Meinung
Ludwigshafen startet ins neue Jahr: Neuer OB, große Baustellen und viel Hoffnung
Eine besondere Woche geht zu Ende. Die Woche zwischen den Jahren, in der man innehalten kann. Einige Leute sind während der Schulferien zum Skifahren in die Alpen gefahren, reihten sich nach den Weihnachtsfeiertagen vergangenes Wochenende in die Blechlawine gen Süden ein. Vermutlich geht es auf der Skipiste ähnlich weiter, Schlangestehen am Lift und bei der Pause in der Hütte. Erholung und innere Einkehr sehen anders aus. Viele Daheimgebliebene haben die sonnigen Tage genutzt, um am Rhein spazieren zu gehen. Auch auf der Hannelore-Kohl-Promenade auf der Parkinsel herrschte reger Fußgängerverkehr.
Wer arbeiten musste, tat dies meist mit dezimiertem Team. Bei der Polizei, der Feuerwehr und in den Kliniken ging das nicht. Der alljährliche Silvesterwahnsinn forderte die Einsatzkräfte. Betrunkene, die aufeinander losgehen, Verletzungen durch Böller, Brände durch Feuerwerk – in der Nacht des Jahreswechsels zeigen sich einmal mehr die Schattenseiten der menschlichen Existenz. Besonders Tiere, die mit alldem eigentlich nichts zu tun haben, leiden unter der Knallerei, die sie in Todesangst versetzt. Mit dem Start des Feuerwerkverkaufs böllerte es in der Ludwigshafener Innenstadt und auch nach Neujahr geht es weiter, solange der Munitionsvorrat reicht. Muss das wirklich jedes Jahr so sein?
Start für neuen OB
Doch es gibt auch Positives zu vermelden: Ludwigshafen hat mit Neujahrsbabys Zuwachs bekommen. Das besondere Geburtsdatum wird die Kinder ihr Leben lang prägen – kein Wiegenfest ohne Feuerwerk. Ein Mann in Oggersheim dürfte beim Jahreswechsel mit Freunden und Familie auch auf seinen neuen Job angestoßen haben, der am Donnerstag um 0.01 Uhr begann. Klaus Blettner (58, CDU) ist seit diesem Moment der neue Oberbürgermeister von Ludwigshafen. Er wird kommende Woche beim Neujahrsempfang im Pfalzbau zwar erst offiziell auf großer Bühne ins Amt eingeführt, doch die achtjährige Amtszeit hat bereits an Neujahr begonnen. Seine Vorgängerin Jutta Steinruck (63, wieder SPD) wird wohl auch einen Moment innegehalten haben, als die Last der Verantwortung für eine Stadt mit 180.000 Einwohnern von ihren Schultern genommen wurde.
Man muss kein Prophet sein, um zu sagen, dass Blettner vor gewaltigen Herausforderungen stehen wird. Das Jahr 2026 wird ein wichtiges Jahr für Ludwigshafen. Dann wird der Rückbau des Rathaus-Centers abgeschlossen und die heiße Phase des Abrisses der Hochstraße Nord (B44) beginnen. Vier Jahre lang wird ab August die Rheinuferstraße gesperrt. Die Kurt-Schumacher-Brücke nach Mannheim steht auch nicht mehr zur Verfügung. An Umleitungskonzepten und einem verbesserten Nahverkehrskonzept ist jahrelang getüftelt worden. Jetzt steht der Praxistest an. Die Planer selbst sprechen von einer „Operation am offenen Herzen“. Die Sorge vor einem Verkehrsinfarkt treibt auch die Wirtschaft in der Stadt um. Vielleicht könnte uns rheinischer Optimismus („Es ist noch immer jot jegange“) die Angst nehmen.
Hochstraße Süd wird fertig
Außerdem gibt es auch einige Dinge, auf die wir uns in diesem neuen Jahr freuen können: Die Hochstraße Süd wird fertig und im Sommer wieder für den Verkehr freigeben. Es wird dann auch zusätzliche Straßenbahnlinien und eine bessere Direktverbindung nach Mannheim geben. Nicht zuletzt wird endlich das „Loch“ auf dem Berliner Platz im Herzen der Innenstadt verschwinden – wenn alles gutgeht, beginnt der Bau des Bürogebäudes „Palatineo“, in dem ein repräsentatives Rathaus entstehen soll.
Ludwigshafen hat sich in seiner fast 175-jährigen Geschichte ständig neu erfunden: hat sich vom Handelshafen zur Chemiemetropole entwickelt, ist auferstanden aus Ruinen und zur größten Stadt in der Pfalz geworden. Manches ist gelungen, anderes aus heutiger Sicht nicht. Aber das ist kein Grund, den Kopf in den Rheinstrand zu stecken und auf das nächste Hochwasser zu warten. Die Stadt ist viel besser als ihr Ruf, das liegt auch an den Menschen hier, die anpacken und gemeinsam Gewaltiges stemmen können. Das zeigt sich immer wieder in schwierigen Zeiten. Bei aller berechtigten Kritik an der Vermüllung und dem Zustand der City: Ludwigshafen ist und bleibt ein guter und spannender Ort zum Leben und Arbeiten. Wir sollten daher alle gemeinsam mit Zuversicht ins neue Jahr starten!