Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Gesellschaftshaus der BASF feiert 125 Jahre Glanz und Geschichte (mit Bildergalerie)

Das Gesellschaftshaus feierte am Samstag mit einer „Küchenparty“ sein Jubiläum.
Das Gesellschaftshaus feierte am Samstag mit einer »Küchenparty« sein Jubiläum.

Das BASF-Gesellschaftshaus besteht seit 125 Jahren. Das Gebäude verbindet Tradition und Moderne. Hier werden Kanzler und Könige bewirtet. Ein Blick hinter die Kulissen.

14. Dezember 1900: BASF-Direktor Heinrich Brunck steht im prunkvollen Treppenhaus des Gesellschaftshauses und begrüßt die Gäste bei der Eröffnungsfeier per Handschlag. Nach zwei Jahren Bauzeit ist der Neubau fertig. Über 500.000 Mark hat der Chemiekonzern in das Gebäude investiert – plus 100.000 Mark für die Innenausstattung. Eine gewaltige Summe für die damalige Zeit.

Architekt war Eugen Haueisen, Spitzname: der „Backsteingeneral“. Doch das Gesellschaftshaus besteht nicht nur aus Backsteinen. „Die Bauweise war damals modern: Das Haus bekam ein Stahlskelett und auch Beton wurde eingesetzt“, erzählt Unternehmenshistorikerin Isabella Blank-Elsbree bei einem Rundgang anlässlich des 125-jährigen Bestehens, das am Samstag gefeiert wurde.

Tradition an vielen Stellen

Geschichte ist an vielen Stellen im Haus zu spüren: Neben dem Haupteingang und seinem mondänen Treppenaufgang beispielsweise auch im Restaurant, das anfangs ein Speisesaal war. Reichverzierte Säulen, Holzvertäfelungen, Stuckdecken und Kronleuchter zeugen von der Vergangenheit. Dicke Teppichböden dämpfen die Schritte. Eine ganze Menge Personal kümmerte sich damals um das Wohlbefinden der Besucher. Die jungen Frauen, die im Service waren, wurden damals „Saaltöchter“ genannt und lebten wie die Dienstboten in Adelshäusern im Dachgeschoss, berichtet Blank-Elsbree. „Hier schlägt das Herz des Hauses“, sagt Küchenchef Sven Feldmann, der seit 18 Jahren im Gesellschaftshaus arbeitet.

Küchenchef Sven Feldmann und Anne Boel Rasmussen, Chefin der BASF-Gastronomie, führen durchs Haus.
Küchenchef Sven Feldmann und Anne Boel Rasmussen, Chefin der BASF-Gastronomie, führen durchs Haus.
Das Treppenhaus ist auch nach 125 Jahren noch beeindruckend.
Das Treppenhaus ist auch nach 125 Jahren noch beeindruckend.
Seit der Renovierung im Jahre 2000 gibt es eine Vinothek für Weinproben im Haus.
Seit der Renovierung im Jahre 2000 gibt es eine Vinothek für Weinproben im Haus.
Die Küche ist technisch auf dem neuesten Stand, sagt Chefkoch Feldmann.
Die Küche ist technisch auf dem neuesten Stand, sagt Chefkoch Feldmann.
Viel Stuck findet sich auf den Decken im Haus.
Viel Stuck findet sich auf den Decken im Haus.
Pfälzer Spitzenweine konnten bei der Feier verkostet werden.
Pfälzer Spitzenweine konnten bei der Feier verkostet werden.
Die rund 200 Gäste konnten einen Blick in die Küche werfen.
Die rund 200 Gäste konnten einen Blick in die Küche werfen.
Angerichtet: Leckereien aus der Küche.
Angerichtet: Leckereien aus der Küche.
Das Gebäude wurde nach dem Krieg ohne die beiden ursprünglichen Türmchen aufgebaut.
Das Gebäude wurde nach dem Krieg ohne die beiden ursprünglichen Türmchen aufgebaut.
So sah das Gesellschaftshaus bei seiner Eröffnung aus.
So sah das Gesellschaftshaus bei seiner Eröffnung aus.
Frontansicht des BASF Gesellschaftshauses 1926.
Frontansicht des BASF Gesellschaftshauses 1926.
Blick in den Speisesaal 1909, heute ist dort das Restaurant.
Blick in den Speisesaal 1909, heute ist dort das Restaurant.
Auch die Kegelbahn gibt es seit 125 Jahren.
Auch die Kegelbahn gibt es seit 125 Jahren.
Wo heute die Grünfläche ist, war früher ein Tennisplatz, der im Winter als Eisbahn genutzt wurde.
Wo heute die Grünfläche ist, war früher ein Tennisplatz, der im Winter als Eisbahn genutzt wurde.

