Ludwigshafen
Warum Polizei und Eulen kooperieren
Katja Brill strahlt. Die Leiterin der Polizeiinspektion (PI) Ludwigshafen II in Oppau, bei der die Aktion organisatorisch zusammengeführt wird, war selbst leidenschaftliche Handballerin. Sie engagiert sich heute bei der HSG Dudenhofen/Schifferstadt und verbindet mit der neuen Kooperation Hobby und Beruf. „Ich habe mir lange überlegt, wie wir die Bürger aktiv in unsere Arbeit einbinden können.“ Denn oft genug hätten Bürger Berührungsängste mit der Polizei, erwarteten aber trotzdem ein Eingreifen.
Austausch ist ausbaufähig
Als Beispiel nennt Brill die Vorkommnisse im Hemshof: „Da erzählen mir Bürger, dass sie täglich von ihrem Fenster aus Drogengeschäfte beobachten, wenn ich sie aber frage, ob sie schon einmal die Polizei gerufen haben, kommt ein Nein.“ Der Austausch zwischen Polizei und Bürgern sei demnach zumindest ausbaufähig, so ihre Schlussfolgerung. Die soll nun mit den Eulen als Sympathieträger besser funktionieren.
„Wir haben ein breitgefächertes Publikum von ganz jung bis alt“, erklärt Julia Ost, Verantwortliche für Veranstaltungsmanagement und Marketing des Handball-Zweitligisten. Mit den Fans als Multiplikatoren will man den Gemeinschaftssinn in ganz Ludwigshafen stärken. „Wir sind uns unserer Vorbildfunktion dafür durchaus bewusst“, unterstreicht Ost.
Gemeinsamer Imagefilm
Den Anfang macht ein gemeinsamer kurzer Imagefilm, der ab sofort auf den öffentlichen Kanälen von Eulen und Polizei auf Twitter, Facebook und Instagram freigeschaltet wird. Außerdem wird die Polizei beim Heimspiel der Eulen am 17. Dezember gegen den VfL Lübeck-Schwartau rund um das Thema „Falsche Polizeibeamte“ informieren. „Dazu sind wir jetzt schon in den Stadtteilen unterwegs“, so Brill. Man gehe dabei offensiv auf die Menschen zu. Mit Erfolg. „Die Bürger sind es schon gar nicht mehr gewohnt, dass sie von der Polizei angesprochen werden.“
Helfen, das Eis zu brechen
Künftig sollen nun also die Eulen dabei helfen, das Eis zu brechen. „Dazu werden wir im kommenden Jahr mehrere Kampagnen durchführen“, kündigt sie an – im Frühjahr soll es etwa Veranstaltungen für Menschen im Betreuten Wohnen geben. Denn die Kooperation gelte selbstverständlich nicht allein für den Zuständigkeitsbereich der PI II, sondern erstrecke sich über die gesamte Stadt. „Etwas anderes wäre gegenüber den Bürgern ja auch gar nicht vermittelbar“, sagt Brill.
Bei den Handballern fiel die Idee der Polizei auf fruchtbaren Boden. Und das nicht nur, weil Lisa Heßler als Eulen-Geschäftsführerin Katja Brill noch vom Spielfeld kennt. „Der Teamgedanke ist auf alles übertragbar“, sind sich beide einig. Außerdem hätten Täter ein wesentlich schwereres Spiel, wenn Bürger gegenseitig aufeinander achtgeben, betont die Polizeirätin, die im Sommer mit ihrer Idee bei den Eulen vorstellig wurde und offene Türen einrannte. Bis zur Umsetzung des Projekts hat es trotzdem bis in den Dezember gedauert. „Die Kooperation gilt zunächst einmal für ein Jahr, danach sehen wir weiter.“ So lange gilt: „So wie die Fans der achte Mann der Eulen sind, sollen die Bürger Ludwigshafens der achte Mann der Polizei sein.“