Alles für die Tonne (9) RHEINPFALZ Plus Artikel Was mit Verpackungsabfällen nach der Abholung passiert

Sortierte und gepresste Verpackungsabfälle – bereit zur Weiterverwertung.
Sortierte und gepresste Verpackungsabfälle – bereit zur Weiterverwertung.

Altglas und Leichtverpackungsabfälle werden in Deutschland über die Dualen Systeme gesammelt. Die kümmern sich auch darum, dass der Müll sortiert und verwertet wird. Was also passiert mit der leeren Milchtüte oder Ravioli-Dose, die in Ludwigshafen in der Gelben Tonne landet?

Seit Anfang dieses Jahres sammelt das Unternehmen Knettenbrech + Gurdulic die Verpackungsabfälle aus Gelbem Sack oder Gelber Tonne bei den Ludwigshafener Haushalten ein. Bei Knettenbrech in Mannheim werden die Abfälle dann zwischengelagert und an die Dualen Systeme gemeldet. Die lassen den Müll entsprechend ihres bundesweiten Marktanteils vor Ort abholen. Denn: Zehn, bald elf, Unternehmen teilen sich den Markt der Verpackungsabfälle und damit des Dualen Systems in Deutschland untereinander auf. Damit aber nicht jedes Haus in Ludwigshafen zehn verschiedene Gelbe Tonnen vor der Tür stehen hat, werden die Abfälle zunächst gemeinschaftlich gesammelt und anschließend auf die zehn Unternehmen verteilt.

Jedes davon entscheidet dann eigenständig, an wen es den eigenen Abfallanteil zum Sortieren weitergibt. Neben dem bekannten Grünen Punkt ist die Zentek GmbH aus Köln eine der zehn Firmen mit einem Marktanteil von rund zwölf Prozent bei den Leichtverpackungen und 15 Prozent beim Altglas. Prokurist Alexander Keiser erklärt, wie es im Falle seines Unternehmens mit den Verpackungen weitergeht.

Tote Katze in Gelber Tonne

Sortiert werden diese bei der Firma Meilo im hessischen Gernsheim. Dort kommt laut Internetseite des Unternehmens Verpackungsmüll aus einem Umkreis von rund 300 Kilometern an. In Anlagen mit langen Laufbändern werden dort zunächst Fehlwürfe aussortiert: Also das, was in Gelbem Sack und Gelber Tonne nichts zu suchen hat. „Sie glauben nicht, was man dort alles findet“, sagt Keiser und berichtet von toten Katzen und Munitionsresten. Nachdem diese „Störstoffe“ entfernt sind, werde nach Plastik-Arten sortiert, unter anderem mit Infrarot-Scannern. Diese erkennen die Art des Kunststoffs, damit am Ende ein möglichst sortenreines Produkt für das Recycling steht. Das betrifft auch Weißblech, Aluminium und Getränkekartons, die ebenfalls in den Gelben Sack gehören.

Von Hessen aus gelangen die nach Fraktionen sortierten „Pakete“ dann zur Weiterverarbeitung in andere Betriebe. Keiser betont: „Wir möchten, dass die Verwertung der Kunststoffe ausschließlich im europäischen Wirtschaftsraum erfolgt.“ Zum allergrößten Teil in Deutschland selbst. Diese Vorgabe werde auch an die nachgeordneten Unternehmen in der Kette weitergegeben. Und was ist mit den öffentlich viel kritisierten Verpackungsmüllexporten etwa nach Asien? Keiser schüttelt den Kopf: nicht bei Zentek. Er kann das aber, wie er sagt, nur für sein eigenes Unternehmen verneinen und nicht für andere Firmen sprechen.

