Rheinland-Pfalz „Sanierung ist ein spannendes Projekt“

Der rheinland-pfälzische Landtag will sein Parlamentsgebäude in Mainz, das sogenannte Deutschhaus, grundlegend sanieren lassen. Die Kosten des Großprojekts werden auf 40 Millionen Euro geschätzt. Den Auftrag zur Sanierung erhält das Ludwigshafener Büro Sander Hofrichter Architekten GmbH, das sich zuvor in einem Ideenwettbewerb gegen rund zwei Dutzend Mitbewerber durchgesetzt hatte. Unser Redakteur Arno Becker sprach mit dem Geschäftsführer und Mitgesellschafter des Unternehmens, Martin Rieger.
Wir sind nicht allein auf Kliniken und Heime spezialisiert. Bauten für das Gesundheitswesen machen etwa die Hälfte unserer Arbeit aus. Unser Schwerpunkt ist öffentliches Bauen. Neun von zehn Aufträgen, die wir bearbeiten, sind Aufträge der öffentlichen Hand. Wir haben zum Beispiel das Statistische Bundesamt in Wiesbaden saniert, ein großes öffentliches Gebäude mit ganz ähnlichen Anforderungen, wie sie jetzt der Landtag in Mainz an uns stellen wird. Auch bauen wir zurzeit in Bielefeld das größte Handwerkskammer-Gebäude in Deutschland. Ebenso haben wir umfangreiche Erfahrungen im Umgang mit denkmalgeschützten Gebäuden. Was reizt Sie am meisten an der neuen Aufgabe in Mainz? Wir sind das größte Architekturbüro in Rheinland-Pfalz, haben allein deshalb Interesse, im Land Flagge zu zeigen. Auch haben wir schon in der Vergangenheit in der Landeshauptstadt viele Projekte realisiert. Das Landtagsgebäude steht unter Denkmalschutz, hat eine lange Geschichte und eine sehr interessante Nutzung. Es ist für uns eine große Herausforderung, das Deutschhaus auch energetisch zu sanieren und in die Zukunft zu entwickeln. Kann die mehr als 250 Jahre alte Bausubstanz im Laufe der Sanierungsarbeiten zum besonderen Problem werden? Das kann sie in der Tat. Die Gebäudehülle und das Dach sind denkmalgeschützt und dürfen nicht verändert werden. Alles muss mit dem Denkmalschutz abgestimmt werden. Auch die Bausubstanz selbst ist noch nicht abschließend begutachtet. Das Gebäude ist zum Beispiel auf Eichenpfählen gegründet, und es ist noch nicht untersucht, ob diese ertüchtigt werden müssen. Der Wiederaufbau nach dem Krieg mit völlig neuem Innenleben erfolgte Anfang der 50er Jahre innerhalb weniger Wochen mit damaligen Mitteln. Die Sanierung wird ein spannendes Projekt. Die Fraktionen des Landtags fordern einen vor allem auch energieeffizienten und behindertengerechten Umbau. Ist das denn bei solch alten Bauten immer uneingeschränkt möglich? Nicht uneingeschränkt, aber beim vorliegenden Projekt doch sehr gut. Die Barrierefreiheit außen wollen wir mit einer neuen Freitreppe herstellen, die an die barocken Stilelemente des Gebäudes anknüpft. Viel Energie wird man sparen nach dem Einbau neuer effizienter Heizungs- und Belüftungsanlagen und durch Innendämmung des Mauerwerks. Was sind die wichtigsten Eckpunkte ihres Entwurfs für das künftige Landtagsgebäude? Wir wollen die historische Substanz des Deutschhauses zwischen den beiden Anbauten optisch noch mehr betonen und die städtebaulich prägnante Lage herausarbeiten. Im Inneren des Gebäudes sollen alle wichtigen Elemente erhalten, aber Arbeitsabläufe und Flächen optimiert und attraktiv gestaltet werden. Der Parlamentspräsident sagt, spätestens bis Ende 2018 sollen die Abgeordneten in den umgebauten Landtag zurückkehren. Ist dieser Zeitplan realistisch? Der Zeitplan ist sicher realistisch, vielleicht ist sogar noch etwas Luft für eine Beschleunigung der Arbeiten. Im Einzelnen muss das in den nächsten Monaten noch überprüft werden. Auf 40 Millionen Euro werden bisher die Kosten geschätzt. Ist auch das realistisch? Auch die Kostenfrage wurde in Grundzügen geprüft. 40 Millionen Euro scheinen realistisch. Allerdings sind einige wichtige Dinge noch nicht untersucht, die erwähnte Gründung auf Eichenpfählen zum Beispiel, die Grundwassersituation oder der Zustand des Mauerwerks im Detail.