Ludwigshafen
Heinigstraße: Ohne Radspur weniger Staus?
Die Feinstaubbelastung durch den Autoverkehr ist in allen deutschen Innenstädten ein großes Thema – ein kontrovers diskutiertes obendrein, auch in Ludwigshafen. Die zentrale Heinigstraße ist eine der am meisten befahrenen Straßen in der Innenstadt. Hier checkt eine von insgesamt stadtweit drei Luftmessstationen die Grenzwerte. Vor mehreren Jahren bestand die Gefahr, dass sie überschritten werden. Daher reagierte die Stadt.
Noch unter dem damaligen Baudezernenten Klaus Dillinger (CDU) wurde der Heinigstraße im November 2018 in Richtung Süden bis zur Kaiser-Wilhelm-Straße eine Spur abgezwackt und zum Radweg umfunktioniert – um Radlern eine sichere Fahrt durch die City zu ermöglichen. Aber natürlich vor allem, um den Pkw-Verkehr einzudämmen, die Stickoxidbelastung zu senken und Diesel-Fahrverbote zu vermeiden. Bereits ab Oktober wurde ein Teil des Verkehrs mithilfe einer entsprechenden Beschilderung via Lorientallee geleitet.
CDU: Kollaps verhindern
Die CDU im Ortsbeirat Südliche Innenstadt forderte nun in der Sitzung am Dienstagabend von der Stadtverwaltung, die Radspur zumindest während der Bauphase in der benachbarten Lorientallee zugunsten einer zweiten Autospur wieder aufzuheben, um einem drohenden Verkehrskollaps entgegenzuwirken. Mit 10:5 Stimmen wurde der Antrag letztlich gebilligt – nach einer sehr engagierten Debatte. Die Verkehrssituation vor Ort sei „chaotisch“, argumentierte Ortsvorsteher Christoph Heller (CDU). „Es überrascht mich, dass es dort noch nicht geknallt hat“, sagte er.
Wegen des Rathausabrisses, der vorbereitenden Arbeiten für die Helmut-Kohl-Allee und daraus resultierenden Sperrungen ist die Verkehrssituation vor Ort tatsächlich knifflig. Speziell im Berufsverkehr bilden sich an der Ampelkreuzung Staus: stadtein- wie stadtauswärts. Wegen dortiger Bauarbeiten fällt die Lorientallee als Ausweichroute aus. Auf Höhe der Aral-Tankstelle treffen daher gleich aus mehreren Richtungen Verkehre aufeinander. Hinzu kommen die auf das Tankstellengelände ein- und ausfahrenden Pkw sowie einige Ampelanalgen im direkten Umfeld.
„Es kommen Autos von allen Seiten“
Von der temporären Aufhebung des aus ihrer Sicht kaum genutzten Radwegs erhofft sich die CDU, dass der Verkehr in und um die Heinigstraße leichter und schneller abfließt. Das verringere auch die Abgasbelastung, die durch die Bauarbeiten ringsum ohnehin hoch sei. Unterstützung erhielt die Union von Margot Steeger (SPD). Als Anwohnerin am Danziger Platz erlebe sie die Situation direkt vor ihrer Haustür. „Es kommen Autos von allen Seiten. Es gibt kaum ein Durchkommen und täglich Staus. Ich kann kein Fenster mehr offen stehen lassen. Man bräuchte einen Hubschrauber, um senkrecht starten und landen zu können. Das überlebe ich nicht mehr lange. Wenn sich nichts ändert, ziehe ich weg“, schilderte sie ziemlich drastisch ihre Erfahrungen.
Grüne und FWG dagegen
Die Stadtverwaltung argumentierte in einer ersten Stellungnahme, dass sich die Situation wohl mit der nahenden Urlaubszeit sowieso etwas entspanne und sich der Umfang der Bauarbeiten ab Oktober zudem reduziere. Eine kurzfristige Aufhebung der Radspur sei daher nicht vorgesehen.
Gegen die Aufhebung der Radspur sprach sich auch Heike Heß (Grüne) aus. Vielmehr sollten Autofahrer energischer als bisher davon überzeugt werden, aufs Rad umzusteigen. Ein Comeback einer zweispurigen Heinigstraße berge zudem die Gefahr, dass die Feinstaubbelastung wieder steige, die Deutsche Umwelthilfe daraufhin aktiv werde und die komplette Innenstadt für den Pkw-Verkehr sperre, meinte Jens Brückner (FWG), der ebenfalls mit Nein votierte. „Das wäre ein Schuss nach hinten.“
Appell: Baustellenmanagement verbessern
Beatrice Wiesner (SPD) sagte, man dürfe die Sicherheit der Radfahrer nicht aus den Augen verlieren, für die das Risiko ohne eigene Spur steige. Andererseits sei die Verkehrssituation vor Ort extrem schwierig. Insofern sei eine Aufhebung der Radspur ein guter Kompromiss – sofern diese tatsächlich bis Oktober begrenzt und keine Dauerlösung sei. Die Stadtverwaltung soll den Vorschlag des Ortsbeirats prüfen. Diesen verband er mit einem Appell, das Baustellenmanagement in der Innenstadt zu verbessern.
