Ludwigshafen
74 Millionen aus Mainz fürs Klinikum
Kein Wunder, dass Klinikum-Geschäftsführer Hans-Friedrich Günther beim symbolischen ersten Spatenstich auf der Großbaustelle für Haus D von einem Meilenstein für die Zukunft des über 3000 Mitarbeiter zählenden 1000-Betten-Hauses sprach. An seiner Seite: Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck und der Mainzer Gesundheitsminister Clemens Hoch (beide SPD), der nicht nur einen Förderbescheid über 55,6 Millionen Euro für den Neubau, sondern noch eine weitere gute Nachricht im Gepäck hatte: Denn mit 18 Millionen Euro werden im Klinikum nun auch Projekte zur „Digitalisierung patientennaher Arbeitsabläufe“ bezuschusst. Dieser finanzielle Rückenwind sei richtungsweisend für die Entwicklung des Krankenhauses, betonte Günther.
40 Intensivbetten, 24 Dialyseplätze
Am Standort des ehemaligen Klinikbaus D an der Hohenzollernstraße wird ein Neubau errichtet. Derzeit sind hier große Bagger damit beschäftigt, Schutt wegzuräumen und die Baugrube vorzubereiten. Für den abgerissenen Altbau aus dem Jahr 1974 hat das Ludwigshafener Architekturbüro Sander Hofrichter ein achtgeschossiges Gebäude mit rund 20.000 Quadratmetern Nutzfläche geplant. In zwei Untergeschossen, dem Erdgeschoss sowie fünf Stockwerken sollen nach der Fertigstellung neben 234 Krankenbetten auch 40 Intensivbetten und 24 Dialyseplätze ihren Platz finden.
Fertigstellung und Inbetriebnahme 2024
„Ich freue mich, heute mit dem ersten Spatenstich für den Neubau des Hauses D den Startschuss für einen weiteren Meilenstein in der baulichen Weiterentwicklung des Klinikums der Stadt Ludwigshafen zu setzen“, sagte der Minister beim Besuch am Montag. Für die Pflege, besonders die Intensivpflege, werde es damit ein baulich hochmodern ausgestattetes Haus am Klinikum geben. Die Struktur im Altbau sei nicht mehr zeitgemäß gewesen, mit dem Neubau könne die Patientenversorgung deutlich verbessert werden, meinte Günther. Fertigstellung und Inbetriebnahme werden für Anfang 2024 erwartet.
Den Löwenanteil des auf Kosten von 78 Millionen Euro geschätzten Bauprojekts steuert das Land bei. Den Rest von 22,4 Millionen Euro bringt das Klinikum auf. Der Neubau von Haus D sei nur ein Schritt von vielen im Prozess der ständigen Erneuerung des Krankenhauses, machte Günther deutlich. Denn sofort danach komme die notwendige Sanierung des Hauses B an die Reihe.
Das achtgeschossige Haus B sei hygienisch problematisch. Die Dreibettzimmer mit Etagentoilette seien nicht mehr zeitgemäß, die bauliche Struktur für den heutigen Betrieb unwirtschaftlich. Nach der Sanierung soll es dort eine andere Nutzung geben, mit Geriatrie- und vielleicht auch Palliativabteilung, kündigte der Geschäftsführer an. Das Projekt hänge auch von einer Landesförderung ab.
Alle Prozesse verändern sich
Das zweite große Thema beim Besuch des Ministers waren die mitgebrachten Förderbescheide über 18 Millionen Euro für die geplanten Klinikum-Vorhaben im Bereich Digitalisierung. Es gehe um ein riesiges „Change-Projekt“. Im Zusammenhang mit der elektronischen Krankenakte veränderten sich alle Prozesse und Arbeitsabläufe, berichtete Günther. Die Rede ist von grundlegenden Neuerungen bei den sogenannten patientennahen Arbeitsabläufen. „Informationen sind das wichtigste Gut im Krankenhaus“, betonte Günther.
„Großer Schluck aus der Pulle“
Derzeit gebe es überall noch zu viele „Brüche“ im Informationsfluss. So habe der Hausarzt medizinische Infos, auf die das Krankenhaus nicht zurückgreifen könne. Umgekehrt sei es genauso. Vorhandene Barrieren sollten schleunigst beseitigt, die Vernetzung ausgebaut werden. Konkret lauten die vier Bereiche mit geplanten IT-Projekten des Klinikums: „Patientenportale, digitales Medikationsmanagement, Telemedizin und sektoren- und einrichtungsübergreifende Vernetzung.“ Im Bereich Digitalisierung sei zwar schon einiges passiert, sagte Günther. Doch da gehe noch mehr.
Sechs Millionen fürs Archiv
Vor einiger Zeit sei der IT-Bereich des Klinikums völlig neu aufgesetzt worden. Zusammen mit dem IT-Bereich des Mannheimer Klinikums seien zwei Unternehmensgesellschaften gegründet worden. Die digitale Pathologie und das Datenarchiv würden seitdem zusammen mit jenen des Mannheimer Klinikums betrieben. Allein sechs der 18 Fördermillionen würden dem Archiv zugutekommen, so Günther.
Der Abbau von Barrieren und die bessere Nutzung der medizinischen Informationen werde für die Menschen in der Region ein „neues Zeitalter für die Patientenversorgung“ bedeuten. „Wir sind sehr zufrieden, diese Förderungen waren finanziell ein großer Schluck aus der Pulle“, freute sich der Klinikum-Chef.