Alles für die Tonne (5) RHEINPFALZ Plus Artikel Richtig Müll trennen? Gar nicht so einfach!

Sortierte und gepresste Verpackungsabfälle, die im besten Fall recycelt werden, im allerbesten Fall aber gar nicht erst entstand
Sortierte und gepresste Verpackungsabfälle, die im besten Fall recycelt werden, im allerbesten Fall aber gar nicht erst entstanden wären.

Wer Müll produziert, sollte ihn richtig trennen. Doch das ist gar nicht so einfach. Die Mitarbeiter der städtischen Abfallberatung wissen, was die häufigsten Fehler sind und geben Tipps für den Alltag.

Umso besser getrennt der Abfall in den richtigen Behältern landet, umso mehr lässt sich anschließend damit anfangen. Das gibt Lucy Zmuda mit auf den Weg. Sie arbeitet bei der städtischen Abfallberatung. Uwe Fröhlich, stellvertretender Umweltbereichsleiter, ergänzt: „Wir müssen Ressourcen schonen. Im Prinzip ist das Klimaschutz.“ Wenn der Abfall richtig getrennt wird, kann einiges davon wiederverwertet werden.

Doch selbst Menschen, die sich über das Thema viele Gedanken machen, stoßen in Sachen Mülltrennung im Alltag oft an ihre Grenzen. Am kompliziertesten ist es mit dem Gelben Sack beziehungsweise der Gelben Tonne. Dort hinein gehören nur Leichtverpackungen aus Kunststoff, Metall und Verbundmaterial. Also etwa der Joghurtbecher, die Konservendose und der Milch- oder Saftkarton. Viele Leute denken aber, dass in die Gelbe Tonne alle Kunststoffe kommen, sagt Lucy Zmuda, so dass dort auch Plastikrohre und Wäschekörbe landen. Sie ergänzt: „Es gibt Leute, die Pampers in die Gelbe Tonne werfen, weil sie denken, die sind aus Kunststoff.“ Doch von den Windeln gehört nur die Verpackung hinein. Die Windel selbst ist Restmüll. Das ist noch ein relativ einfaches Beispiel. Aber: Warum offiziell auch die Frischhalte- und Alufolie von der heimischen Rolle nicht hineingehört – obwohl stoffgleich mit einigen Verpackungen – leuchtet selbst dem eifrigsten Trenner nicht auf Anhieb ein.

Kompliziert, aber wichtig

„Das ist ein halbes Studium“, gibt Tanja Rehberger zu, die ebenfalls bei der städtischen Abfallberatung arbeitet. „Ja, das System ist kompliziert und schwierig zu vermitteln“, sagt auch Uwe Fröhlich. In den Gelben Sack dürfen einige Dinge deshalb nicht hinein, weil ihre Entsorgung nicht mit dem Kauf an der Ladentheke bezahlt wurde. Denn dahinter steckt ein Lizenzsystem. Die Entsorgung der Abfälle wird über Gebühren finanziert, die Hersteller und Händler für ihre Verpackungen an das Duale System zahlen. Aber eben nur für die Verpackungen. Kompliziert.

Einfach zu merken ist, dass bei der Entsorgung keine Essensreste mehr in den Verpackungen sein sollten. Denn „dann schafft das auch die modernste Sortieranlage nicht“, sagt Zmuda, und der Abfall muss verbrannt werden. Gespült werden müssen Suppendose und Milch-Tetrapack zwar nicht, „aber sie sollen löffelrein sein“. Wichtig ist außerdem, unterschiedliche Materialien voneinander getrennt in den Sack zu verwerfen. Sonst kommen die Sortieranlagen damit ebenfalls nicht klar. Also: Aludeckel vom Joghurtbecher abziehen.

Beschichtete Becher nicht ins Altpapier

Stichwort Verpackungen: Die aus Papier gehören ins Altpapier. Also etwa der Pappkarton um die Tiefkühlpizza oder die Mehlpackung. Und dann gibt es noch beschichtetes Papier – etwa der Einweg-Getränkebecher aus dem Fastfood-Restaurant. Der gehört laut Zmuda ebenfalls in den Gelben Sack. Genauso der Coffee-to-Go-Becher. Bei beidem gilt wieder: Plastikdeckel abnehmen und extra reinschmeißen.

Im Biomüll sind Plastik und Glas laut den Abfallberatern die Hauptprobleme – beides gehört nicht hinein. „Man kann den Bioabfall in alter Zeitung oder einem kleinen Eimer sammeln“, gibt Rehberger einen Tipp. Auch Tüten aus kompostierbaren Kunststoffen seien keine Lösung.

Was gehört ins Altglas?

Und dann steht man vorm Altglascontainer und fragt sich, ob der Deckel vom Gurkenglas hinein gehört oder nicht. „Idealerweise macht man den Deckel ab und entsorgt ihn über den Gelben Sack“, sagt Lucy Zmuda. Inzwischen könnten die Anlagen zur Weiterverarbeitung die Metalldeckel aber auch per Magnet rausziehen. Dafür gilt: „Auf jeden Fall abschrauben.“ Wichtig sei auch, beim Altglas auf die Farbtrennung zu achten. „Sonst verdirbt man den Inhalt des gesamten Containers“, mahnt Zmuda. Das Altglas wird nach Farben sortiert eingeschmolzen und wiederverwertet. „Und bitte nur Verpackungsglas und keine Trinkgläser in die Container werfen“, sagt Tanja Rehberger. Das habe mit der stofflichen Zusammensetzung zu tun.

Und dann gibt es noch einen Tipp, damit man sich um die Trennerei überhaupt keine Sorgen machen muss: keinen Müll produzieren. „Bevor man etwas kauft, sollte man sich Gedanken machen, ob man es überhaupt braucht“, sagt Zmuda. Und auch Tanja Rehberger sagt: „Abfallvermeidung sollte immer oberste Priorität haben.“

Die Serie

Nein, diese Serie ist nicht für die Tonne. Aber das, worum es hier geht: Müll. Ob der in Ludwigshafen immer in der richtigen Tonne landet, wer ihn bei uns abholt und was anschließend damit passiert – darum soll es in den nächsten Wochen gehen.

Zur Sache: Die Abfallberatung

Drei Mitarbeiter auf zwei Stellen sind in Ludwigshafen für die Abfallberatung zuständig. Diese ist laut Kreislaufwirtschaftsgesetz eine Pflichtaufgabe der Kommunen. Die Berater geben telefonisch, persönlich oder – vor allem coronabedingt – auch per E-Mail Tipps zur Abfallvermeidung und dazu, wie bestimmter Müll richtig entsorgt wird. Laut Mitarbeiterin Lucy Zmuda helfen sie auch mit Ratschlägen zur Eigenkompostierung. Zu ihrer Arbeit gehört außerdem die Beratung an Schulen oder in Kitas sowie das Thema „Mehrweg statt Einweg“, das sich vor allem um Alternativen zu Coffee-to-go-Becher kümmert. Auch Kleidertauschpartys organisiert die Abfallberatung sowie Infostände zum Thema Lebensmittelverschwendung. Infos zu diesen und weiteren Angeboten im Netz. Kontakt über Telefon 0621/504-3455 oder per Mail: umwelt@ludwigshafen.de.

Zum Weiterlesen

Teil 1 der Serie: Was die Ludwigshafener so alles wegwerfen

Teil 2: Der Arbeitsalltag bei der Müllabfuhr

Teil 3: Ein Besuch im Müllheizkraftwerk

Teil 4: Was mit dem Abfall der BASF passiert

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