Alles für die Tonne (7) RHEINPFALZ Plus Artikel Was passiert mit dem Müll aus Ludwigshafen?

Der Ludwigshafener Grünschnitt kommt zur Weiterverarbeitung nach Mutterstadt, ...
Der Ludwigshafener Grünschnitt kommt zur Weiterverarbeitung nach Mutterstadt, ...

Das Müllauto ist noch lange nicht die Endstation für den Abfall, der bei uns zu Hause abgeholt wird. Und auch auf dem Wertstoffhof bleibt der Müll ja nicht einfach liegen. Doch was passiert mit ihm und wo wird er weiterverarbeitet? Darauf haben wir Antworten in der Region gefunden.

Beim Wirtschaftsbetrieb Ludwigshafen (WBL) wird der Müll weder übergangsweise gelagert noch sortiert oder gar recycelt. Stattdessen gelangt er per Müllauto dort hin, wo er weiterverarbeitet wird, berichten Holger Kusche, Bereichsleiter Entsorgungsbetrieb und Verkehrstechnik, und WBL-Leiter Peter Nebel im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Am kürzesten ist der Weg ins Müllheizkraftwerk der GML. In der Anlage an der Bürgermeister-Grünzweig-Straße wird der Restmüll aus der Stadt verbrannt. Auch der Bauschutt wird – sofern unbelastet – innerhalb Ludwigshafens aufgearbeitet: bei der Firma Scherer & Kohl. Belasteter Bauschutt landet hingegen auf der Deponie. „Unser oberstes Ziel ist aber immer, die Abfälle in die Kreisläufe zurückzuführen“, betont Nebel.

Bei welchen Unternehmen die Abfälle aus der Stadt weiterverarbeitet werden, entscheidet sich durch Ausschreibungen. „Wir schreiben, je nach Marktlage, auf zwei Jahre aus“, sagt Holger Kusche. Dabei werde darauf geachtet, dass die Unternehmen entweder in der Umgebung sind oder dafür gesorgt haben, dass es einen entsprechenden Umschlagsplatz in der Region gibt, und die Fahrzeuge des WBL nicht allzu lange Strecken zurücklegen müssen.

Aus Grün wird Kompost

Einige Abfälle aus Ludwigshafen werden zur Firma Zeller in Mutterstadt transportiert. So etwa der Grünschnitt, wie Geschäftsführer Andreas Zeller bestätigt. In der Regel wird er von WBL-Fahrzeugen nach Mutterstadt gebracht. Vereinzelt, etwa bei großen Grünschnittmengen auf öffentlichen Anlagen wie Friedhöfen, stelle Zeller auch vor Ort Container auf, sagt er und erklärt, wie es danach weiter geht: „Wir zerkleinern den Grünabfall und trennen ihn in einzelne Fraktionen.“ Die Holzstückchen würden dann weiterverarbeitet und als Biomassebrennstoff verwendet, zu Heizzwecken oder zur Energiegewinnung. Der übrige Teil des Grünabfalls werde kompostiert und an die Landwirtschaft oder Privatleute als Dünger abgegeben.

Auch das Ludwigshafener Altholz, also etwa ausrangierte Möbel, kommt zur Zeller Recycling GmbH. Dort wird es laut Geschäftsführer zunächst von Störstoffen getrennt, also etwa vom Sofapolster oder belasteten Teilen, anschließend zerkleinert und von Metall befreit. Ein Großteil kann dann als Rohstoff für Spanplatten verwendet werden, ein kleiner Teil geht ebenfalls an Biomasseanlagen. Auch der Müll aus den Ludwigshafener Biotonnen landet bei Zeller. Allerdings nur zum Umschlag und Weitertransport nach Kaiserslautern, wo er bei der Zentralen Abfallwirtschaft (ZAK) zu Biogas und Kompost weiterverarbeitet wird.

Altpapier kommt zur Firma Jakob Becker in Schifferstadt. Dort wird es nach verschiedenen Arten und Qualitäten getrennt. Dann geht es weiter an Papierfabriken als Abnehmer, die daraus neues Papier herstellen. Eine Papierfaser kann laut Nebel sieben Mal recycelt werden.

Soweit der WBL darauf Einfluss hat, werde viel Wert auf die Weiterverarbeitung in Deutschland gelegt, sagt Peter Nebel. Keinen Einfluss darauf hat die Stadt allerdings etwa beim Verpackungsmüll in der Gelben Tonne, dessen Verwertung über die Dualen Systeme läuft.

Und dann gibt es noch die etwas speziellen Abfälle, etwa den Elektroschrott. Da gibt es laut Nebel eine „geteilte Produktverantwortung“. Das bedeutet: Sowohl die öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger, also Stadt beziehungsweise WBL, als auch die Hersteller der Geräte sind in der Pflicht. Der WBL muss eine Sammelstelle einrichten, an der Altgeräte kostenlos entgegengenommen werden. Das sind in Ludwigshafen die Wertstoffhöfe. Auch Händler müssen ab einer bestimmten Verkaufsfläche und unter bestimmten Bedingungen Altelektrogeräte zurücknehmen. Für die ordnungsgemäße Entsorgung sind aber die Hersteller verantwortlich. Die haben diese Aufgabe an die Stiftung Elektro-Altgeräte Register abgegeben, die sich kümmert.

Termine für Sonderabfälle

Der öffentlich-rechtliche Entsorger hat aber auch die Möglichkeit, sich freiwillig selbst um die Verwertung von Elektroschrott zu kümmern. „Wir machen das aktuell nicht“, sagt Peter Nebel. Das hänge mit den Marktwerten von Schrott und den anderen Materialien wie Metallen zusammen. Sind diese gut, kann das eine zusätzliche Einnahmequelle sein.

Auf den Wertstoffhöfen der Stadt werden noch viele andere Abfallarten entgegengenommen. Zu bestimmten Terminen auch Problemabfälle wie zum Beispiel Farben, Lacke und Gifte. „Knifflig ist, dass wir im Voraus nicht wissen, was der Kunde uns bringt“, sagt Nebel. Das Paradebeispiel sei „die Flasche mit der klaren Flüssigkeit“, aber eben ohne Etikett. Um diese besonderen Abfälle entgegenzunehmen braucht es spezielle Leute mit entsprechendem Hintergrundwissen, weshalb sie auch nicht immer und überall angenommen werden. Die Termine dafür stehen im Abfallkalender.

Die Serie

Nein, diese Serie ist nicht für die Tonne. Aber das, worum es hier geht: Müll. Ob der in Ludwigshafen immer in der richtigen Tonne landet, wer ihn bei uns abholt und was anschließend damit passiert – darum soll es in den nächsten Wochen gehen.

... das Altpapier nach Schifferstadt ...
... das Altpapier nach Schifferstadt ...
... und beim Elektroschrott wird’s kompliziert.
... und beim Elektroschrott wird’s kompliziert.
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