Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel So schätzt die Polizei die Sicherheitslage am Berliner Platz ein

Auf dem Berliner Platz liegt in Ludwigshafen ein Fokus der Polizeiarbeit.
Auf dem Berliner Platz liegt in Ludwigshafen ein Fokus der Polizeiarbeit.

Die Diskussion über eine Videoüberwachung ist in Ludwigshafen zuletzt wieder auf der Tagesordnung gelandet. Die Polizei hat zu dem politischen Vorstoß eine klare Haltung.

Zentrale Fläche am südlichen Ende der Innenstadt, Verkehrsknotenpunkt und wohl der Ort, der in Ludwigshafen am häufigsten für Schlagzeilen sorgt: der Berliner Platz. Schlagzeilen vor allem deshalb, weil seit zehn Jahren eine 60 mal 60 Meter große Baugrube, von Einheimischen gerne als „das Loch“ verspottet, diese Ecke verschandelt. Doch der Berliner Platz fällt auch vielen als Erstes ein, wenn es in Ludwigshafen um Kriminalität geht. Doch wie gefährlich ist dieser Ort tatsächlich?

Die größte Expertise, diese Frage zu beantworten, hat die Polizei. Wie also schätzt man im Ludwigshafener Präsidium aktuell die Sicherheitslage am Berliner Platz ein? Die Polizei stellt voran, dass Ludwigshafen im Vergleich zu anderen Oberzentren in Rheinland-Pfalz die zweitsicherste Stadt im Land sei. Damit das so bleibt beziehungsweise sich für die Menschen so anfühlt, ist der stark frequentierte Berliner Platz ein Schwerpunkt der Polizeiarbeit. Ludwigshafener Beamte waren dort dieses Jahr bis Ende Juli schon mehr als 1100 Stunden im Einsatz – teilweise unterstützt von Kräften der Bereitschafts- und der Bundespolizei. 500 Personen seien in dieser Zeit kontrolliert worden, gegen sechs von ihnen seien wegen Straftaten Aufenthaltsverbote ausgesprochen worden.

100 Körperverletzungen pro Jahr

Um die Sicherheit eines Orts zu bewerten, greift die Polizei auf Statistiken zurück. Die größte und bedeutendeste ist die Polizeiliche Kriminalstatistik. Darin werden allerdings einzelne Straßen oder Plätze nicht gesondert ausgewertet. Für den Berliner Platz liegen dennoch Zahlen über die Entwicklung von Straftaten vor, die die Polizei als Trend verstanden haben will. „Die registrierten Straftaten haben sich von 2012 an mit knapp unter 400 pro Jahr auf 223 im Jahr 2024 deutlich reduziert“, heißt es aus dem Polizeipräsidium.

Körperverletzungen hätten sich von einem Höchststand von knapp 190 Fällen im Jahr 2011 auf rund 100 seit 2019 eingependelt. Im vergangenen Jahr seien es 105 gewesen. Raubdelikte, so weisen es die Zahlen aus, schwankten von 2012 bis 2017 zwischen zehn und 24. Mittlerweile seien es um die fünf pro Jahr. Verstöße im Zusammenhang mit Drogen seien von knapp 20 Fällen im Jahr 2011 auf den Höchststand von fast 120 Fällen im Jahr 2023 gestiegen. 2024 seien nur noch 20 Delikte registriert worden. Die Zahl der Diebstähle sei 2024 auf 54 zurückgegangen. Im ersten Halbjahr 2025 sei gegenüber dem Vorjahreszeitraum bei den meisten Delikten ein leichter Rückgang zu verzeichnen.

Vom Berliner Platz sind es nur ein paar Minuten bis zum Rhein.
Vom Berliner Platz sind es nur ein paar Minuten bis zum Rhein.

Schlägereien am Wochenende

Den kontinuierlichen Anstieg der Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz bis 2023 führt die Polizei auf die deutlich ausgeweiteten Kontrollen zurück, der starke Rückgang der Zahlen 2024 dürfte mit der teilweisen Legalisierung von Cannabis zusammenhängen. „Unsere Auswertungen zeigen, dass es insbesondere nachts am Wochenende zu körperlichen Auseinandersetzungen kommt. Deshalb sind wir besonders zu diesen Zeiten regelmäßig präsent“, teilt die Polizei mit. Grundsätzlich seien im Umfeld des Berliner Platzes mehrmals täglich Streifen unterwegs.

