Ludwigshafen / Wien
Ist Lorenz K. in den Wien-Anschlag verstrickt?
Der Tod hat den 62-jährigen Star-Anwalt, Viel-Arbeiter und Mehlspeisen-Fan auf einem Gerichtsparkplatz in Niederösterreich ereilt: Wolfgang Blaschitz sitzt leblos und zusammengesunken auf dem Fahrersitz seines Autos, als er am 2. November von Passanten entdeckt wird. Für die Behörden scheint der Fall zunächst klar. Sie tippen auf einen Herzinfarkt und verkünden: Es gibt „keine Anzeichen für Fremdverschulden“ – weshalb sie auf eine Obduktion der Leiche verzichten wollen. Aber dann wird ihnen die Sache doch noch unheimlich.
Viele Islamisten verteidigt
Denn der schlitzohrig-humorvolle Jurist hat in österreichischen Prozessen gleich reihenweise Islamisten verteidigt. Und nur wenige Stunden nach seinem unerwarteten Tod zieht – ausgerechnet – ein Anhänger der Terrorbande IS mordend durch die Wiener Innenstadt: Der Fanatiker tötet vier Menschen und verletzt Dutzende weitere, ehe ihn die Polizei erschießt. In den Folgetagen rücken Ermittler dann bei Verdächtigen an, die direkten oder indirekten Kontakt zu dem 20-Jährigen hatten: Sie gelten als mutmaßliche Komplizen, werden vernommen und in einigen Fällen auch verhaftet.
Nach möglichen Unterstützern des Attentäters Kujtim F. suchen die österreichischen Behörden aber auch in den Reihen jener Kriminellen, die schon hinter Gittern sitzen. Gleich am Morgen nach dem Anschlag verhängt die Justiz ein weitgehendes Besuchsverbot für alle Gefängnisse, und sie lässt jede Menge Zellen durchsuchen. Schließlich gibt es Häftlinge wie Lorenz K., den wohl prominentesten Mandanten des so plötzlich gestorbenen Anwalts Blaschitz: Der in Österreich zunächst als „Bubi-Bomber“ verspottete junge Mann muss als Terror-Pate neun Jahre Haft verbüßen.
Anschlagspläne für Ramstein
Denn der damals 17-Jährige war Ende 2016 nicht nur nach Deutschland gereist, um mit einem Gesinnungsgenossen im Rheinland Bomben für einen Anschlag auf die US-Militäranlagen in Ramstein zu basteln. Online ermutigte er etwa gleichzeitig auch einen Zwölfjährigen aus Ludwigshafen, der auf dem Weihnachtsmarkt seiner Heimatstadt ein Selbstmord-Attentat verüben wollte. Dessen mörderischer Plan scheiterte offenbar nur an technischen Mängeln seines Eigenbau-Sprengsatzes. Und sein Mentor Lorenz K. hat die österreichischen Behörden seither mehrfach blamiert.
Denn im Gefängnis ließ er sich mindestens zweimal Handys zustecken. So legte er sich zum Beispiel wieder ein islamistisch eingefärbtes Instagram-Profil zu – aber angeblich nur, um sich Zeitvertreib im tristen Haft-Alltag zu verschaffen. Doch Ermittler vom österreichischen Bundesamt Verfassungsschutz und Terrorabwehr (BVT) sahen das anders. Im vergangenen August konfrontierten sie ihn mit Nachrichten, die er Islamisten – auch in Deutschland – geschickt hatte. Und die klangen eher so, als hätte er schon wieder Gesinnungsgenossen zu Anschlägen ermutigen wollen.
Dieselbe Moschee besucht
Also fällt sein Name jetzt auch immer wieder, wenn in Österreich über Mitwisser oder Berater des erschossenen Wien-Attentäters spekuliert wird. Zumal es einige Parallelen zwischen Kujtim F. und dem in etwa gleichaltrigen Lorenz K. gibt: Beide wuchsen als Söhne albanischer Familien in Österreich auf, und beide gingen zeitweise in dieselbe Wiener Moschee. Dass sie sich deshalb tatsächlich kannten oder gar engeren Kontakt zueinander hatten, ist damit zwar noch längst nicht gesagt. Aber offiziell ausgeschlossen haben die Behörden die These bislang auch nicht.
In einem amtlichen Schreiben teilte die österreichische Justizministerin kurz vor Weihnachten mit: Fragen zu einer Verbindung zwischen den zwei Männern lasse sie unbeantwortet, „um die laufenden Ermittlungen nicht zu gefährden“. Fest steht mittlerweile aber immerhin, dass der Islamisten-Verteidiger Blaschitz eines natürlichen Todes gestorben ist. Denn die Behörden haben ihn doch noch obduzieren lassen. Ergebnis: Der 62-jährige Star-Anwalt, Viel-Arbeiter und Mehlspeisen-Fan hat auf einem Gerichtsparkplatz in Niederösterreich einen Herzinfarkt erlitten.

