Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Unter der Hochstraße: Radschnellweg für Pendler

Radwegeverlauf an der Kreuzung Mundenheimer Straße und Konrad-Adenauer-Brücke.
Radwegeverlauf an der Kreuzung Mundenheimer Straße und Konrad-Adenauer-Brücke.

Klingt nach einem großen Wurf: Bernhard Wadle-Rohe von der Linkspartei sprach sogar von einem „epochalen Moment“: Zu dem bisher 182 Kilometer langen Radwegenetz der Stadt sollen im Laufe des Jahres 2026 wegweisende 1,2 Kilometer vom Hauptbahnhof bis zur Konrad-Adenauer-Brücke hinzukommen: ein vier Meter breiter Pendlerradweg unterhalb der Hochstraße Süd. Dank einer „grünen Welle“ sollen Radler überwiegend Vorfahrt genießen.

Mit einer Computeranimation aus Sicht eines fiktiven Radfahrers demonstrierte Björn Berlenbach, Leiter der Tiefbausparte, den Mitgliedern des Bau- und Grundstücksausschusses am Montagabend den vorgesehenen Verlauf des Radwegs. Vor allem Pendlern soll er eine zügige Fahrt durch die Innenstadt garantieren. Die Vorlage wurde parteiübergreifend als „detailliert und ausgewogen“ gelobt, die Entwurfsplanung durch die Bauprojektgesellschaft für 55.000 Euro einstimmig genehmigt.

Die Baukosten werden insgesamt auf 2,7 Millionen Euro geschätzt, die Ingenieurleistungen auf 223.500 Euro, prognostizierte Baupreissteigerungen sind mit 150.000 Euro veranschlagt – auf der Basis des Baupreisindexes für Straßenbau des Statistischen Bundesamts. Ob Zuschüsse fließen, könne erst nach Abschluss der Planung mit dem Land geklärt werden. Über das weitere Vorgehen entscheidet der Stadtrat am 12. Dezember.

Schattig und regengeschützt

Vom Video bis zur Realität ist es indes noch ein langer Weg. Umgesetzt werden kann das Projekt nämlich erst, wenn die Ersatzbrücke für die Hochstraße Süd – eine Spannbetonkonstruktion – Ende 2025 steht. Um es mit den Worten von Kämmerer Andreas Schwarz (SPD) zu sagen: „Wenn darunter aufgeräumt ist.“ Denn ein Großteil des Radwegs verläuft unterhalb der Trasse: schattig und regengeschützt.

Ausreichend Parkplätze soll es unter der Hochstraße weiterhin geben, etwa für die 650 Mitarbeiter des neuen Polizeipräsidiums an der Heinigstraße, das bis 2027 stehen soll. Aber durch ihre geschickte Anordnung sollen sie den Fluss des Radverkehrs nicht stören, so Berlenbach. Ein modernes LED-Beleuchtungskonzept soll zudem Angsträume unter der Brücke vermeiden.

Streckenführung vom Hauptbahnhof (links) bis zur Adenauer-Brücke. In der Mitte (grau): das neue Polizeipräsidium.
Streckenführung vom Hauptbahnhof (links) bis zur Adenauer-Brücke. In der Mitte (grau): das neue Polizeipräsidium.

Bei den Planungen müsse unbedingt darauf geachtet werden, dass Radler durch ein- oder ausparkende Fahrzeuge nicht behindert werden, betonten Vertreter gleich mehrerer Fraktionen – was Berlenbach zusicherte. „Konfliktpotenziale müssen identifiziert und im Auge behalten werden“, betonte Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD).

Knotenpunkt Hauptbahnhof

In drei Jahren soll am Ludwigshafener Hauptbahnhof ein Knotenpunkt für den regionalen Radverkehr entstehen. Dort sollen die Pendlerradrouten aus Süden (Schifferstadt), Norden (Worms) und – perspektivisch – in Richtung Westen (Pfälzerwald) zusammengeführt werden. „Klimaschutz und Mobilitätswende gelingen nur, wenn wir gemeinsam und konsequent an diesem Ziel arbeiten und pragmatische Lösungen finden“, sagte Bau- und Umweltdezernent Alexander Thewalt (parteilos).

