Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Das kleine Weihnachtswunder der Loreto-Kapelle

Pater Wojciech Kordas zeigt eine der Engelfiguren, die wieder hergestellt ist und zu Weihnachten in der Kapelle an ihren Platz k
Pater Wojciech Kordas zeigt eine der Engelfiguren, die wieder hergestellt ist und zu Weihnachten in der Kapelle an ihren Platz kommt.

Es gleicht einem Weihnachtswunder: Im September 2022 hatte ein Brandstifter Feuer in der Loreto-Kapelle der Oggersheimer Wallfahrtskirche gelegt. Die schweren Schäden sind inzwischen weitgehend behoben. Zu Weihnachten wird die Kapelle wieder geöffnet.

Die Bilder der Zerstörung hat Pater Wojciech Kordas ausgedruckt und in der Wallfahrtskirche auf den Bänken ausgelegt. Engelsfiguren sind darauf verkohlt zu sehen, die Heiligenfigur der Schwarzen Madonna zeigt deutliche Schäden. Es ist ein trauriger Anblick, schließlich haben bedeutende Kulturschätze unter dem Feuer gelitten. Ruß hat sich überall in der Loreto-Kapelle auf die kunstvolle Ausgestaltung gelegt, auch die Wallfahrtskirche wurde in Mitleidenschaft gezogen. „Das wurde alles gereinigt und von den giftigen Partikeln befreit, die sich überall abgelegt haben“, sagt Pater Wojciech. Der leitende Pfarrer der Pfarrei des Heiligen Franz von Assisi zeigt dabei auf die Stuckarbeiten in der Wallfahrtskirche.

Noch ist der Zugang zur Kapelle staubdicht verschlossen.
Noch ist der Zugang zur Kapelle staubdicht verschlossen.

450.000 Euro beträgt Schätzungen zufolge der Gesamtschaden des Feuers, wie das Bistum mitteilte. Die Staatsanwaltschaft Frankenthal hatte Ermittlungen wegen Brandstiftung eingeleitet. Aber es ergaben sich keine konkreten Hinweise auf einen Täter, das Verfahren wurde im April 2023 eingestellt.

Ein Brandstifter hat das Feuer gelegt

Der Pater selbst hatte beim Brand eingegriffen, bevor die Feuerwehr da war. Seine Anwesenheit: purer Zufall. Denn eigentlich hätte er eine Fortbildung in Landau gehabt, wie er nach dem Brand sagte. „Ich hatte das Gefühl, hier in Oggersheim bleiben zu müssen.“ Aus den Flammen rettete er viele der Kunstwerke, die in der Loreto-Kapelle sonst zerstört worden wären. Er selbst erlitt dabei eine schwere Rauchgasvergiftung und kam ins Krankenhaus. „Dort haben sie meine Lunge stabilisiert“, berichtet der Pater. Beeinträchtigungen verspüre er keine. Bei der nachfolgenden Untersuchung der Kapelle stellte sich heraus, dass jemand ein Gefäß mit Brandbeschleuniger angezündet hatte.

Vor dem Brand: die Schwarze Madonna mit Engeln. Der Mantel ist verloren.
Vor dem Brand: die Schwarze Madonna mit Engeln. Der Mantel ist verloren.

Der Madonnenfigur half, dass sie einen Mantel umhatte, ein Zeichen der Marienverehrung. Der Stoff verbrannte vollständig und fiel herunter, aber er bewahrte die wertvolle Figur vor schlimmeren Schäden. Der Mantel selbst sei wohl mehr als 100 Jahre alt gewesen, gefertigt aus den abgetragenen Teilen von Priestergewändern, wie Pater Wojciech erklärt. Ob die Schwarze Madonna wieder einen Mantel bekommt, sei offen.