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„Ich habe 20 Jahre in vielen Ländern gearbeitet. Aber als ich hier ins Gesellschaftshaus kam, hat das bei mir auch Ehrfurcht ausgelöst – der Größe und der Optik wegen“, sagt der heutige Küchenchef. Feldmann leitet ein Team von 27 Fachkräften und 20 Auszubildenden in der Küche. Im Service arbeiten weitere 26 Fachkräfte und 19 Auszubildende – aus zwölf Nationen. Rund neun Tonnen Gemüse, drei Tonnen Käse, zwei Tonnen Kalbsprodukte und über 7000 Eier werden jedes Jahr verarbeitet, zählt Feldmann auf. Der Küchentrakt wurde im Haus verlegt und sei auf dem modernsten Stand, sagt der Chef. In diesem Jahr wurden 88.500 Gäste empfangen. Der Großteil besuchte Tagungen, Konzerte und andere Veranstaltungen.

Viele Promis bewirtet

Bewirtet wurden und werden im Gesellschaftshaus auch viele prominente Gäste der BASF: Dazu zählten mehrere Bundeskanzler – darunter Helmut Schmidt, Helmut Kohl, Gerhard Schröder und Angela Merkel –, die Bundespräsidenten Theodor Heuss, Walter Scheel und Christian Wulff, Bundesminister, der berühmte Chirurg Ferdinand Sauerbruch, gekrönte Häupter wie der belgische König Philippe, internationale Staats- und Regierungschefs sowie Sportler wie Axel Schulz oder Trainerlegende Jürgen Klopp, die Motivationsvorträge hielten.

21 Säle gibt es im Gebäude. 1470 Quadratmeter Fläche stehen für Veranstaltungen zur Verfügung. Prunkstück ist dabei der große Festsaal im zweiten Stock. Er wurde in den 1920er-Jahren nach dem Vorbild des Tanzsaals im Kasseler Stadtschloss ausgestattet. Doch von dieser Pracht ist nach einem Bombentreffer im September 1943 nichts mehr übriggeblieben. Der Saal wurde beim Wiederaufbau 1950 etwas schlichter gehalten – auch wenn er heute mit seinen verspiegelten Türen und dem kunstvoll gestalteten Parkett immer noch eine beeindruckende Kulisse ist.

Kegelbahn im Keller

Etwas bodenständiger geht es im Keller zu: Dort befindet sich der Eröffnung des Hauses eine Kegelbahn, die immer noch von vier BASF-Kegelclubs genutzt wird, berichtet Anne Boel Rasmussen, Chefin der BASF-Gastronomie. Die Bahn sei an vier Tagen in der Woche ausgebucht. Für die Werksangehörigen gab es früher auch einen Tennisplatz, wo sich heute die Grünanlage vor dem Haus befindet. Im Innern gab es ein Billardzimmer und Spieltische, Bibliotheken und einen Zigarrenraum. Auch eine Kunstsammlung gab es in den 1930er-Jahren. Vorstandsmitglied Paul Julius hatte sie nach seinem Tod dem Gesellschaftshaus vermacht, erzählt Historikerin Blank-Eslbree.

Bei aller Tradition: Das Gesellschaftshaus und die BASF-Gastronomie stehen wie alle Bereiche des Chemiekonzerns wegen der wirtschaftlichen Lage unter Druck. Denn das Haus ist ein Zuschussbetrieb und wird vor allem von Anilinern genutzt. „Wir wollen mehr externe Gäste gewinnen und die Auslastung steigern“, kündigt die Chefin der BASF-Gastronomie auf Nachfrage an. Die Gebäudesubstanz ist auch nach 125 Jahren in Ordnung, eine größere Sanierung steht seit der Grundrenovierung im Jahre 2000 nicht an. Um den Unterhalt kümmert sich die BASF-Tochter „Wohnen + Bauen“.

Über 200 Gäste beim Jubiläumsfest

Am Jubiläumswochenende zeigte die Küche des Gesellschaftshauses, was sie leisten kann: Rund 200 Besucher erlebten am Samstagabend eine kulinarische Zeitreise durch die Geschichte der Räumlichkeiten und durften in der Küche Spitzenköchen bei der Zubereitung der Speisen zusehen. Es gab unter anderem schottischen Lachs, französisches Bresse-Huhn und italienische Pasta aus dem Parmesanlaib mit schwarzen Trüffeln. Auch bei den Getränken fuhr die BASF-Weinkellerei groß auf: Champagner aus Reims, Spitzengewächse aus der Pfalz und moderne Cocktails. Die konzerneigene Kellerei, in der eine Million Weinflaschen lagern, ist zum besten Weinhändler Deutschlands gewählt worden – passend zum 125. Jubiläum, das dort im kommenden Jahr gefeiert wird.

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