Ludwigshafen
Komplizierte Sanierung der Weißen Hochstraße: Neue Probleme zwingen zu Planänderungen
„Die Modernisierung ist kompliziert und eine sehr, sehr stressige Sache. Wir machen an irgendeiner Stelle etwas auf und finden einen neuen Schaden“, schilderte Eberhard Küssner im RHEINPFALZ-Gespräch die insgesamt schwierige Gemengelage bei der Weißen Hochstraße. Ursprünglich sollte die Reparatur der 950 Meter langen Fortsetzung der Südtrasse in Richtung Pylonbrücke innerhalb der Sanierung des Hochstraßensystems nur eine Nebenrolle spielen – bei den regelmäßigen „Statusberichten“ des Chefkoordinators der Bauprojektgesellschaft rückt die Konstruktion inzwischen aber zunehmend in den Blickpunkt. Wie am Montagnachmittag im städtischen Bauausschuss.
Zuletzt sei es beim Abbruch der Straßenkappen zu Schäden am Brückenbauwerk gekommen, das sich Gutachtern zufolge in einem mangelhaften Zustand befindet, wie Küssner erklärte. In der Folge hätten die Arbeiten unterbrochen werden müssen. Zur Beseitigung der Schäden müssten für die Statik wichtige Träger umfangreich renoviert werden, so der 54-Jährige. Zudem sei ein neues Kappengerüst angeschafft worden. In dem Papier, das dem Ausschuss vorgestellt wurde, ist von einem Terminverzug von satten neun Monaten die Rede.
„Plan B“ in der Tasche
Weitgehend kompensiert werden soll der Zeitverlust durch eine Umstellung des Bauablaufs. Die Verträge mit den Unternehmen seien entsprechend „angepasst“ worden. „Wir gehen derzeit von einer Verkehrsfreigabe im zweiten Quartal 2026 aus“, sagte Küssner. Ursprüngliche Zielvorgabe war das erste Quartal – parallel zur Freigabe der neuen Hochstraße Süd (B37). Das wird wohl nicht klappen. „Aber wir haben immer einen Plan B in der Tasche“, versicherte Küssner.
Immerhin: Bei dem vor einem Jahr am Faktorhaus in Höhe der Auffahrt zur Konrad-Adenauer-Brücke gestarteten Ersatzbau für die im Sommer 2020 wegen Einsturzgefahr abgerissene „Pilzhochstraße“ läuft Küssner zufolge nach anfänglichen Schwierigkeiten alles planmäßig. 300 bis 350 Meter der 520 Meter großen Lücke seien bereits gefüllt. Bauabschnitt sechs von insgesamt wohl zehn Abschnitten soll im Februar betoniert werden, informierte er. Seit Anfang des Monats ist die Berliner Straße zwischen der Einmündung Dammstraße und dem Kreisverkehr Paul-Kleefoot-Platz bis September für den Straßenbahn- und Autoverkehr gesperrt, um weitere Brückenpfeiler sowie die Fahrbahnplatte der neuen Hochstraße in diesem Bereich zu bauen. Bis zu 20 Meter tiefe Löcher wurden für insgesamt 170 Pfähle gebohrt, auf denen die Fundamente für die letztlich 34 Pfeiler des neuen Hochstraßenstücks ruhen.
Erst wenn im Süden der Innenstadt die Spannbetonkonstruktion Anfang 2026 abgeschlossen und für den Verkehr freigegeben ist, kann der Abriss der Hochstraße Nord (B44) beginnen. Die marode Trasse soll zu Beginn der 2030er-Jahre durch die ebenerdige, rund 860 Meter lange Helmut-Kohl-Allee ersetzt werden. Die Verzögerungen bei der Modernisierung der Weißen Hochstraße hätten keine Folge für den Start des Rückbaus der Nordtrasse, versicherte Björn Berlenbach, Leiter der Tiefbausparte, nach einer Anfrage des BSW. „Wir haben da einen Zeitpuffer eingeplant.“
Küssner zufolge ist der Baubeginn für den Nordbrückenkopf an der Kurt-Schumacher-Brücke fürs zweite Quartal 2026 vorgesehen. Unterdessen liefen die im März 2024 gestarteten vorbereitenden Arbeiten für die Kohl-Allee überwiegend reibungslos. An der neuen Westbrücke wird am Dienstag ab Mitternacht mit Betonarbeiten begonnen. Gegossen werde dabei die westliche Widerlagerwand der Konstruktion. 330 Kubikmeter Beton seien dafür nötig, die von 45 Lkw angeliefert würden. Wegen des großen Volumens sei eine kontinuierliche, 16- bis 18-stündige Betonzufuhr erforderlich. Die Westbrücke wird mit einer Gesamtlänge von 445 Metern den Verkehr über das nördliche Gleisfeld des Hauptbahnhofs führen und die A650 mit der künftigen Kohl-Allee verbinden.
Streit um Centerkauf
Die im Sommer 2024 letztmals prognostizierten Kosten für die Kohl-Allee liegen nach Küssners Darstellung bei 865 Millionen Euro. 141 Millionen verschlingen der Bau der neuen Hochstraße Süd und die Sanierung der Weißen Hochstraße – in der Summe über eine Milliarde Euro. Die nächste Kostenprognose unter Einbeziehung aktueller Bau- und Materialpreise will Küssner Mitte 2025 vorlegen. 85 Prozent der förderfähigen Kosten tragen Bund (60) und Land (25) – insgesamt knapp 475 Millionen Euro. Von den beantragten Zuschüssen seien bisher 62,1 Millionen Euro überwiesen worden, berichtete Küssner. Das sind allerdings über neun Millionen Euro weniger als beantragt.
Der Löwenanteil des fehlenden Betrags resultiert aus einem bisher nicht beigelegten Streit zwischen der Stadt und den Fördermittelgebern. Während die Stadt darauf beharrt, dass der Erwerb des Rathaus-Centers (rund 46 Millionen Euro) zuschussfähig ist, weil der Komplex für die Kohl-Allee weichen muss, bewertet man das in Mainz und Berlin anders. „Darüber werden wir weiter diskutieren, so schnell geben wir nicht auf“, sagte Küssner. Das Ende 2021 geschlossene Center ist längst entkernt. In diesem Jahr soll es – wie der 70 Meter hohe Rathausturm – abgerissen werden. Kostenpunkt: rund 80 Millionen Euro.
Der Förderbescheid für das gesamte Hochstraßensystem liegt seit 17. Juni 2024 vor. Der Grundstein für die Hochstraße Süd wurde bereits am 31. Oktober 2023 gelegt.