Weniger exportierter Müll

Die Menge von exportierten Kunststoffabfällen geht laut Statistischem Bundesamt zurück. Dennoch seien im Jahr 2020 gut eine Million Tonnen Kunststoffabfälle aus Deutschland in andere Länder gebracht worden – das meiste davon mit 170.700 Tonnen nach Malaysia, gefolgt von den Niederlanden und der Türkei. Vor einigen Jahren war China noch Spitzenreiter, doch das Land nimmt inzwischen viele Materialien nicht mehr an, darunter unsortierter Plastikabfall. „Müllexporte stammen vermutlich im Wesentlichen aus Gewerbemüll, der nicht über den Gelben Sack, die Gelbe Tonne oder Wertstofftonne gesammelt wird“, sagt Katharina Lautner von Bellandvision, einem anderen Unternehmen der Dualen Systeme. Überhaupt sei der Export von Verpackungen aus Gelbem Sack und Gelber Tonne in Länder wie China und Malaysia „die absolute Ausnahme“. Weit mehr als 95 Prozent der Verpackungsabfälle aus diesen Quellen würden in Deutschland und Europa sortiert und verwertet, sagt Lautner.

Auch das in Ludwigshafen von Knettenbrech + Gurdulic gesammelte Altglas wird zunächst an Sammelplätzen erfasst und dann nach Marktanteil den Dualen Systemen zugeordnet. Dabei sei es wichtig, das Material schon farbsortiert umzuschlagen, erklärt Alexander Keiser. Denn die Verbraucher haben es – im besten Fall – ja bereits nach Glasfarbe korrekt in die getrennten Container sortiert.

Altglas: Farben wichtig

Wer sich übrigens darüber wundert, dass die verschiedenen Glascontainer alle in ein einziges Fahrzeug entleert werden, dem sei gesagt: Innerhalb des Autos gibt es Trennwände für die einzelnen Fraktionen. Im Vergleich zu Verpackungsabfällen sei Glas einfacher aufzubereiten und könne „beliebig oft eingeschmolzen“, also recycelt werden, sagt Keiser. Das anteilige Altglas von Zentek gehe zur Weiterverarbeitung an die Johann Schirmbeck GmbH, die Glasrecycling an mehreren Standorten in Deutschland anbietet.

Auch für die Dualen Systeme ist Mülltrennung ein sehr wichtiges Thema. Fehlwürfe seien ein großes Problem, sagt Alexander Keiser von Zentek. Teils finde man in einer Gelben Tonne 30 Prozent Restmüll, der dort nichts zu suchen hat. Ohnehin sei die Fehlwurfquote in den stabilen Tonnen höher als in Gelben Säcken. Wenn viel „falscher Müll“ auszusortieren ist, verteuere es die gesamte Kette, sagt Keiser. Und das könne letztlich über die Lizenzgebühren der Dualen Systeme auch wieder auf die Produktpreise und damit auf die Verbraucher umgelegt werden. Deshalb sei Mülltrennung „nicht nur aus ökologischen sondern auch aus ökonomischen Gründen“ wichtig, betont er.

Die Serie

Nein, diese Serie ist nicht für die Tonne. Aber das, worum es hier geht: Müll. Ob der in Ludwigshafen immer in der richtigen Tonne landet, wer ihn bei uns abholt und was anschließend damit passiert – darum soll es in den nächsten Wochen gehen.

Die anderen Teile

„Was werfen die Ludwigshafener alles weg“, fragten wir uns in Teil 1 der Serie.

Teil 2 widmete sich dem Arbeitsalltag bei der Müllabfuhr.

Für Teil 3 der Serie besuchten wir das Müllheizkraftwerk in Ludwigshafen.

Was mit Industrieabfällen in der BASF passiert, erklärten wir in Teil 4.

In Teil 5 ging es um Mülltrennung.

Müllvermeidung war Thema in Teil 6.

In Teil 7 ging es um die Frage: Was passiert mit dem Müll aus Ludwigshafen.

Teil 8 der Serie beschäftigte sich mit illegal abgelagertem Müll, den Beitrag finden Sie hier.

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