Vor allem mittags und abends ist viel los auf dem Platz. „Daneben ziehen die Diskothek Musikpark und andere gastronomische Einrichtungen, insbesondere zur Nachtzeit beziehungsweise am Wochenende, viele oft alkoholisierte Menschen an. Deswegen kommt es häufig zu Einsätzen des Rettungsdienstes, des kommunalen Vollzugsdienstes und der Polizei“, heißt es weiter. Die Disco habe seit der Corona-Pandemie nur noch eingeschränkt am Wochenende geöffnet. Das habe zu einem Rückgang der Besucherzahlen und alkoholbedingter Konflikte und Straftaten geführt.

Bahnhof LU Mitte sowie Straßenbahn- und Bushaltestelle: Der Platz ist ein stark frequentierter Verkehrsknoten.
Bahnhof LU Mitte sowie Straßenbahn- und Bushaltestelle: Der Platz ist ein stark frequentierter Verkehrsknoten.

Kritik der Polizei: Debatte ist verengt

Alles in allem kommt man im Präsidium zu dem Schluss, dass die Anzahl der Straftaten am und rund um den Berliner Platz im Ludwigshafener Durchschnitt liegt. Die Polizei sieht unabhängig von der Kriminalität Faktoren, die das Sicherheitsgefühl der Menschen beeinflussten: die baulichen Gegebenheiten nach dem Abriss der „Tortenschachtel“, die überwiegend negative Berichterstattung der Medien und vor allem das wenig einladende Erscheinungsbild des Platzes. Die Kritik der Polizei: „In der bisherigen Diskussion werden die vielfältigen Ansätze und Möglichkeiten einer städtebaulichen Aufwertung vernachlässigt. Vielmehr wird die Debatte verengt auf sicherheitstechnische, ordnungsbehördliche und repressive Maßnahmen, vorzugsweise durch die Polizei.“

Eine Videoüberwachung, wie sie von Teilen des Ludwigshafener Stadtrats gefordert wird, sieht man im Ludwigshafener Präsidium nicht nur darum kritisch, weil es sich dabei um einen schwerwiegenden Eingriff in die Grundrechte vieler Menschen handeln würde. Die Polizei glaubt nicht an einen positiven Effekt und bezweifelt, dass der Berliner Platz auf diese Weise zu einem lebenswerteren Ort werden könnte. „Insgesamt würde ich mir eine kreativere Diskussion wünschen, nämlich über die Frage, wie man den Berliner Platz attraktiver gestalten kann. Wo sich die Menschen wohlfühlen, fühlen sie sich auch sicher“, sagt Polizeivizepräsident Martin Kuntze. Außerdem gebe die Kriminalitätslage den Einsatz solch einer Technik nicht her. Pirmasens wird als positives Beispiel angeführt. Auf dem dortigen Exerzierplatz versuche man, mit Kunst und Veranstaltungen das Sicherheitsgefühl zu verbessern. Der Hauptausschuss des Ludwigshafener Stadtrats will sich im Herbst erneut mit dem Thema Videoüberwachung nach Mannheimer Vorbild beschäftigen. In Kaiserslautern, wo schon länger über solche Kameras diskutiert wird, hat der Stadtrat im Frühjahr den Grundsatzbeschluss gefasst, sich beim Land als Modellregion für eine Videoüberwachung im öffentlichen Raum zu bewerben.

Das sagt die Initiative „Wir vom Berliner Platz“

Als Mitbegründer der Initiative „Wir vom Berliner Platz“ liegt Juergen Hundemer die City freilich am Herzen. Mit Blick auf die Kriminalität sagt er, dass der Berliner Platz im Vergleich zu anderen Stellen in Ludwigshafen keine dominante Rolle spiele. An einem Ort, wo mehr als 40.000 Passanten und Pendler täglich unterwegs seien, gebe es freilich ein Risiko, Opfer einer Straftat zu werden. „Man wird den Platz nie straffrei bekommen“, betont er. In der Videoüberwachung sieht Hundemer zwar durchaus ein Mittel, über das man nachdenken kann: „Vielleicht schreckt es so manchen ab, eine Straftat zu begehen.“ Ob das aber die Lösung ist, daran hat er Zweifel. „Ich bin mir nicht sicher, ob das wesentlich etwas ändern würde.“ Zudem verweist er auf die rechtlichen Schwierigkeiten solch eines Eingriffs. Voraussichtlich im Herbst will die Initiative gemeinsam mit der Polizei wieder einen Aktionstag auf dem Berliner Platz zum Thema Sicherheit veranstalten. „Dort soll zum Beispiel über das Vorgehen von Dieben aufgeklärt werden“, informiert er.

x