Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Oppauer Dampfnudeln kommen jetzt aus Exil in Ruchheim

 Am Herrschaftsweiher in Ruchheim hat die Oppauer Dampfnudelbäckerei von Heike Fleckner und Steffen Jung eine neue Heimat gefund
Am Herrschaftsweiher in Ruchheim hat die Oppauer Dampfnudelbäckerei von Heike Fleckner und Steffen Jung eine neue Heimat gefunden.

Ein weißer Flachdachbau steht im Ruchheimer Gewerbegebiet. Der Duft aus Hefeteig und Bratfett verrät, dass hier weder Eisen gebogen noch Klimaanlagen vormontiert werden. Es ist die neue Heimat von Heike Fleckner und Steffen Jung und ihrer Dampfnudelbräterei, die aus dem Oppauer Ortskern nach Ruchheim umgezogen ist.

Einige Leitungen hängen außen noch aus der Wand, denn die Beleuchtung muss noch installiert werden. Hinter dem Haus türmt sich in Richtung Autobahn noch der Aushub, und an der weißen Wand hängt noch keine Firmenbezeichnung, sondern lediglich die Hausnummer. Trotzdem strahlt Steffen Jung eine stille Zufriedenheit aus: „Das war eine ganze Menge Arbeit und ein echter Kraftakt.“ Die Restarbeiten werde man nach und nach in Angriff nehmen. „Wichtig war, dass wir mit der ganzen Bräterei pünktlich umgezogen sind.“ Am 23. Dezember gingen die letzten Dampfnudeln in Oppau aus der Pfanne, dann wurden die Herde abgebaut, und seit dem 6. Januar gibt es „Original Oppauer Dampfnudeln – produziert in Ruchheim“. „Wir haben uns dafür mit Markenrechtsexperten unterhalten. Die meinen, dass es mit diesem Zusatz keine Probleme geben sollte.“

Probleme hatte das Ehepaar hingegen im Oppauer Ortskern. Nach 20 Jahren musste es seinen Betrieb wegen Anwohnerbeschwerden räumen. „Es gab da keinen Spielraum. Wir hatten nur die Genehmigung für einen Zwei-Personenbetrieb.“ Mittlerweile sind jedoch, inklusive des Gründerpaars, 25 Leute damit beschäftigt, im Akkord aus duftenden Hefeklößen fluffige Spezialitäten mit salziger Kruste zu machen. Inklusive des zugehörigen Lieferverkehrs, der täglich außer montags ab 5.30 Uhr 17 Wochenmärkte in der Region anfährt.

Auch übers Aufgeben nachgedacht

„Wir werden nie den Tag vergessen, an dem die Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd (SGD) bei uns geklingelt und uns mitgeteilt hat, dass wir für diese Art des Betriebs überhaupt keine Genehmigung haben.“ Zweieinhalb Jahre liegt dieser Moment mittlerweile zurück, und seither hat sich viel getan. Nicht nur in Oppau, wo die Bevölkerung und auch der damalige Ortsvorsteher Udo Scheuermann (SPD) sich für den Erhalt starkmachen wollten, sondern auch beim Betreiberehepaar. „Wir hatten einige Optionen. Wir haben sogar kurz darüber nachgedacht, ob wir aufgeben sollten. Aber diesen Gedanken haben wir dann schnell fallengelassen – schon aus Verantwortungsgefühl gegenüber unseren Mitarbeitern“, sagte Jung. Und so krempelte das Paar die Ärmel hoch.

„Eine befreundete Architektin hat uns den Entwurf gemacht, und da war klar, dass wir rund eine Million Euro benötigen.“ Mit den Plänen wurden die Dampfnudelspezialisten bei der Hausbank vorstellig. „Und die haben das abgesegnet“, strahlt Jung. Ein Ergebnis sicherlich des soliden Finanzierungskonzepts, aber wohl auch aus 20-jähriger guter Zusammenarbeit. Das Ehepaar ging schließlich nicht als Neugründer an den Start, sondern hat bewiesen, dass auch Häuser solide sein können, die aus Hefeklößen gebaut sind.

Das letzte freie Grundstück

Dann also Neubau und Umzug bei gleichzeitigem Weiterbetrieb unter Duldung von SGD und Stadt Ludwigshafen. „Von dort hat man uns keine Steine in den Weg gelegt. Wir waren ja alle an einer einvernehmlichen guten Lösung interessiert.“ So kam es auch zur neuen Heimat in Ruchheim. „Viel Auswahl hatten wir dafür eigentlich nicht. Es war das letzte freie Grundstück in diesem Gewerbegebiet.“ Dementsprechend war auch die Größe vorgegeben, mit wenig Optionen auf Erweiterungen.

Aber Heike Fleckner und Steffen Jung sind ohnehin erst einmal zufrieden, dass der Umzug weitestgehend reibungslos über die Bühne gegangen ist und auf den sechs Herden fast rund um die Uhr wieder gebacken und gebraten wird. „Hier ist alles barrierefrei, die Anlieferung ist problemlos, und wir können hier in der Einfahrt auch die Fahrzeuge für die Wochenmärkte bestücken.“

Auf 17 Wochenmärkten

Bis zu 2500 Dampfnudeln gehen dabei an die 17 Wochenmärkte. „Wir haben uns zwar noch für weitere Märkte beworben, aber in der aktuellen Situation nehmen die Marktmeister eher weniger Stände, um den Abstand zu gewährleisten.“ Aber in der neuen Nachbarschaft haben sich die beiden Ex-Oppauer schon beliebt gemacht. „Manche sind schon herübergekommen und haben sich Dampfnudeln abgeholt“ – die schmecken schließlich auch aus dem Exil gut.

Eine beliebte Spezialität in der Region: Oppauer Dampfnudeln.
Eine beliebte Spezialität in der Region: Oppauer Dampfnudeln.
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