Ludwigshafen
BG Klinik: Jubiläum an besonderem Hubschrauber-Standort
„Kann man noch feststellen, wer an einem bestimmten Tag Dienst hatte?“ Drei Männer mittleren Alters wollen es genau wissen. Und das aus gutem Grund. „Ich will mich herzlich dafür bedanken, dass Sie mich an diesem Tag von Mainz nach Worms geflogen haben.“ Rund ein Jahr sei das jetzt her. Zum Festtag war er eigens aus Worms an den Stützpunkt des Ludwigshafener Rettungshubschraubers gekommen – mit feuchten Augen. Den Helikopter hat er schon aus einer ganz anderen Perspektive als die allermeisten Besucher zu Gesicht bekommen. Gefeiert wird an diesem Tag 55 Jahre BG Klinik und 50 Jahre Stationierung von Christoph 5 an diesem Standort.
„Ich habe mal ein wenig nachgerechnet und bin auf rund 69.200 Einsätze in den vergangenen 50 Jahren gekommen“, erzählt der Leitende Notarzt Johannes Becker. Das macht rund 1400 Einsätze im Jahr. Die meisten davon sei das Vorgängermodell des „Gelben Engels“ geflogen, der seit 2006 ein wenig unterhalb des Klinikgebäudes stationiert ist. „Bis dahin war es das Modell BO 105.“
Piloten schwelgen in Nostalgie
Ein wenig versonnen steht Becker vor diesem Flieger, den Hubschrauberfreunde aus Frankfurt für diesen besonderen Tag zur Verfügung gestellt haben. „Das ist das Modell, mit dem hier vor 50 Jahren alles begonnen hat. Unsere Piloten trauern dem BO 105 noch immer hinterher“, sagt Becker. Er kennt die Unterschiede zum aktuellen Modell: „Das alte Modell war wendiger. Aber dafür haben wir im neuen mehr Platz für die medizinischen Hilfsleistungen.“ Und vor allem hat das aktuelle Modell der Rettungsflugwacht mittlerweile zwei Turbinen und bietet damit Patienten und Besatzung ein gutes Stück mehr Sicherheit. Das ist ein Thema für Fachgespräche, während sich vor beiden Helikoptern lange Schlangen bilden und besonders die jungen Besucher es kaum abwarten können, endlich auf dem Pilotensitz für das Erinnerungsfoto Platz zu nehmen.
Fünf Jahre ist der letzte Tag der offenen Tür bei Christoph 5 mittlerweile her. „Damals haben wir den neuen Hangar eingeweiht“, sagt Becker. Auch der sei eine Besonderheit: „Wir sind einer der wenigen Hangars in Deutschland, der Platz für zwei Hubschrauber bietet.“ Deshalb war während der Pandemie auch ein weiterer „Christoph“ in Oggersheim stationiert, denn diesen Vornamen tragen alle Rettungshubschrauber in Deutschland – benannt nach dem Schutzpatron der Reisenden und nach Einrichtung durchnummeriert.
Arbeitsteilung mit Mannheim
Dementsprechend war der Standort in Ludwigshafen nicht nur einer der ersten in Deutschland, sondern sogar der erste zivile Stützpunkt der fliegenden Notärzte, auch wenn der Hubschrauber damals noch dem Bundesgrenzschutz unterstellt war. Der „Christoph“ in Mannheim, mit dem sich die Ludwigshafener Rettungswacht die Einsätze in der Metropolregion mittlerweile aufteilt, trägt die Nummer 53. Konkurrenzgedanken gebe es deshalb aber nicht. Im Gegenteil. „Bei Großeinsätzen fliegen wir sowieso beide und die Mannheimer sind heute auch bei uns zu Gast“, erzählt Becker. Nicht die einzigen Gäste. Der Platz rund um den Hangar ist ebenso wie die gesamte BG Klinik sehr gut vorbereitet auf den Ehrentag. Die Besucher sind es im Übrigen auch. Viele von den kleinen Gästen haben Plüschbären für den Besuch in der Teddyklinik mitgebracht.
Es ist eine von vielen Aktionen an diesem Tag. Der ADAC hat eine kleine Erlebniswelt zum Spielen und Basteln aufgebaut. Die BASF Werksfeuerwehr und die Ludwigshafener Berufsfeuerwehr ziehen mit ihren Fahrzeugen fast so viele Blicke auf sich wie die Hubschrauber. Johanniter, Deutsches Rotes Kreuz und Malteser demonstrierten mit ihrer Anwesenheit den Schulterschluss der Rettungsdienste für die Sicherheit der Bürger in und um Ludwigshafen.
Der ADAC ist seit 2006 Betreiber des Hubschraubers – er stellt Hubschrauber und die Piloten, das Rote Kreuz das medizinische Personal und die BG Klinik die Notärzte. Die Besucher haben die Gelegenheit genutzt, um solche Details zu erfahren – oder um einfach mal „Danke“ zu sagen.