtschaft“ alljährlich für vorbildliches Engagement um den Wein. 2009 bekam der BASF-Weinkeller zum ersten Mal diesen Preis, nachdem er bereits 2002 die Belobigung „für besonderes Engagement um den deutschen Wein“ erhalten hatte. Das Kellereiteam um Bernhard Wolff und seinen Stellvertreter Marc Oliver Heilos setzt auch in schwierigen Zeiten für die Branche ein Zeichen, wie der Weinabsatz im In- und Ausland erfolgreich sein kann.

900 Positionen im Angebot

Mit einer Million Flaschen im Lager zählt die BASF-Kellerei in der Anilinstraße (Nord/Hemshof) zu den größten Weinhändlern in Deutschland. Bei der Einweihung im Jahr 1900 sollten die Gäste und Geschäftspartner der Badischen Anilin- und Soda-Fabrik mit Weinen aus der Region versorgt werden. Aber auch die eigenen Mitarbeiter sollten die Möglichkeit haben, nach Feierabend Wein zu kaufen. Wochenendausflüge in die nahen Weinanbaugebiete waren zu dieser Zeit für die meisten Arbeiter nicht möglich. Damals wurden in der Kellerei Weine aus der Pfalz, Rheinhessen und von der Mosel verkauft.

Der Weinhandel der BASF führt mehr als 2500 verschiedene Weine, etwa die Hälfte davon stammt aus der Region.
Der Weinhandel der BASF führt mehr als 2500 verschiedene Weine, etwa die Hälfte davon stammt aus der Region.

Heute führt der Weinhandel der BASF über 2500 verschiedene Weine, davon etwa die Hälfte aus der Region. In der aktuellen Weinliste sind 900 Positionen im Angebot. Fast eine Million Flaschen lagern im eigens angelegten Weinkeller unter der Anilinstraße auf einer Fläche von 4000 Quadratmetern. Die Lagertemperatur in den riesigen Räumen beträgt zwölf Grad, die Luftfeuchtigkeit liegt zwischen 70 und 90 Prozent. Zum Sortiment gehören alle deutschen Weinanbaugebiete, wobei die Pfalz traditionell einen Schwerpunkt bildet. Weitere europäische Weine kommen aus Frankreich, Österreich, Italien, Spanien und Portugal. Daneben gibt es Weine aus Übersee, etwa aus Argentinien, Australien, Chile, Neuseeland, Südafrika und Kalifornien. Auch Tropfen aus China, Georgien, Griechenland, Israel, Kanada, Kroatien, dem Libanon, aus Mazedonien, Mexiko, Moldawien, den Niederlanden, aus Rumänien, der Schweiz, Türkei und aus Ungarn werden angeboten.

Neue Formate und Erlebnisse

Um so viel Wein an den Mann oder die Frau zu bringen, geht die BASF mittlerweile auch andere Wege: Neu ist die „360-Grad-Experience“ im Kammermusiksaal des Feierabendhauses, ein Format, mit dem vornehmlich jüngere Menschen an den Wein herangeführt werden sollen. Bei einer Multimedia-Show werden renommierte Lagen wie der Hambacher Schloßberg oder das Odinsthal bei Wachenheim präsentiert. Ein Drohnenflug liefert Bilder von markanten Orten der Region, die das Thema Wein erlebbar machen. Dazu gehört auch der Speyerer Kaiserdom. Was die Kathedrale mit Wein zu hat? Seit fast 45 Jahren hat dort die Ruländer-Akademie ihren Sitz. Eine Rebsorte, die heute unter dem Namen Grauburgunder bekannt ist.

Unscheinbar: der Eingang zur Weinkellerei in der Anilinstraße.
Unscheinbar: der Eingang zur Weinkellerei in der Anilinstraße.

„Wir brauchen heute noch mehr innovative Wege, aber auch neue Formate und Erlebnisse, um die Menschen an das Thema Wein heranzuführen“, sagt Bernhard Wolff. Der 62-jährige Diplom-Volkswirt ist seit 1999 in der Kellerei tätig und seit 2013 deren Leiter. „Das Thema Wein soll begeistern, auch diejenigen, die nicht dem Alkohol zugewandt sind“, sagt Wolff und bringt das Thema alkoholfreie Wein auf die Tagesordnung. Seine Devise: „Wir verkaufen nicht nur eine Flasche Wein, sondern auch die Geschichte dahinter. Jede Flasche steht für 8000 Jahre Weinkultur.“

Auf einer Fläche von 4000 Quadratmetern wird Wein gelagert.
Auf einer Fläche von 4000 Quadratmetern wird Wein gelagert.

Die BASF setzt im Verkauf auch Trends: Schon in den 90er-Jahren installierte das Unternehmen den ersten Online-Shop. Vor zwei Jahren wurde dieser modernisiert. „Der Shop muss heute von jedem Ort auf der Welt zugänglich sein, auch über das Smartphone“, sagt Marc Oliver Heilos. Der 40-jährige Diplom-Ingenieur für Önologie und Getränketechnologie, der seine ersten Berufsjahre in der Deutschland-Zentrale des österreichischen Getränke-Giganten Red Bull in München absolviert hat, steht ebenfalls für die Weiterentwicklung des Weinkellers der BASF. „Wir setzen auf das Erlebnis beim Wein, aber wir denken global“, betont Wolff. Über 500 Veranstaltungen im Jahr richten die Mitarbeiter des Weinkellers weltweit aus. Dabei sind die BASF-Experten auch Botschafter für die Region.

Fokus auf Asien

Einen starken Fokus legt man derzeit auf Asien, etwa auf China, Taiwan und Japan. Ein Grund, weshalb immer wieder Mitarbeiter der BASF in diesen Ländern für deutschen Wein werben. So spricht man im Weinkeller nicht von einer Absatzkrise, wie es einige Winzer in der Pfalz tun. „Ich mag dieses Wort nicht“, sagt Wolff. „Um den Absatz konstant zu halten, müssen wir deutlich mehr tun als in der Vergangenheit.“ Er betont: „Wir leben in einer Weinlandschaft. Wein ist ein Kulturgut, da liegt es auf der Hand, dass wir tolle Erlebnisse schaffen. Winzer und Händler müssen mehr unterwegs sein, mehr Gesicht zeigen, aber auch innovative Zugänge schaffen und neue Märkte erschließen.“

Neben der Auszeichnung als „Weinhändler des Jahres 2026“ gibt es für das Team im kommenden Jahr noch etwas zu feiern: das 125-jährige Bestehen der BASF-Weinkellerei.

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