Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Hilfe für Erdbebenopfer in Gaziantep: Spenden im Wert von 200.000 Euro gesammelt

Gaziantep wurde vom Erdbeben schwer getroffen.
Gaziantep wurde vom Erdbeben schwer getroffen.

Ein Erdbeben hat in der Ludwigshafener Partnerstadt Gaziantep schwere Schäden angerichtet. Nach der Katastrophe hat ein Freundeskreis Hilfe organisiert. Bis Jahresende wurden Geld- und Sachspenden im Wert von 200.000 Euro gesammelt. Die Aktion wird fortgesetzt.

Seit dem großen Erdbeben am 6. Februar ist in der gesamten Südosttürkei und in den angrenzenden syrischen Gebieten nichts mehr so, wie es war. Noch am gleichen Tag hat der Freundeskreis Ludwigshafen-Gaziantep einen Spendenaufruf gestartet, um im Erdbebengebiet Hilfe zu leisten. Die Resonanz war überwältigend. „Wir haben Geld- und Sachspenden in Höhe von über 200.000 Euro erhalten und in Hilfslieferungen und -projekte umgesetzt“, zieht Hans-Uwe Daumann, Freundeskreis-Vorsitzender, zum Jahresende eine Zwischenbilanz.

Ibrahim Yetkin, dessen Frau aus Gaziantep stammt, hat zahlreiche Verwandte im Katastrophengebiet. Der Ludwigshafener mit türkischem Migrationshintergrund war im Katastrophengebiet, um dafür zu sorgen, dass die Hilfe auch bei den Betroffenen ankommt. Der stellvertretende Freundeskreis-Vorsitzende schätzt, dass in Ludwigshafen bis zu 4000 Menschen leben, die aus dem Erdbebengebiet stammen.

50 Tonnen Hilfsgüter verteilt

Dazu zählt unter anderem der Unternehmer Hasan Dogan, der seit 35 Jahren in Ludwigshafen lebt. Er hat als Obsthändler angefangen und betreibt mittlerweile einige Supermärkte in der Stadt. Er stammt aus Malatya, einer 600.000-Einwohner-Stadt, die ebenfalls im Erdbebengebiet liegt. Er sowie Mustafa und Kadir Baklan vom Mannheimer Lebensmittelhändler Suntat spendeten aus ihren Beständen haltbare Lebensmittel wie Reis, Öl und Konserven.

Feldbetten, Decken, warme Kleidung, aber auch Lebensmittel und Hygieneartikel wurden im Februar in die von den Ludwigshafener Logistikunternehmen HCL Logistics und Contargo zur Verfügung gestellten Container geladen. Per Zug wurden 50 Tonnen Hilfsgüter zunächst nach Istanbul gefahren. Dort wurden die Container auf Lastwagen umgeladen und weiter ins Katastrophengebiet gebracht. Der Transport war langwierig und es galt einige bürokratische Hindernisse zu umschiffen, bis die Spenden aus Ludwigshafen in Gaziantep verteilt werden konnten.

Kinderhaus eröffnet

„Uns wurde bald klar, dass es sinnvoll ist, Hilfsgüter vor Ort zu kaufen. So konnten wir im Frühjahr Pakete mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln direkt an vom Erdbeben Geschädigte verteilen“, erzählt Yetkin. Über neu aufgebaute Kontakte in der Partnerstadt ergaben sich zwei Projekte, die der Freundeskreis in Kooperation mit der Stadtverwaltung Gaziantep umgesetzt hat: „Im Sommer konnten wir in einer Containersiedlung in Islahiye unser Kinderhaus eröffnen und ein Physiotherapie-Angebot etablieren, zunächst für ein Jahr. Kinder und ältere Menschen sind auf besondere Weise von den Folgen des Erdbebens betroffen“, berichtet Yetkin.

Auch Ausflüge gehören zum Programm des Kinderhauses , das mit Spenden aus LU finanziert wird.
Auch Ausflüge gehören zum Programm des Kinderhauses , das mit Spenden aus LU finanziert wird.

Regelmäßig erreichen den Freundeskreis Bilder aus den beiden Projekten, die der Verein aus Spendengeldern auf die Beine stellen konnte: Sowohl das Kinderhaus als auch das Physiotherapie-Angebot befinden sich in einer Containersiedlung in Islahiye und werden jeweils von zwei engagierten Mitarbeitern gewährleistet. Islahiye ist ein Vorort der Millionen-Metropole Gaziantep und einer der vielen Orte, die am 6. Februar zu einem großen Teil zerstört wurden.

Langfristige Hilfe nötig

Baris Yilmaz, ebenfalls Vorstandsmitglied des Freundeskreises, bilanziert: „Die Hilfe aus Ludwigshafen war spontan und großzügig. Wir wussten aber gleich, dass wir langfristig Hilfe leisten werden. Unterstützung ist weiterhin notwendig. Je weiter man sich aus den großen Städten entfernt, desto deutlicher sind die Schäden, die das Erdbeben verursacht hat. Viele Menschen werden auf lange Zeit in Notbehausungen untergebracht sein.“

Die Welle der Hilfsbereitschaft in der Pfalz war groß und ging weit über Ludwigshafen hinaus: Unternehmen, Schulen und viele Privatpersonen spendeten. Freundeskreis-Vorsitzender Daumann dankt allen, die sich beteiligt haben. Auch die Unterstützung durch die Ludwigshafener Stadtverwaltung habe geholfen.

Geholfen wurde mit dem Geld auch bei der medizinischen Versorgung von Erdbebenopfern in den schwer getroffenen Grenzgebieten auf der syrischen Seite. Das Bürgerkriegsland liegt ganz in der Nähe von Gaziantep. „Syrien ist kaum 50 Kilometer von Gaziantep entfernt, und wir haben in Ludwigshafen immer wieder Spenden erhalten mit der klaren Bitte, die Opfer in Syrien nicht zu vergessen“, berichtet Daumann.

Neues Beben vor zwei Wochen

Wie weit weg die Lage im Katastrophengebiet noch weg ist von Normalität, zeigte sich erst vor zwei Wochen: Am 13. Dezember hat ein weiteres Erdbeben der Stärke 3,9 den Vorort Islahiye der Metropole Gaziantep erschüttert. Ibrahim Yetkin, der bei einem Besuch im August in Gaziantep ein Nachbeben miterlebt hat, meint: „Das reicht, um den Menschen einen gehörigen Schrecken einzujagen.“ Für den Freundeskreis ist klar, dass die Hilfsaktion auch im kommenden Jahr fortgesetzt wird. Ein wichtiger „Nebeneffekt“: Die Städtepartnerschaft wurde durch die Katastrophenhilfe neu belebt. „Aus den Projekten haben sich neue Kontakte in die Partnerstadt ergeben, die der Verein vertiefen möchte“, kündigt Freundeskreis-Vorsitzender Daumann an.

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