Alles für die Tonne (6)
Unverpackt, wiederverwendet oder selbst gemacht – so geht Müllvermeidung
Müll zu vermeiden schützt das Klima und schont die Ressourcen. Doch weil das nicht bei allen Menschen zieht, versucht es Uwe Fröhlich manchmal auch mit dem finanziellen Argument. „Wenn man Müll vermeidet, spart man Geld“, sagt der 58-jährige stellvertretende Leiter des Bereichs Umwelt. Nicht nur, weil man weniger kaufen muss, wenn man Dinge länger verwendet, anstatt sie wegzuwerfen. Insbesondere für Hausbesitzer bedeutet weniger Abfall in der Restmülltonne weniger Leerungen und damit geringere Kosten. Aber wie geht das eigentlich: Müll vermeiden?
Brauche ich das Produkt?
„Bevor man etwas kauft, sollte man sich Gedanken machen, ob man es überhaupt braucht“, gibt Lucy Zmuda einen einfachen Tipp. Die 54-Jährige arbeitet bei der Abfallberatung der Stadt. Im Supermarkt schützt beispielsweise der gute alte Einkaufszettel vor ungewollten Spontankäufen. Ihre Kollegin Tanja Rehberger (62) kritisiert die oft irreführende Werbung. So habe die Einführung des Grünen Punkts Anfang der Neunziger bei vielen zu einer Gewissensentlastung geführt. Nach dem Motto: Was passend entsorgt und dann recycelt werden kann, kann ja nicht so schlecht sein. Dabei sei es besser, eine Verpackung erst gar nicht zu kaufen und auch zu hinterfragen, ob man das Produkt braucht.
Eine einfache Variante, Verpackungsmüll zu reduzieren, sind Unverpackt-Läden, die es zum Beispiel in Mannheim, Speyer und Bad Dürkheim gibt. Das Prinzip: Der Kunde bringt ein Gefäß mit, wiegt es im leeren Zustand und befüllt es. Dann wird es noch einmal gewogen und der Preis berechnet. In den Läden verkauft werden unter anderem Nudeln, Reis, Müsli, Nüsse, Kichererbsen, aber auch Flüssigkeiten wie Seife und Waschmittel, teils auch Obst.
In Ludwigshafen gibt es bislang keinen Unverpackt-Laden, aber vereinzelt ähnliche Ansätze in kleinerer Form. So bietet der Edeka-Supermarkt in der Friesenheimer Industriestraße eine Unverpackt-Ecke an, in der ebenfalls Produkte in mitgebrachte Gefäße abgefüllt werden können. Eine andere einfache Art und Weise, verpackungsfrei einzukaufen, ist der Wochenmarkt. Mit der mitgebrachten leeren Eierpackung und dem Stoffbeutel für Obst und Gemüse ist schnell die eine oder andere Plastiktüte gespart.
Auch Milch und Joghurt in Mehrweggläsern helfen, Verpackung und damit Abfall zu sparen. Und wer besonders motiviert ist, kann versuchen, das eine oder andere selbst herzustellen statt es im Laden zu kaufen. Tanja Rehberger nennt als Beispiel Reinigungsmittel. „Da gibt es im Netz jede Menge Rezepte“, sagt sie. Für manchen Müll lässt sich auch ein einfacher Ersatz finden: Statt mit Alu- oder Frischhaltefolie kann der Salat im Kühlschrank mit einem Teller oder mit einem Bienenwachstuch abgedeckt werden, rät Rehberger.
Doch nicht nur Verpackungen sind Müll. Auch die ausrangierte Nachttischlampe oder der Kindersitz können zu Müll werden. Dagegen hat sich die Abfallberatung etwas einfallen lassen und laut Tanja Rehberger 2008 den „Tausch- und Verschenkmarkt plus“ eingeführt. „Die Bürger können dort ganz niederschwellig Sachen anbieten, suchen, tauschen“, erklärt Rehberger. Die Internetplattform, betreut von einer externen Agentur, richtet sich nicht nur an Ludwigshafener, sondern an Menschen aus der ganzen Region. „Manche suchen genau den Gegenstand, den andere abgeben wollen“, sagt Rehberger.
Gegen die Becherflut
Die Abfallberatung der Stadt ist seit einigen Jahren außerdem im Einsatz gegen die Flut an Coffee-to-go-Bechern. In den vergangenen Monaten sei allerdings „leider Corona dazwischen gekommen“, sagt Lucy Zmuda. So hätten einige Aktionen ausfallen müssen. 2019 ging Ludwigshafen gemeinsam mit Nachbarkommunen unter anderem auf Bäckereien zu, um dort für Mehrweg-Kaffeebecher zum Mitnehmen zu werben. Mit Erfolg: Einige Bäcker in Ludwigshafen bieten diese inzwischen an. Am umweltfreundlichsten sei es aber sowieso, sich gemütlich in die Bäckerei oder in ein Café zu setzen und den Kaffee vor Ort aus der Porzellantasse zu trinken, sagt Zmuda. Das spart nicht nur Müll, sondern entschleunigt auch.
Und wer die Zeitung durchgelesen hat, kann aus ihr eine praktische Mülltüte falten – Anleitungen gibt es im Internet – und darin den Biomüll sammeln und anschließend in der Biotonne entsorgen. Plastiktüten haben dort ohnehin nichts verloren.
Im Netz
Mehr Tipps bei der Abfallberatung unter www.ludwigshafen.de. Der Tauschmarkt ist zu erreichen über www.tausch-und-verschenkmarkt-plus-ludwigshafen-am-rhein.de oder per WBL-App.
Die Serie
Nein, diese Serie ist nicht für die Tonne. Aber das, worum es hier geht: Müll. Ob der in Ludwigshafen immer in der richtigen Tonne landet, wer ihn bei uns abholt und was anschließend damit passiert – darum soll es in den nächsten Wochen gehen.
Zum Weiterlesen
Teil 1 der Serie: Was die Ludwigshafener so alles wegwerfen Teil 2: Der Arbeitsalltag bei der Müllabfuhr
Teil 3: Ein Besuch im Müllheizkraftwerk