Ludwigshafen
Weil Klassensäle fehlen: 1700 Schüler lernen in Containern
Ende des vergangenen Jahres hat der kurzfristig abgesagte Umzug der katholischen Kita St. Joseph in Rheingönheim in ein Container-Domizil in dem südlichen Stadtteil für Empörung gesorgt. Das alte Kitagebäude sollte eigentlich bald saniert und erweitert werden. Schon seit Jahren sickert Regenwasser durch die Decke. Aber dann stand überraschend kein Ausweichquartier mehr für die 50 Kinder zur Verfügung. Denn die dafür vorgesehenen Container in der Käthe-Kollwitz-Straße, die im Jahr 2011 nach einem Brand als Ausweichquartier für die Kita Brückweg errichtet und von der Stadt angemietet worden waren, mussten abgerissen werden, weil sie zu marode waren. Zuvor jedoch hatte die Stadt noch mehrere Zehntausend Euro in das alte Provisorium investiert. „In Summe wurden für eine beabsichtigte Ertüchtigung der Containeranlage rund 34.000 Euro verausgabt“, teilte die Stadtverwaltung auf Anfrage mit. Wann nun mit dem Umbau des maroden Kitagebäudes begonnen werden kann, ist offen, weil bisher kein Ausweichquartier für die Kinder zur Verfügung steht. Ein Debakel.
Über die voraussichtliche Dauer der geplanten Unterbringung der katholischen Kita in einem neuen Provisorium lässt sich aktuell kaum eine Vorhersage treffen. Anzunehmen ist, dass es sich um mehrere Jahre handeln wird. So wie zum Beispiel seinerzeit bei der städtischen Kita Süd in der Orffstraße: Das alte Gebäude war so sanierungsbedürftig und in die Jahre gekommen, dass es abgerissen und an seiner Stelle ein Neubau errichtet werden musste. Unterdessen mussten Kinder und Erzieherinnen vier Jahre lang in ein Container-Provisorium am Lichtenberger Ufer unterschlüpfen. Bis sie endlich im Februar 2023 in die neuen Räume am alten Standort einziehen konnten. Das Container-Dorf am Rhein steht unterdessen noch immer auf einer ehemaligen Grünfläche. Weil auch diese Kitaplätze in Ludwigshafen weiterhin dringend gebraucht werden. Aus dem Provisorium, das ursprünglich nur für fünf Jahre geplant war, ist eine Dauerlösung geworden.
Gesamtschule: Sanierung ins Stocken geraten
In der Stadt werden nicht nur immer mehr Kita-Kinder in Containern betreut. Auch etliche Schüler lernen und leben tagsüber in den sogenannten Modulen oder Pavillons. Zum Beispiel die Kinder der Schillerschule Oggersheim, die seit dem Frühjahr 2023 in einem Container-Ausweichquartier an der Integrierten Gesamtschule Ernst Bloch ausgelagert sind, weil die Grundschule endlich nach mehrjähriger Hängepartie saniert und erweitert wird. Sobald die Grundschüler aus den Containern ausziehen, werden die Container wieder für die Generalsanierung der Gesamtschule benötigt, die im Frühjahr 2019 gestartet, aber seit einiger Zeit ins Stocken geraten ist.
Nach Angaben eines Sprechers der Stadtverwaltung gibt es aktuell an 14 Schulen Container-Klassenzimmer, in denen bis zu 1700 Schüler unterrichtet und betreut werden, darunter die Grund- und Förderschule an der Blies, die Brüder-Grimm- Grundschule in Süd, die Mozartschule in Rheingönheim, die Realschulen in Oggersheim und am Ebertpark sowie die Georgens-Schule in Oggersheim. Für die Förderschule mit dem Schwerpunkt ganzheitliche Entwicklung wurden an zwei Außenstellen in der Ludwig-Bertram-Straße in der Innenstadt und an der Förderschule Blies in West zum Start des laufenden Schuljahrs im vergangenen Sommer zwei Außenstellen für zehn Klassen geschaffen. Sechs Klassen wurden in einem Container in der City und vier Klassen an der Förderschule Blies einquartiert. Wann und wie die Georgensschule dauerhaft erweitert werden könnte, steht bisher in Sternen.
Bedarf für neue Grundschule
Wenn in den kommenden Jahren die ersten Bewohner in die neue Heinrich-Pesch-Siedlung in Süd einziehen, könnte sich der Platzmangel an den Schulen weiter verschärfen: Denn dann benötigt Ludwigshafen eine neue Grundschule, wie die Stadtverwaltung festgestellt hat. Die benachbarten Grundschulen seien voll belegt und könnten die zusätzlichen Schüler aus der Siedlung nicht mehr auffangen. Zum Errichtungsverfahren stehe die Stadt in Abstimmungsgesprächen mit den jeweils beteiligten Stellen, unter anderem mit der Schulaufsicht des Landes.
Konkrete Pläne gibt es derweil noch nicht. Zur Sicherung des Schulstandortes müsse zunächst der dafür nötige Grundstückserwerb an der Entwicklungsachse West abgeschlossen werden. Die Verwaltung hofft, dass im Laufe des Jahres 2025 weitere Ankäufe stattfinden werden, sodass im Anschluss daran das Organisationsverfahren zur Errichtung einer neuen Grundschule seitens der Aufsichtsbehörde angestoßen werden kann.
Vier Kita-Ausweichquartiere
An vier Ludwigshafener Standorten gibt es derzeit dem Verwaltungssprecher zufolge Ausweichquartiere für Kindertagesstätten: In der Pettenkofer-/Industriestraße in Nord befindet sich das Ausweichquartier für die Kita Schanzstraße, die derzeit 100 Kinder betreut. Die Kita Lichtenberger Ufer in der City dient als Ausweichquartier für die Kita des Friesenheimer Dietrich-Bonhoeffer-Zentrum mit 75 Kindern. In der Kita Ernst-Reuter-Siedlung (Gartenstadt) wurde ein Anbau für ursprünglich 100 Kinder errichtet. Weil jedoch noch Umbaumaßnahmen notwendig seien, könnten in diesen Räumlichkeiten momentan nur 80 Kinder betreut werden. Zudem stehe das Ausweichquartier der Kita Friesenheim aktuell leer.
Zur generellen Nutzungsdauer der Containerräume sagt der Stadtsprecher: „Man kann allgemein sagen, dass Containergebäude bei entsprechender Pflege und Wartung eine sehr lange Lebensdauer haben. Untersuchungen zeigen, dass sie bei optimalen Bedingungen und durchgehender Instandhaltung durchaus mehrere Jahrzehnte halten können. Die Qualität der Materialien, die Bauweise, regelmäßige Wartung und Schutzmaßnahmen gegen Umwelteinflüsse sind entscheidende Faktoren, welche die Langlebigkeit bestimmen.“