Ludwigshafen Was wird aus den Dampfnudeln?

Steffen Jung und Heike Fleckner in ihrer Dampfnudelbräterei.
Steffen Jung und Heike Fleckner in ihrer Dampfnudelbräterei.

Das Schicksal der Oppauer Dampfnudelbräterei beschäftigt jetzt sogar den Jura-Professor Markus Köhler (53) und seine Studenten in Mannheim. Es geht um Markenrecht. Oder ganz schlicht: Dürfen die Dampfnudeln noch den Namen „Oppauer“ tragen, wenn sie ab 2020 in Ruchheim gebacken werden? Das ist alles andere als eine einfache Frage. Der in Mannheim aufgewachsene Jurist Köhler ist seit 22 Jahren als Wirtschaftsanwalt in Stuttgart tätig und nimmt sich der Sache an. Einmal die Woche kommt er für seinen Lehrauftrag an die Uni Mannheim. Wegen der regionalen Verbundenheit ist er überhaupt mit den Oppauer Dampfnudeln in Berührung gekommen und berät nun Heike Fleckner und Steffen Jung (beide 54). Wegen Anwohnerbeschwerden müssen sie ihr Domizil im Oppauer Ortskern verlassen. Sie waren in den vergangenen knapp 20 Jahren im Prinzip zu erfolgreich, sodass die damalige Genehmigung nicht mehr zur heutigen Betriebsgröße passt. Ins Rollen kam alles aber nur wegen der Beschwerden. Beide waren zunächst schockiert: „Uns hat es den Boden weggezogen.“ Aber Fleckner/Jung haben die Entscheidung der Behörden akzeptiert und planen eifrig am Neustart in Ruchheim. 800.000 Euro müssen sie nun investieren und den Neubau zusätzlich zum Alltagsgeschäft mit 23 Mitarbeitern, die täglich 1500 bis 2000 Dampfnudeln für 17 Wochenmärkte backen, stemmen. Von der öffentlichen Resonanz und der regen Anteilnahme sind Jung und Fleckner begeistert. Über eine Kundin kam dabei Markus Köhler ins Spiel. Die Frau hatte sich bei Köhler in der Stuttgarter Kanzlei Oppenländer gemeldet und den Kontakt vermittelt. „Da ich ein neugieriger Mensch bin, habe ich mir das angehört.“ Und Köhler fand den Fall sehr spannend. Er traf sich auf den Anruf hin mit Steffen Jung. Der brachte ihm als Kostprobe Dampfnudeln mit. Köhler nahm sie mit zur Vorlesung und erzählte im Einverständnis mit Jung von dem Fall. „Die Dampfnudeln waren gleich weg, haben allen geschmeckt“, erinnert sich Köhler. Und Jung weiß noch, „dass unsere Marktverkäuferin sich aufgeregt gemeldet und von vielen Studenten am Stand erzählt hat. Die haben alle gesagt, das sei eine Schweinerei und dass jeder mit der Oppauer Dampfnudelbräterei mitfiebert“. Die juristische Frage, wie der Betrieb heißen darf, treibt Jung um. So sind zwei neue Sprinter für den Transport der Dampfnudeln geliefert worden. „Jetzt wissen wir nicht, wie wir sie gestalten sollen.“ Am liebsten wäre Jung und Fleckner, wenn der Schriftzug Oppauer Dampfnudeln bleiben könnte. „Denn so sind wir bekannt und groß geworden.“ Und das ist für Wirtschaftsanwalt Köhler das Kernargument. „Kommt es zu einer Umbenennung, wäre der bisher mit großem Engagement aufgebaute Ruf weg, das Image müsste von vorn neu aufgebaut werden.“ Allerdings müsse man auch abwägen, ob man ein Produkt noch weiterhin Oppauer nennen dürfe, wenn es in Ruchheim produziert werde. Köhler will Jung/Fleckner helfen, dass sie nicht erneut Probleme mit ihrem eigentlich gut funktionierenden und sehr beliebten Geschäft bekommen. Daher wirbt er dafür, auch auf Bildelemente zu setzen. Das gibt es mit dem Dampfnudelbäcker, der Pfanne und der Dampfnudel schon. Denkbar, so Köhler, sei zudem ein kleiner Zusatz im Firmenauftritt – nach dem Motto „Oppauer Dampfnudeln, gebacken in Ruchheim“. Mit einer solchen Markenergänzung habe eine große Brauerei, die er einmal vertreten habe, Erfolg gehabt. Damals ging es um die Frage, ob ein Bier der Warsteiner-Brauerei, das in Paderborn gebraut wurde, überhaupt Warsteiner heißen darf. Mit dem Zusatz „gebraut in Paderborn“ durfte der Name Warsteiner bleiben. Wichtig sei aber, dass mit Namen und Werbung keine Irreführung erfolge, so Köhler. Daran sei man im Begriff zu arbeiten. Ihm ist wichtig, dass Steffen Jung und Heike Fleckner für mögliche „Folgeprobleme“, die aus dem Umzug entstehen, gerüstet sind. „Ein Markenname ist wichtig: So wissen Kunden, dass sie Qualität bekommen.“ Dieses Image soll für die Dampfnudeln erhalten bleiben, ohne rechtliche Fehler zu machen. Jung: „Es ist schwer, sich vom Namen Oppauer zu trennen. Wir wollen, dass alles so bleibt, bereiten uns aber vor, wenn jemand angreift.“ Köhler ist zuversichtlich: Mit dem Bild-Logo und anderen Ideen sei man auf dem richtigen Weg.

Werbeschild der Dampfnudelbräterei.
Werbeschild der Dampfnudelbräterei.
Markus Köhler
Markus Köhler
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