Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Polizei will mehr Präsenz zeigen

Schon sein halbes Leben Polizist: Johannes Freundorfer. Seit 4. Oktober führt er die Polizeiinspektion in Oppau.
Schon sein halbes Leben Polizist: Johannes Freundorfer. Seit 4. Oktober führt er die Polizeiinspektion in Oppau.

„Ich fühle mich sehr wohl hier. Es war die richtige Entscheidung.“ Das sagt Johannes Freundorfer nach einem halben Jahr als Leiter der Polizeiinspektion 2 in Oppau. Die rund 120 Beamten sind für die Sicherheit von 98.000 Menschen in der Stadt zuständig. Eines seiner wichtigsten Ziele hat der 39-Jährige mit Tempo vorangetrieben: „Ich will Polizeiarbeit greifbarer machen, Verständnis aufbauen und Vorurteilen entgegenwirken.“

Seine Vorstellung, die etwas abseits am nördlichen Stadtrand liegende Inspektion als „Teil der Gemeinschaft“ in den Bezirken Oppau, Oggersheim, Friesenheim, Ruchheim und Hemshof stärker in den Blickpunkt zu rücken sowie den Kollegen draußen ein Gesicht zu geben, hat Johannes Freundorfer bereits in die Tat umgesetzt. So knüpfte er rasch den Kontakt zu politischen Repräsentanten, besuchte die Ortsvorsteher und lud diese mit den Mitgliedern der Ortsbeiräte zu Gegenbesuchen in die Inspektion ein. Dort wurde die Polizeiarbeit in der Praxis veranschaulicht. Kontakte zu den jeweils zuständigen Bezirksbeamten wurden vermittelt und die Dienststelle, aber beispielsweise auch die Ausstattung der Streifenwagen vorgestellt.

Die Kommunalpolitiker habe die Initiative positiv überrascht, die Atmosphäre sei sehr angenehm gewesen, berichtet Freundorfer. Bei Großeinsätzen vor ihrer Haustür wüssten die Entscheidungsträger nun genau, wer ihre konkreten Ansprechpartner seien und mit wem Dinge im Nachgang analysiert werden könnten. „Wir haben erklärt, wie unsere Arbeit im Alltag funktioniert“, schildert Freundorfer. Solche Begegnungen will er etablieren.

Dabei war auch die Ausrüstung der Beamten ein Thema, wann sie zum Einsatz kommt und welche Außenwirkung Polizisten damit hätten. In massiver Schutzkleidung etwa würden die Kollegen anders wahrgenommen als in der normalen Uniform, wie Freundorfer während seiner Ausbildung auch in zwei Masterarbeiten zum Thema Kommunikation feststellte.

Auch seine junge Mannschaft – der Altersschnitt in den Dienstgruppen liegt bei 30 Jahren – profitiere davon. Ihr biete sich die Chance, die handelnden Menschen vor Ort kennenzulernen und zu verinnerlichen, dass aktive Öffentlichkeitsarbeit und entsprechende Präsenz fester Bestandteil ihres Jobs seien. „Diese Treffen waren für beide Seiten sehr bereichernd“, bilanziert Freundorfer und ist überzeugt: „Persönliche Nähe sorgt für Vertrauen und Verständnis.“ Das sei gerade in der Nach-Corona-Zeit wichtig.

Kontakt zu Bürgern als dritte Säule

Extrem wichtig sei daneben der Kontakt zu den Bürgern – nach dem Austausch mit Ortsvorstehern und Ortsbeiräten die dritte Säule des Konzepts. Aufgaben der Inspektion transparent in die „Nichtpolizeiwelt“ übersetzen, Vorurteile abbauen, für den Polizeiberuf werben und Nachwuchs gewinnen – unter anderem darum geht’s. Etwa bei Infoabenden, zu denen junge Einsatzbeamte der Dienststelle die Bevölkerung alle vier Wochen einladen, das nächste Mal am 20. April um 18 Uhr.

„Aus voller Überzeugung Polizist“

Bei dem mit 15 Mädchen bereits ausgebuchten Girls’ Day am 27. April ist die Inspektion ebenfalls mit von der Partie. Gegenüber jungen Frauen sollen Hürden abgebaut werden, um sich für diesen bisher eher männerdominierten Beruf zu bewerben. Inzwischen nähert sich der Anteil von Frauen bei der Polizei in Rheinland-Pfalz der 40-Prozent-Marke. Anfang April ist mit Anja Rakowski (53), bis dato Vizepräsidentin der Ludwigshafener Polizeibehörde, die erste Frau in Trier an die Spitze eines Präsidiums im Land gerückt.

Erste Polizeipräsidentin in Rheinland-Pfalz: Anja Rakowski.
Erste Polizeipräsidentin in Rheinland-Pfalz: Anja Rakowski.

In die Inspektionsarbeit hineinschnuppern können zudem regelmäßig Schülerpraktikanten der elften Jahrgangsstufe. Die Kooperation mit den Eulen-Handballern wird Freundorfer ebenso fortsetzen. An Aschermittwoch stellte sich die Polizei in der Eberthalle beim Tag der Vielfalt am Rande des Spiels gegen Potsdam vor. Und im Spätsommer ist mit der benachbarten Feuerwehr ein Erlebnistag in Oppau geplant.

Freundorfer, seit 5. Mai 2003 bei der Polizei, sagt: „Ich mache das schon mein halbes Leben aus voller Überzeugung.“ Das spürt man.

Zur Person

Der in Bad Neuenahr geborene und in Kaiserslautern aufgewachsene Freundorfer führt die Inspektion 2 in Oppau seit 4. Oktober. Am 6. April wird er 40. Er folgte auf Katja Brill. Freundorfer leitete zuvor den Stabsbereich Einsatz im Präsidium Westpfalz und war Dozent für Verfassungsrecht und politische Bildung an der Polizeihochschule. Mit seiner Partnerin lebt er in der Kaiserslauterer Innenstadt. Klettern, Ski- und Snowboardfahren – das sind die Hobbys des Fußball- und FCK-Fans. Außerdem sammelt er Polizeiabzeichen aus aller Welt.

Mehr über Freundorfers Kollegen, den Leiter der Leiter Polizeiinspektion 1, Marco Weißgerber (40), der Vorgesetzter von rund 130 Polizeibediensteten ist, erfahren Sie hier.

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