Vor ein paar Tagen steht noch ein Baugerüst in der Kapelle, Bänke und Beleuchtung fehlen. Doch der Pater ist zuversichtlich: „Bis Weihnachten haben wir das Gerüst abgebaut und die Bänke eingeräumt.“ Der Altar sei noch nicht da, „aber wir gehen davon aus, dass er zu Weihnachten da sein wird“. Einer der Engel aus der Werkstatt des Künstlers Paul Egell (1691–1752), die links und rechts des Altars aufgehängt waren, kommt dann wieder aus der Restaurierungswerkstatt zurück. Teile des zweiten Engels müssen rekonstruiert werden, weil sie so starke Beschädigungen davongetragen haben. Engel Nummer eins ist aber bereits fertig und neu versilbert, die Kronen der Heiligen Jungfrau und von ihrem Kind erstrahlen ebenfalls wieder goldfarben, wie der Geistliche auf Bildern zeigt.

Im Schein der Taschenlampe: Ein Blick auf die restaurierten Fresken in der Kapelle.
Im Schein der Taschenlampe: Ein Blick auf die restaurierten Fresken in der Kapelle.

Dem Pater ist Erleichterung anzumerken, wenn er die Fortschritte der Restaurierung beschreibt. Empfindet er auch Zufriedenheit darüber, dass der Brandstifter die wertvollen Kulturgüter nicht zerstören konnte? „Ich bin noch sehr ergriffen von diesem Tag und will seither immer wissen, wo die Feuerlöscher stehen“, lenkt der 59-Jährige das Gespräch in eine andere Richtung. Über seine Gefühle möchte der bescheidene Mann nicht sprechen. Stattdessen führt er aus: „Die Beleuchtung muss noch aufgehängt werden, dann können alle Bilder wieder gesehen werden – so, wie sie vor dem Brand waren.“

Pater dankt allen Gläubigen

Er sei dankbar, dass die Gläubigen auch in der schweren Zeit nach dem Brand weiter zu den Gottesdiensten gekommen sind. 40 bis 50 Menschen seien immer in den Gottesdiensten, die nach dem Brand zunächst in der Klosterkirche stattfanden. „Die Menschen kommen nach Oggersheim, um in der Kapelle zu beten. Sie ist ein Wahrzeichen von Oggersheim und Mittelpunkt der marianischen Frömmigkeit“, so Pater Wojciech. „Ich bin allen Spendern dankbar und schätze die geistige Unterstützung und Treue aller Gläubigen, die nicht aufhören zu hoffen, dass die Loretokapelle bald ihren ursprünglichen Glanz wieder erhält.“ Sein Dank gelte ebenso allen Restauratoren und Unternehmen, die an der Sanierung beteiligt waren.

Wallfahrtskirche und die Loreto-Kapelle darin waren nach dem Feuer zunächst für mehrere Monate komplett geschlossen. Die Reinigungsarbeiten begannen Anfang 2023. Zunächst war das Hauptschiff bis zu den Gesimsen unterhalb der Fenster an der Reihe. „Die Generalsanierung der Kirche steht noch an“, sagt Pater Wojciech. „Dann kommen auch die Decke und der Bereich um die Fenster an die Reihe.“ Danach folgten 2023 die Reinigung von Sakristei, Vorräumen, Orgelempore und dem Treppenaufgang. Auch die Orgel musste aufwendig von den giftigen Rußpartikeln befreit werden

Opferkerzen haben einen sicheren Platz

Seit März 2023 ist die Kirche wieder für Gottesdienste geöffnet. Die Opferkerzen habe man in der Wallfahrtskirche an eine Wand gestellt. „Das ist auch ein schönes Bild“, sagt der Pater und deutet darauf. Auch der Tabernakel aus der Loreto-Kapelle sei zurzeit in der Wallfahrtskirche, komme aber wieder zurück. Ende Mai soll der Marienaltar vollständig restauriert und in die Loretokapelle zurückgebracht werden. Das will die Pfarrei feiern.

Dafür gibt es auch einen speziellen Anlass. Zum Weihnachtsfest ruft Papst Franziskus in Rom das Heilige Jahr aus und öffnet die Heilige Pforte. Das passiere nur alle 25 Jahre, so Pater Wojciech. In Oggersheim erwarte man viele Wallfahrer in der Loreto-Kapelle. Acht Wallfahrtstage werde es im Heiligen Jahr geben, beginnend am 1. Februar.

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