Ludwigshafen
Pendlerradweg unter der Hochstraße Süd: Wann er kommt und was er kostet
Vier Meter breit, 1080 Meter lang: Das sind die Maße des geplanten Pendlerradwegs, der Radfahrern weitgehend unterhalb der neuen Hochstraße Süd (B37) eine schattige, regengeschützte und möglichst konfliktfreie Fahrt vom Hauptbahnhof bis zur Auffahrt Konrad-Adenauer-Brücke und weiter über den Rhein ermöglichen soll. Als Termin für einen Baustart nannte Diplom-Ingenieur Andreas Nolte vom beauftragten Büro Modus Consult, Speyer, am Dienstagabend in der Sitzung des Ortsbeirats Südliche Innenstadt Mitte 2026. Dann soll über den Ersatzbau für die im Sommer 2020 wegen Einsturzgefahr abgerissene „Pilzhochstraße“ bereits wieder der Autoverkehr fließen.
Der Antrag für den Baubeginn des Pendlerradwegs soll noch im Juli dieses Jahres gestellt werden, im Januar 2026 sollen die konkrete Ausführungsplanung sowie die Unterlagen für die Ausschreibung erstellt werden, die dann laut Nolte im Frühjahr veröffentlicht werden könnte. Die Fertigstellung des kompletten Pendlerradwegs hänge vom Fortschritt der Sanierung der Weißen Hochstraße ab.
Kosten: 2,5 Millionen Euro
Die Arbeiten an der 950 Meter langen Fortsetzung der Südtrasse zur Pylonbrücke gestalten sich schwieriger als gedacht. Auf der Brücke sollen sie im zweiten Quartal 2026 beendet werden. Unterhalb der Brücke, wo noch an den Stützen gearbeitet werden müsse, wird sich die Reparatur wohl noch bis Mitte 2027 hinziehen, sagte Björn Berlenbach, Chef der Tiefbausparte, in der Sitzung. Bis dahin könne in Ost-West-Richtung wohl nur ein Teilstück des Pendlerradwegs – von der Adenauer-Brücke bis zur Heinigstraße – gebaut werden. Mit dessen Einweihung rechnet er erst im Jahr 2028. Das Risiko, das Areal unter der Weißen Hochstraße früher freizugeben, sei zu groß. „Das ist mir zu heiß“, so Berlenbach.
Den Kostenansatz für den Pendlerradweg bezifferte Nolte auf 2,5 Millionen Euro. „Wir gehen derzeit von einer Förderung von bis zu 90 Prozent einschließlich Planung aus“, sagte der 62-jährige gebürtige Ludwigshafener. Ein entsprechender Antrag an den Landesbetrieb Mobilität soll im Mai dieses Jahres gestellt werden. Im Idealfall müsste die Stadt am Ende also lediglich 250.000 Euro beisteuern. Im Bau- und Grundstücksausschuss soll die Planung Mitte Juni vorgestellt und die Zustimmung für einen vorzeitigen Baubeginn eingeholt werden. Ende Juni soll sich dann der Stadtrat mit dem Thema befassen.
Der Löwenanteil der Kosten für den Pendlerradweg entfällt mit knapp 775.000 Euro auf den Streckenbau. Über 400.000 Euro verschlingt die notwendige Umgestaltung des Parkplatzes zwischen Damm- und Heinigstraße, 220.000 Euro die Umgestaltung des Knotenpunkts Hochstraßenabfahrt/Wredestraße. Ein erheblicher Kostenfaktor sind zudem die Lichtsignalanlagen, die unter anderem an den Querungen Lorientallee (am Hauptbahnhof), Heinig-, Yorck- oder Berliner Straße vorgesehen sind, um eine sichere Verkehrsführung zwischen Autos und Radlern zu garantieren, die in der Regel von darauf abgestimmten Ampelschaltungen profitieren sollen.
