Firmenporträt RHEINPFALZ Plus Artikel Sander und Hofrichter: Leidenschaftliche Architekten

Einer der Geschäftsführer von Architekten Sander und Hofrichter: Linus Hofrichter, der auch an der Hochschule Mittelhessen lehrt
Einer der Geschäftsführer von Architekten Sander und Hofrichter: Linus Hofrichter, der auch an der Hochschule Mittelhessen lehrt.

Wenn in Ludwigshafen gebaut wird, dann fällt das früher oder später auf. Wer jedoch die Köpfe hinter den architektonischen Plänen für die Neubauten sind, das dürfte den allermeisten kaum bekannt sein. In Ludwigshafen ist es nicht selten die Firma Sander und Hofrichter.

„Architektur ist wie Tanzen in Fesseln“, beschreibt Linus Hofrichter seinen Beruf. Der 62-Jährige ist einer der Geschäftsführer von Architekten Sander und Hofrichter und das, was er unter Fesseln versteht, sind anspruchsvolle Bauherren, geringe Budgets, schwer zu erschließende Grundstücke oder die große Konkurrenz bei europaweiten Wettbewerben. Trotzdem legt der mittelständische Ludwigshafener Betrieb immer wieder architektonisch eine flotte Sohle aufs Parkett. In ganz Deutschland entwerfen und planen rund 240 Mitarbeiter Gebäude.

Architektur und Generalplanung hat sich die Firma, die seit über 90 Jahren ihren Sitz in Oggersheim gleich neben der Wallfahrtskirche hat, auf die Fahnen geschrieben. In Ludwigshafen erneuert und erweitert etwa gerade das städtische Klinikum seine Gebäude nach Plänen von Sander und Hofrichter – und auch das St. Marienkrankenhaus und das St. Annastift gestaltet das Unternehmen gerade um. In Frankenthal bekommt nach Plänen des Unternehmens unter anderem die Psychiatrie neue Räume, in Worms das Klinikum, in Heidelberg die Kopfklinik.

Auch Landtag umgestaltet

Doch Sander und Hofrichter ist nicht nur auf Krankenhausbau spezialisiert. Auch Kitas und Schulen und vieles mehr gestaltet die Firma erfolgreich – unter anderem gerade in Frankenthal und Worms. Besonders stolz ist Hofrichter darauf, dass er und seine Mitarbeiter beim Umbau des Mainzer Landtags den Zuschlag nach einem internationalen Wettbewerb bekommen haben. „Ich wollte schon immer Dinge entstehen lassen, die man sieht“, begründet Hofrichter seine Berufswahl.

„Der Genius Loci ist entscheidend für den schöpferischen Aspekt“, schildert der Architekt seine Vorgehensweise. Um den Geist des Ortes zu erfassen, schaut er sich gern die Grundstücke an, bevor er anfängt zu planen. „Beim Mainzer Landtag war die Frage, wie sich der Anbau zum barocken Altbau fügt“, erklärt er. Über Architektur hat er viel zu sagen, deshalb hat er auch an mehreren Universitäten Lehraufträge und einen Ruf als Professor an der Technischen Hochschule Mittelhessen, Campus Gießen.

Radiologie im St. Marien geplant

„Schon früh hatte ich den Wunsch, einen eigenen Laden zu haben“, erinnert er sich. Nach dem Abitur in Neustadt an der Weinstraße studierte er Bauingenieurwesen und Architektur in Karlsruhe. Schon fünf Jahre nach dem Studium, 1991, trat er mit 31 als selbstständiger Teilhaber bei Architekten Klumpp und Partner ein. Name und Aufbau der Firma, die Philipp Blaumer 1930 gründete, bekamen 2013 ein neues Gesicht. Mit Linus Hofrichter teilen sich fünf weitere Architekten die Geschäftsführung der GmbH. Die älteren Teilhaber bringen viel Erfahrung ein. „Die Jungen haben aber auch viel Verantwortung“, erklärt Hofrichter. Mit der Mischung ist ihm zufolge auch der Erfolg begründet

„Ich habe die Radiologie im St. Marienkrankenhaus planen dürfen“, erzählt der Architekt von seinen Anfängen. Den großen Auftrag bekam er gleich nach dem Eintritt in das Architekturbüro. Beim Krankenhausbau ist im Bereich Medizintechnik viel zu bedenken. Manche Räume müssen abgeschottet sein. Bei Luft, Licht und Elektrik ist viel zu bedenken. „Wichtig ist, mit den Ärzten und Pflegenden zu reden. Es ist faszinierend, sich mit den verschiedenen Berufsgruppen einzulassen“, schildert er sein Vorgehen.

Auch die Patienten hat er im Blick: „Wir wollen Gebäude gestalten, wo Menschen Heilung finden“, formuliert er die Ziele von Sander und Hofrichter. „Die Wahrung der Schöpfung“ ist dem Unternehmen ebenfalls wichtig, sagt Hofrichter. Noch bevor Nachhaltigkeit in aller Munde war, habe sich die Firma schon mit der Verantwortung der Bauschaffenden auseinandergesetzt.

Trauer um „Tortenschachtel“

Traurig findet er die Abrisse, die in den vergangenen Jahren in Ludwigshafen stattfanden. „Die ,Tortenschachtel’ hätte man erhalten können“, findet er. Auch für erhaltenswert hielt er das Engelhorn-Hochhaus der BASF. „Das war ein Kind seiner Zeit“, meint er. Dem gebürtigen Ludwigshafener, der mit seiner Familie bei Deidesheim lebt, liegt die Stadt am Herzen. „Ein Einkaufszentrum ohne Bezug zum Fluss“, bedauert er die Gestaltung der Rhein-Galerie. „Man hätte das Gebäude stärker zum Wasser ausrichten müssen“, urteilt er und zieht Hamburg als Beispiel heran. Dort laufen gerade mehrere große Projekte von Sander und Hofrichter.

Doch Hofrichter schätzt auch die schönen Ecken Ludwigshafens. Die Parkinsel, der Ebertpark oder die BASF-Werkssiedlung in Friesenheim fallen ihm spontan ein: „Die Stadt Ludwigshafen kommt schlechter weg, als sie es verdient.“

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