Ludwigshafen
Wallfahrtskirche: Restaurierungsarbeiten schreiten voran
Als ob er es geahnt hätte: Am 28. September hätte Pater Kordas (57) eigentlich an einer Fortbildung in Landau teilnehmen sollen. Aus einer Eingebung heraus hatte er für den ersten Tag abgesagt. „Ich hatte das Gefühl, hier in Oggersheim bleiben zu müssen.“ Aus einem dramatischen Grund, wie sich am späten Vormittag herausstellen sollte. Gegen 11 Uhr stand die holzverkleidete Loreto-Kapelle hinterm Hauptaltar der Wallfahrtskirche in hellen Flammen. Der couragierte Pater versuchte zu retten, was an Reliquien zu retten war. Als die eingetroffene Feuerwehr die Löscharbeiten übernahm, musste der Ersthelfer mit einer Rauchvergiftung im Krankenhaus behandelt, konnte aber tags darauf bereits entlassen werden.
Ein halbes Jahr später blickt Kordas in seiner bekannten äußerlichen Gelassenheit zurück auf den Stand der umfangreichen Renovierungsarbeiten. Die fallen schon wieder an, nachdem jahrelange Sanierungsarbeiten in der Wallfahrtskirche vor zwei Jahren erst abgeschlossen waren. Nachdem Versicherung und Gutachter ihre Arbeit erledigt hatten, viele Kostenvoranschläge eingeholt waren, konnten sie Anfang 2023 beginnen. Und das bedeutete zunächst freiräumen, absaugen, schrubben, wischen, shampoonieren, fegen.
Kirchenbänke ausgebaut
Der Ruß hatte sich im gesamten Hauptschiff ausgebreitet. Kirchenbänke wurden ausgebaut, Gitterroste über Bodenschächten abgenommen, Wandnischen, Gesimse und Friese abgesaugt, Altarteppiche und Marmorböden schonend behandelt. Ende Februar waren schon mal die hohen Wände des Kirchenschiffs weitgehend gereinigt, erstrahlen in einem Weiß, das umso mehr ins Auge sticht, nun da die ersten Besucher genauer hinschauen.
Es bleibt noch eine Menge zu tun. Die Sakristei, die Vorräume, der Treppenaufgang und die Orgelempore selbst harren noch der Generalreinigung. Vor allem die Orgel selbst mit ihren Dutzenden Pfeifen stellt eine Herkulesaufgabe dar. Pfeife um Pfeife wird abmontiert und von Partikeln freigepustet werden müssen, zum Teil in einer Spezialwerkstatt. Wegen der Auftragslage für solche Spezialisten wäre Kordas erleichtert, wenn das Instrument zum Weihnachtsgottesdienst wieder erklingen könnte. Früher wohl nicht.
Brand um Opferkerzen
Aber das alles ist nichts im Vergleich zum eher verborgenen Schatz der Wallfahrtskirche, der denkmalgeschützten Loreto-Kapelle. Dort war das Feuer um die Opferkerzen herum ausgebrochen. Wann diese wieder betreten werden kann, ist nach wie vor offen. Sie ist derzeit eingerüstet, die verkohlte Holzkonstruktion zeugt vom Wüten der Flammen. „Zunächst werden die angebrannten Balken auf ihre Tragweite überprüft“, berichtet der Franziskaner-Pater. „Verbrannte Balkenteile werden denkmalgerecht ersetzt.“ Wie die Wandfresken restauriert werden können, wie der Gewölbeputz rekonstruiert werden kann, wird Fachleute noch eine ganze Weile beschäftigen .
Die Statue der Gottesmutter, die Kordas aus den Flammen geholt hatte, die zwei großen Engelfiguren und der Altaraufsatz der Kerzenkapelle lagern lädiert im Bischöflichen Kunstdepot in Speyer. Dort wird an einem Konzept zum Erhalt der Originalfassung von Figuren und Altararchitektur gearbeitet. Eine Holzbildhauerin aus dem Schwarzwald will die Teile eines Engels rekonstruieren, die nicht mehr gerettet werden konnten.
„Mulmiges Gefühl“
Dankbar und bescheiden blickt Kordas auf die Fortschritte zurück, ist dankbar, dass nun wenigstens ein Teil der Kirche wieder genutzt werden kann. Immerhin acht Wallfahrtstage können für dieses Jahr geplant werden, den Auftakt hat gerade die Prozession zum Tag des heiligen Josef gemacht. In den Wochen nach dem Brand haben er und seine Franziskaner-Minoriten, die der Oggersheimer Pfarrei Hl. Franz von Assisi vorstehen, viel Sympathie und Unterstützung erfahren. CDU-Fraktionsvorsitzender Peter Uebel habe wiederholt seine Unterstützung angeboten, äußerte sich Kordas dankbar. Oggersheims Ortsvorsteherin Sylvia Weiler (SPD) dankte dem Retter bei ihrem Neujahrsempfang vor großem Publikum für sein couragiertes Eingreifen, das schlimmeren kulturellen Schaden verhindert habe.
Nur gelegentlich gibt der Pater beim Rundgang durch die Kirche einen Einblick in sein Seelenleben. Dann lässt sich erahnen, wie ihn sein Kampf gegen die Flammen und gegen die Zeit immer noch umtreibt: „Wenn ich an einem Kerzenständer vorbeigehe, beschleicht mich nach wie vor ein mulmiges Gefühl.“ Die Vorfreude darauf, ein ganz besonderes Osterfest wieder in der Wallfahrtskirche feiern zu können, macht es wett.