Anteil des Radverkehrs steigt

Berlenbach zufolge spielt der Radverkehr in Ludwigshafen eine immer größere Rolle. An den Zählstellen in Friesenheim und West sei der Anteil der Radler zwischen Januar und August gegenüber dem Vorjahr von 13 auf 23 Prozent gestiegen. Laut der jüngsten Untersuchung zum Verkehrsverhalten der Ludwigshafener aus dem Jahr 2018 werden im Jahresmittel 15 Prozent aller Wege mit dem Rad zurückgelegt. Rein innerstädtisch liegt der Wert bei 18 Prozent. Wege im Berufsverkehr würden zu 20 Prozent mit dem Rad zurückgelegt.

Das Ludwigshafener Radverkehrsnetz umfasst 182 Kilometer, 139 davon sind angelegte Radwege, 25 Wirtschaftswege und 18 sonstige Wege (etwa für Radler geöffnete Einbahnstraßen in Gegenrichtung).

Termin

am Mittwoch ab 18 Uhr Online-Sprechstunde zum Pendlerradweg mit Bau- und Umweltdezernent Alexander Thewalt (parteilos) sowie Experten der Verwaltung: www.ludwigshafen-diskutiert.de.

Verlauf zur Heinigstraße.
Verlauf zur Heinigstraße.

Zur Sache: Pendlerradrouten in LU

Im Stadtgebiet Ludwigshafen sind zwei Teilstücke der Pendlerradrouten in Planung. Seit etwa 2017 befindet sich der Radschnellweg zwischen Heidelberg und Mannheim und weiter als Pendlerradroute über Ludwigshafen bis Schifferstadt in der Planung. Die Verknüpfung zwischen Mannheim und Ludwigshafen soll über die Konrad-Adenauer-Brücke erfolgen. Im südlichen Stadtgebiet soll diese Route weitgehend parallel der Bahnstrecke nach Schifferstadt geführt werden. Eine Verbindung in Richtung Norden nach Worms wird seit etwa 2018 geplant. Die Trasse führt über die Pfingstweide entlang der Brunckstraße über Friesenheim und den Stadtteil Nord zur Heinigstraße, wo im Bereich des Südwestknotens eine Verknüpfung mit dem Ast nach Schifferstadt als auch durch die Radverkehrsanlage unter der Hochstraße Süd nach Mannheim erfolgt. Für beide Strecken liegen bisher sogenannte Machbarkeitsstudien vor. Darin werden die vorhandenen Radwegebeziehungen analysiert und die Potenziale für die Pendlerradrouten ermittelt. Als Ergebnis wurde jeweils eine Vorzugstrasse gefunden, die im weiteren Planungsprozess detaillierter untersucht werden muss. Die Ausschreibungen für die weiteren Planungsleistungen werden derzeit vom Landesbetrieb Mobilität vorbereitet.

Streckenplanung nach Abschnitten

Hauptbahnhof/Busbahnhof: neue und sichere Querungen, teilweise unter der Weißen Hochstraße. Parkraum soll neu und übersichtlich organisiert werden.

Bürgermeister-Kutterer- bis Heinigstraße: Neuordnung des Parkraums, Trennung der Verkehrsströme von der Hochstraße Süd kommend.

Kreuzungsbereich Heinigstraße: Neuregelung der Querung.

Heinigstraße bis Berliner Straße:

Neustrukturierung und sichere Trennung von Radweg und Parkraum.

Kreuzung Berliner Straße: Neue und sichere Querung, Anbindung des Radwegs vom Paul-Kleefoot-Platz kommend.

Berliner Straße bis Hochstraßenabfahrt: Neustrukturierung des Verkehrsraums und der öffentlichen Fläche.

Hochstraßenabfahrt bis Yorck-/Bismarckstraße: Neuordnung des Parkraums, durchgängige Öffnung der Dammstraße für den Verkehr, Ampelsteuerung für querenden Verkehr.

Kreuzung Mundenheimer-/Yorckstraße. Auffahrt Richtung Mannheim. Abstimmung mit der Rhein-Neckar-Verkehrsgesellschaft wegen Gleisneubaus und sicherer Querung über die Gleise ist bereits erfolgt. Anordnung neuer Haltestellen, Umgestaltung des Knotenpunkts Mundenheimer-/Yorckstraße.

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