Ludwigshafen
Oppauer Dampfnudelbräterei: Anfang 2021 steht der Umzug nach Ruchheim an
Seit 20 Jahren sind Steffen Jung und Heike Fleckner (beide 55) mit ihrer Dampfnudelbräterei in der Oppauer Gabelsbergerstraße. Doch den Standort müssen sie nach Beschwerden einiger Anwohner verlassen. Nach dem anfänglichen Schock entschied sich das Ehepaar dafür, die Ärmel hochzukrempeln. Noch läuft der Betrieb in Oppau wie gewohnt. Von abends 6 bis morgens 6 Uhr werden 1500 bis 2500 Dampfnudeln gebacken, die dann auf 17 Wochenmärkten in der Region verkauft werden. 24 Mitarbeiter haben Fleckner und Jung.
Bald wird die Dampfnudelbräterei nach Ruchheim umziehen. Denn im Gewerbegebiet Am Herrschaftsweiher entsteht der 250 Quadratmeter große Neubau. Hatten Jung und Fleckner bis vor zwei Jahren nicht im Traum daran gedacht, Oppau, das ja auch Namensgeber ihrer Dampfnudeln ist, zu verlassen, sehen sie in den Querelen rund um die Beschwerden und behördlichen Verfügungen nun einen Ansporn, das Beste aus der Situation zu machen. Auch ein Ausnahmeereignis wie die Corona-Krise hat sie da nicht aus der Bahn geworfen. „Wir durften auf den Märkten ja weiter verkaufen, andere hat es härter getroffen“, sagt Steffen Jung.
Investition: eine Million Euro
Ihr neues Domizil in Ruchheim nimmt derweil Konturen an. Das Gebäude steht, jetzt stehen noch viele Arbeiten im Inneren an. Bis Herbst soll alles fertig sein. Ab dann beginnt so ganz langsam auch der Umzug mit dem Büro und dem privaten Bereich. Die Backstube soll aber erst im Januar umziehen. Denn Herbst und Winter „sind unsere Hauptsaison“, sagt Fleckner. Da die Backstube traditionell Anfang Januar zu sei, „nutzen wir die Woche für den eigentlichen Umzug“.
Eine Million Euro muss das Ehepaar in das Projekt stecken. „Das war schon ein komisches Gefühl. Wir nehmen das Geld auf, und dann kommt Corona“, erinnert sich Fleckner. Doch der Betrieb sei zum Glück gut durch die Krise gekommen. Und auf der Baustelle habe man Glück gehabt mit Architektin Christiane Jeromin aus Bobenheim-Roxheim und dem Ludwigshafener Unternehmen Saroba. „Das läuft alles total reibungslos“, loben Fleckner und Jung. Ihr Anwesen in Oppau wird demnächst für den Verkauf angeboten. Diese Einnahmen sind Bestandteil der Kalkulation für das Neubau-Projekt.
Bereit für neue Projekte
Sie sind froh, dass ihnen die Stadt das Grundstück in Ruchheim angeboten hat. „Es war die letzte freie Fläche hier“, so Jung. Außerdem sei es gut erreichbar, sodass auch „alle unseren guten Mitarbeiter den Umzug mitmachen“. Im Neubau wird alles etwas großzügiger sein. Das erleichtere die Arbeit in der Backstube und auch im Lager. Für die Mitarbeiter wird es neue Umkleiden mit Duschen und einen Aufenthaltsraum geben. Und in den Neubau kommt auch eine Wohnung für Jung und Fleckner. „Wir können auch eine Klimaanlage einbauen. Das wird uns künftig im Sommer bei der Arbeit sehr helfen“, betont Jung.
Und da man künftig in einem Gewerbegebiet angesiedelt sei, könne man auch früher mit dem Beladen der Transporter beginnen – in Oppau ist das erst ab 6 Uhr möglich. Die zeitliche Flexibilität ermögliche neue Geschäftsfelder. „Wir würden gerne noch auf ein paar weitere Märkte gehen“, nennt Fleckner ein Beispiel. Aber auch neue Projekte wie Catering oder die Dampfnudelherstellung für eine große Bäckerei seien dann denkbar. „Bisher mussten wir solche Anfragen immer ablehnen“, sagt Fleckner. „Wir freuen uns auf den Umzug. Vieles wird dann einfacher, auch weil wir dann Parkplätze hier auf dem Gelände haben“, ergänzt Steffen Jung.
Auf der Suche nach Mehl und Hefe
Beim Blick zurück meint er: „Es ist und bleibt bei uns immer spannend.“ Er meint damit zum einen den Neubau, zum anderen aber auch die Corona-Krise. Sie seien gut durch diese Zeit gekommen, hatten da im Vergleich zu anderen viel Glück gehabt. Denn der Verkauf auf Wochenmärkten wurde ja nicht eingeschränkt. Die Verkaufsstände seien mit Plexiglas ausgestattet worden, und auch in der Backstube werde streng auf Hygiene geachtet. Es dürfen sich hier nur zwei Mitarbeiter aufhalten, ansonsten sind Masken zu tragen. Das gesamte Team sei in der Zeit noch enger zusammengerückt. Das mache sie stolz.
Und auch ganz ungewohnte Herausforderungen wurden gemeistert, da zwischenzeitlich Mehl, Hefe und Margarine knapp waren. „Wir mussten dann intensiv suchen. Es hat geklappt“, erinnert sich Jung. Das Mehl beziehe man seither etwa aus Böhl-Iggelheim.