Ludwigshafen
Ludwigshafen: Lehrer am Berufsschulzentrum schlagen Alarm
Die Lehrer im Georg-Kerschensteiner-Berufsbildungszentrum protestieren gegen die Zustände im Schulgebäude. Die Fenster sind undicht, Deckenplatten fallen herunter, in einigen Räumen gibt es Schimmel, und in den Toiletten fehlen Seife und Handtücher. Die Pädagogen machen sich große Sorgen um ihre Gesundheit und um die ihrer Schüler.
Im Eingangsbereich der Schule bietet sich dem Besucher ein merkwürdiges Bild: Die Decke des hohen Flurs ist an einigen Stellen provisorisch mit blauen Plastikfolien beklebt. Die Platten an den beklebten Stellen fehlen. Sie sind heruntergefallen. Das sei auch schon in Klassensälen passiert, berichten Lehrer. In einigen Fällen landeten die losen Bauteile auf den Köpfen von Schülern und Lehrern.
Das Georg-Kerschensteiner-Berufsbildungszentrum in der Mundenheimer Franz-Zang-Straße ist die größte Schule in Ludwigshafen. Drei Berufsbildende Schulen (BBS) sind hier unter einem Dach vereint. Rund 8500 Schüler werden nach Angaben der Schulleitungen von circa 300 Lehrern unterrichtet. Ein Riesen-System.
Das Schulgebäude sei schon lange marode, beklagen die Personalräte und Schulleiter. Außerdem fehlen nach ihren Berechnungen mehr als 40 Klassensäle, und die Schülerzahlen steigen weiter an. Ganz große Sorgen machen sich die Lehrer mit Blick auf ihre Gesundheit und die ihrer Schüler wegen einer Asbestsanierung, die vor zwei Jahren im Auftrag der Stadtverwaltung im Werkstattgebäude stattgefunden hat. Und wegen der vielen losen Deckenplatten, die aus Fasern bestehen, die Lungenprobleme verursachen können. Es gebe einige Krebsfälle unter den Lehrern. Das Institut für Lehrergesundheit habe das alles untersucht und den Ergebnisbericht an die Verwaltung geschickt. Die Schule habe jedoch nichts mehr gehört. „Das ist sehr besorgniserregend“, meinen die Lehrer.
„Situation ist dramatisch“
Vor diesem Hintergrund haben sich nun die Personalräte Joachim Fahrnbach von der BBS Naturwissenschaft, Rainer Senck von der BBS Technik 1 und Carola Luter von der BBS Technik 2 überlegt, bei der Aktion „#Hol die Oberbürgermeisterin“ mitzumachen, um Verwaltungschefin Jutta Steinruck (SPD) vor Ort mit den Problemen zu konfrontieren. „Wir wollten endlich mal nach außen tragen, wie dramatisch die Situation an der Schule ist“, fassen die drei Initiatoren ihr Anliegen zusammen. Dank der Unterstützung vieler Lehrer bekam das Zentrum bei der Abstimmung im Mai 284 Stimmen und den Zuschlag für eine Visite Steinrucks nach den Sommerferien. Am Mittwoch nahm sich die 56-Jährige nun gemeinsam mit Ingo Sitter vom Bereich Schulen und Rainer Bernhard vom Baudezernat zwei Stunden Zeit für die Nöte und Kritik der Lehrer.
Steinruck verwies als Erstes darauf, dass sie als Oberbürgermeisterin für die Schulen gar nicht zuständig sei. Die politische Verantwortung liege bei Schuldezernentin Cornelia Reifenberg und Baudezernent Klaus Dillinger (beide CDU). „Ich darf in fremde Dezernate nicht reinsprechen“, erklärte die Verwaltungschefin. Dennoch räumte sie ein, dass sich die Rathausspitze schon seit Längerem Gedanken über das Berufsschulzentrum mache. Eigentlich wäre ein Neubau sinnvoll, aber dafür fehlten der Stadt geeignete Flächen. Auch Gespräche mit Gebietskörperschaften im Umland über eine Verlagerung seien ergebnislos verlaufen. Obwohl zwei Drittel der Schüler nicht in Ludwigshafen leben.
Sanierung in sechs Bauabschnitten geplant
Daher müsse die Schule nun ab 2024 im laufenden Betrieb umfassend saniert werden, erläuterte Steinruck. Bis zum nächsten Sommer sollen die Planungen für ein Ausweichquartier abgeschlossen sein, das bis 2022/23 bezugsfertig sein soll. Danach soll der Standort in sechs Bauabschnitten saniert werden.
Zum Thema Asbest sagte Steinruck: „Asbest ist in vielen Bauteilen vorhanden.“ Daher sei auch immer ein Schadstoffgutachter mit im Boot. Zudem garantierte die OB: „Es bleibt keiner in einem Raum mit krebserregenden Stoffen.“ Das sei sogar gesetzlich so festgelegt. Sie bot den Lehrern an, bei einer Mitarbeiterversammlung über den Sachstand und die Schadstoffe im Gebäude zu berichten. Außerdem soll die Kommunikation mit der Schule deutlich verbessert werden. Defekte Jalousien an den Fenstern sollen bis zum kommenden Sommer repariert werden, wenn es gelingt, das Thema zentral für alle Schulen auszuschreiben und den Auftrag an eine Fachfirma zu vergeben. Ferner sagte Steinruck zu, dass sie die Strukturen im Schul- und Baudezernat überprüfen wolle, um beide Bereiche künftig besser miteinander zu verzahnen. Im Hinblick auf die defekten Deckenplatten sollen die Meldeketten hinterfragt und aktualisiert werden.
Blaue Folien an der Decke des Eingangsbereichs der Schule sollten damit bald der Vergangenheit angehören.