Ludwigshafen
Ludwigshafener Berufsschulzentrum: Sanierung weiter in der Warteschleife
Undichte Fenster, Schimmel in Räumen, herabfallende Deckenverkleidungen, kaputte Jalousien, marode Toiletten, bröckelnder Beton an der Fassade – die Mängelliste im Kerschensteiner-Berufsbildungszentrum ist ellenlang. Drei Berufsbildende Schulen (BBS) sind an der Franz-Zang-Straße in Mundenheim unter einem Dach vereint. Knapp 7000 Schüler werden hier von 350 Lehrkräften unterrichtet. „Seit Jahren wird über eine Sanierung des Schulzentrums gesprochen, passiert ist nichts“, sagt Mirko Taus, Schulleiter der BBS Technik 1.
Taus ist am Montag auf Einladung der CDU-Fraktion in den Bauausschuss gekommen, um aus erster Hand über die Zustände in dem 50 Jahre alten Gebäude zu berichten und Druck zu machen, dass die Sanierung endlich angegangen wird. Bereits vor sechs Jahren haben die Lehrer gegen die Bedingungen protestiert, unter denen sie die Berufsschüler unterrichten müssen. Im August 2019 holten sie Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (parteilos) zu einem Ortstermin in das Schulzentrum. Die OB hörte sich die Klagen an, verwies auf die Zuständigkeit von Schul- und Baudezernat, kündigte aber damals an, dass bis zum Schuljahr 2022/23 ein Ausweichquartier bezugsfertig sein solle, damit die Schule ab 2024 im laufenden Betrieb umfassend saniert werden könne. Darauf warten Schüler und Lehrer bis heute.
Brandschutz gefordert
Alleine mit ein paar Reparaturen wäre wenig gewonnen. Denn laut Stadtverwaltung hat sich der Umfang der Sanierung nach Ortsterminen zum Thema Brandschutz deutlich vergrößert: Decken sind mit Schadstoffen belastet und müssen in Fluren, Treppenhäusern und WC-Anlagen erneuert werden. Diese Arbeiten sollten eigentlich bei einer Generalsanierung in zehn Jahren umgesetzt werden. Doch einzelne Deckenplatten sind bereits herabgestürzt, auch die Löschwasser- und Ersatzstromversorgung muss schnell erneuert werden, damit der Schulbetrieb weiterlaufen kann, so die Verwaltung. Es herrscht also Handlungsbedarf.
Im Sommer hat sich der Stadtrat deshalb einmal mehr mit der Sanierung befasst. Baudezernent Alexander Thewalt (parteilos) sagte damals, dass eine umfassende Generalsanierung momentan für die Verwaltung nicht zu stemmen sei. Andere Schulbauprojekte wie an der Georgensförderschule seien unerwartet dazwischengekommen. Es hagelte Kritik von allen Seiten, ein Konzept wurde eingefordert. Thewalt erbat sich Zeit bis September, um ein entsprechendes Sanierungskonzept mit der Schulaufsichtsbehörde ADD zu besprechen und dann wieder den politischen Gremien vorzulegen. Das tat er nun Ende Oktober.
Millionenschwere Sanierung
Das 13-seitige Konzept enthält unter anderem Sofortmaßnahmen für einen besseren Brandschutz. Die Planung dafür sei mittlerweile zur Hälfte abgeschlossen. Erforderlich wären Wände und Decken, die einem Feuer zwischen 30 und 60 Minuten standhalten. Für die Löschwasserversorgung müsste eine Druckerhöhungsanlage eingebaut werden – ebenso eine neue Feuermeldeanlage. Die Kostenschätzung für den Brandschutz ist von knapp 3,3 auf neun Millionen Euro gestiegen. Die entsprechenden Arbeiten sollen im kommenden Jahr beginnen und drei Jahre dauern.
Für eine noch folgende Generalsanierung müssten die Schulgebäude in den Rohbauzustand versetzt werden, so die Experten der Bauverwaltung. Da aber der Schulbetrieb währenddessen weiterlaufen soll, seien Ausweichquartiere für Schüler und Lehrer unausweichlich. Doch dafür gebe es auf dem Areal derzeit keinen Platz. Also soll das ebenfalls marode Werkstattgebäude, in dem die Berufsschüler praktische Fertigkeiten erlernen, abgerissen und durch einen Neubau neben der Sporthalle ersetzt werden. Wenn dies erfolgt sei, könnten auf dem Areal des bisherigen Werkstattgebäudes neue Klassenräume gebaut werden. Eine erste Kostenschätzung beläuft sich auf knapp 30 Millionen Euro – inklusive neuem Werkstattgebäude. Die Planung soll im kommenden Jahr abgeschlossen werden. Danach könne über eine Förderung durch das Land geredet werden.
Lebhafte Debatte
„Aber wann fangen wir mit der Sanierung an? Wie lange dauert es noch?“, wollte der baupolitische CDU-Sprecher Christoph Heller wissen. „Für die Gesamtsanierung kann ich keine Jahreszahl nennen. Das wäre unseriös“, lautete die Antwort des Projektverantwortlichen aus der Bauverwaltung. Das sorgte fraktionsübergreifend für Kritik. Anke Simon (SPD) und OB Steinruck regten einen Neubau des Schulzentrums an, denn dieser wäre wohl eine schnellere Lösung als eine Sanierung. Als Standort brachte Steinruck das Gebiet um die Bayreuther Straße (West) ins Spiel. Baudezernent Thewalt widersprach und warf ein, dass dort eine Grund- und Realschule vorgesehen sei – mit Blick auf die geplante Heinrich-Pesch-Siedlung. Es sei daher besser, das Konzept mit neuen Ausweichquartieren auf dem Areal des Kerschensteiner-Schulzentrums weiter zu verfolgen. „Kleine Reparaturen im Gebäude, die möglich sind, sollten wir aber schnell machen“, meinte Thewalt.
„Kind in den Brunnen gefallen“
Schulleiter Taus mahnte am Ende die Politiker: „Es wurde jahrelang nichts gemacht. Es hieß immer wieder, das lohnt sich nicht vor der Grundsanierung. Jetzt ist das Kind in den Brunnen gefallen.“ Er ist seit 1998 an der BBS. Es gebe zig Planungsvarianten für eine Sanierung. Mittlerweile seien die Neonröhren so alt, dass sie durchschmorten und das Gebäude deshalb schon mehrmals geräumt werden musste. Auch die Toiletten seien nicht mehr zumutbar. Jetzt müssten im laufenden Schulbetrieb die drängendsten Mängel aus der Gefahrenschau angegangen werden. Dafür müssten zwei Trakte geschlossen werden. Dies bedeute in der Praxis, dass 16 Klassen in der Aula und im Homeschooling unterrichtet werden müssten. Mit einer Generalsanierung rechne er erst in zehn bis 15 Jahren, sagte Taus.
„Ich wünsche dem Schulzentrum viel Glück“, beendete die zum Jahresende aus dem Amt scheidende OB die Debatte. Fest steht: Die Sanierungsfrage dürfte in ihrer Amtszeit nicht mehr gelöst werden.