Ludwigshafen
Heinrich-Pesch-Siedlung: Baustart noch unklar
Wieder steht ein Winter vor der Tür, und auf dem erschlossenen 15 Hektar großen Gelände der künftigen Heinrich-Pesch-Siedlung zwischen West und Oggersheim tut sich noch immer – nichts. Die Straßen sind fertig, Bäume wurden bereits gepflanzt. Aber Häuser für rund 2000 Menschen, die hier einmal leben sollen, gibt es bisher nur auf Papier. Die Bauarbeiten lassen auch Ende 2025 weiter auf sich warten. Dabei hat der Ludwigshafener Stadtrat schon vor fünf Jahren, Anfang Oktober 2020, grünes Licht für das neue Quartier an der Frankenthaler Straße gegeben.
„Woran liegt das?“ fragen sich viele Pendler, die das Baufeld täglich mit dem Fahrrad oder Auto passieren. Der Stillstand hat Gründe, und die Pesch-Siedlung ist in Ludwigshafen und bundesweit kein Einzelfall: Der Wohnungsbau ist infolge der Corona-Krise und des Kriegs in der Ukraine extrem teuer geworden und steckt seit Jahren in einer tiefen Krise. Die Verantwortlichen der Siedlungs-GmbH, der Jesuitenorden und das Bistum Speyer hatten sich das bei der Vorstellung der Pläne Anfang 2018 ganz anders gedacht. Denn bezahlbarer Wohnraum ist in Ludwigshafen seit Jahren Mangelware.
Besondere Nachbarschaft
Nach Ansicht der Macher gehört die geplante Siedlung ungeachtet der Verzögerungen weiterhin zu den spannendsten Wohnbauvorhaben in der gesamten Metropolregion Rhein-Neckar. Denn hier sollen nicht nur rund 800 Wohnungen und 45 Reihenhäuser für Familien entstehen, sondern auch eine vielfältige Gemeinschaft wachsen, die sich durch ein lebendiges Miteinander und Raum für Individualität auszeichnen soll.
„Schon bald werden hier Menschen aus vielen sozialen Schichten, Kulturen und Generationen ein neues Zuhause finden, in dem sie sich rundherum wohlfühlen können. Und das sozusagen schlüsselfertig“, heißt es auf der Homepage des Vorhabens. Grundlage des Wohnprojekts sei ein energetisches, soziales und ökologisch nachhaltiges Konzept, das in dieser Kombination zu den herausragenden Wohnprojekten in Deutschland zählen werde. Das Projektteam sucht übrigens gerade nach personeller Verstärkung.
Zwei Investoren am Start
Auch wenn die Bagger noch nicht rollen, werde im Hintergrund gearbeitet, hatten die beiden Geschäftsführer des Projekts, Ernst Merkel und Thorsten Will, bereits im Sommer versichert. Das Duo ist zuversichtlich, dass ab dem kommenden Jahr auch endlich die ersten Häuser gebaut werden und 2027 die ersten Bewohner einziehen werden. „Es tut sich viel!“, versicherte Ernst Merkel, der frühere Ludwigshafener CDU-Baudezernent und ehemalige Chef des kommunalen Immobilienunternehmens GAG, beim jüngsten Pressegespräch.
Zwei Investoren für 400 Wohnungen haben die Verträge unterzeichnet und bereiten den Baustart vor. Auch für die Hälfte der geplanten Gewerbeflächen entlang der Frankenthaler Straße gebe es mittlerweile Investoren, berichteten die Verantwortlichen. Die Abstimmung mit der Stadtverwaltung laufe. 120 Menschen interessieren sich für eine Baugenossenschaft. Dazu sind verschiedene Infoveranstaltungen über die Bühne gegangen.
Autofreies Quartier
Die Siedlung ist übrigens für Menschen, aber nicht für Autos geplant: Parkplätze sind an den Häusern gar nicht vorgesehen, denn die Bewohner sollen ihre Fahrzeuge in Parkhäusern am Siedlungsrand abstellen. Darauf sollten sich Interessenten einstellen, haben die Macher immer wieder betont. Auch für diese Parkhäuser seien die Pläne bereits fortgeschritten, verschiedene Entwürfe liegen vor.
Die 45 geplanten Reihenhäuser auf je etwa 150 Quadratmeter großen Erbpacht-Grundstücken sollen über eine Wohnfläche von 120 bis 150 Quadratmetern verfügen. Angedacht sind Flach- oder Satteldächer. Denkbar ist für Merkel und Will, dass es für drei Baufelder mit jeweils 15 Häusern mehrere Investoren gibt.
Begegnungshaus und Quartiersmanagement
Neben den Reihenhäusern sollen in dem neuen Viertel Stadthäuser und Wohnhöfe mit Ein- bis Sechszimmerwohnungen entstehen: 50 Prozent des Wohnraums sind für Haushalte mit mittlerem Einkommen, 25 Prozent für einkommensschwächere und 25 Prozent für einkommensstarke Haushalte vorgesehen. So soll sich eine vielfältige soziale Infrastruktur bilden – mit Gemeinschafts- und Grünflächen sowie einem Begegnungshaus und einem professionellen Quartiersmanagement.