Im Vergleich zur Zeit vor der Sperrung der „Pilzhochstraße“ im Jahr 2019 reduziere sich die Parkplatzanzahl im Umfeld der neuen Spannbetonkonstruktion um 42 Stellplätze, so Nolte. „Dennoch wird das Parkraumbewirtschaftungskonzept der Stadt zu einer größeren Anzahl freier und nutzbarer Parkplätze für Anwohner führen“, betonte er. Höhere Parkgebühren sollen den Druck auf Auswärtige erhöhen, Parkhäuser zu nutzen. Ein Großteil der künftig 320 öffentlichen Parkplätze sei außerdem breiter und damit besser nutzbar, so Nolte. Insgesamt würden 17 Behindertenparkplätze integriert. Für die Mitarbeiter des an der Heinigstraße bis 2027 entstehenden neuen Polizeipräsidiums seien von der Stadt vertraglich 185 Stellplätze unter der Hochstraße vereinbart. Durch deren geschickte Anordnung werde der Fluss des Radverkehrs auch beim Ein- und Ausparken nicht gestört, so Nolte.
Lob und Bauchschmerzen
Wie schon bei der Vorstellung der ersten Pendlerradweg-Pläne im November 2022 war auch am Dienstagabend die Resonanz im Ortsbeirat fast durchweg positiv. „Dafür allergrößten Respekt“, bedankte sich Ortsvorsteher Christoph Heller (CDU) bei den Planern, weil diese auch für neuralgische Stellen gute Lösungen gefunden hätten. „Chapeau, gut gemacht“, gratulierte Jens Brückner (parteiloser FWG-Sprecher). „Sie haben das Optimale rausgeholt. Das bringt uns einer Verkehrswende einen großen Schritt näher.“ Ein Wermutstropfen sei die problematische Situation der Weißen Hochstraße. „Das bereitet mir Bauchschmerzen“, meinte Brückner.
Heller kritisierte erneut, dass Hochstraßensanierung und Rathaus-Rückbau die Innenstadt bereits 2000 Parkplätze gekostet hätten und es dafür bisher keine Kompensation gebe.
Zur Sache: Radverkehr in Ludwigshafen
Am Ludwigshafener Hauptbahnhof soll künftig ein Knotenpunkt für den regionalen Radverkehr entstehen. Dort sollen die Pendlerradrouten aus Süden (Schifferstadt), Norden (Worms) und – perspektivisch – in Richtung Westen (Pfälzerwald) zusammengeführt werden. Auf der anderen Rheinseite sollen Schnellwege Radler eine zügige Verbindung zwischen Mannheim, Heidelberg, Weinheim und Viernheim ermöglichen.
Das Ludwigshafener Radverkehrsnetz umfasst bisher 182 Kilometer, 139 davon sind angelegte Radwege, 25 Wirtschaftswege und 18 sonstige Wege (etwa für Radler geöffnete Einbahnstraßen in Gegenrichtung). Wegen der hochdefizitären Haushaltssituation hatte die Stadtverwaltung die Planung des Pendlerradwegs unter der Hochstraße Süd im Dezember 2022 vorerst zurückgestellt.
Laut einer erst vor wenigen Tagen veröffentlichten Umfrage der Technischen Universität (TU) Dresden zur Mobilität in der Stadt im Jahr 2023, für die 1000 Ludwigshafener Bürger befragt wurden, spielt der Radverkehr hier eine zunehmend wichtigere Rolle. Während immer mehr Menschen das Auto stehen lassen, schwingen sich immer mehr Leute auf den Sattel. Der Anteil des Radverkehrs am Verkehrsaufkommen liegt demnach bei 23 Prozent. Gegenüber 2018 stieg der Anteil im Binnenverkehr damit um fünf Prozentpunkte. Mehr als jeder fünfte Ludwigshafener nutzt also das Rad, um sich in der Stadt fortzubewegen. Mit dem neuen Pendlerradweg, angesichts des anstehenden Abrisses der Hochstraße Nord (B44, ab 2026) und drohenden Staus dürfte sich dieser Anteil weiter erhöhen.
