Ludwigshafen
Helmut-Kohl-Allee bleibt umstritten: Was für und was gegen die geplante Stadtstraße spricht
Die Beschlüsse sind längst getroffen, vorbereitende Bauarbeiten laufen: Die Meinungen über die künftige Helmut-Kohl-Allee gehen trotzdem weiter auseinander. Während Baudezernent Alexander Thewalt (parteilos) vor allem die Chancen für die Stadtentwicklung hervorhebt, sieht die Bürgerinitiative (BI) Lebenswertes Ludwigshafen vor allem eine auf Jahre hinaus vergebene Chance.
Die radikalste Ansicht bei der BI-Podiumsdiskussion vergangene Woche vertrat Carmen Fontagnier: „Unnötig, braucht man nicht. Weg damit“, fasste die Vertreterin der Mannheimer Ortsgruppe Fuß (für die Interessen aller Gehwegnutzer) ihre Ansicht zur bis zu achtspurigen Stadtstraße zusammen. Denn auch nach dem Abriss der Hochstraße Nord (B44) sei kein zukunftszugewandtes Verkehrskonzept erkennbar. Zumindest nicht nach ihren Maßstäben: „Ich kann nichts Wesentliches dazu beitragen, was man besser machen könnte. Ich kann mich nur dagegenstellen.“
„Viel zu teuer“
Auch BI-Sprecher Till Gerlach sieht die 865 Millionen Euro teure Kohl-Allee kritisch: „Sie ist viel zu teuer, lediglich ein Ersatz für die Hochstraße Nord und damit ein weiteres Signal für eine autogerechte und nicht für eine lebenswerte Stadt.“ Zudem werde durch die Stadtstraße die Lebensqualität in Ludwigshafen weiter verschlechtert. „Wir bauen diese Straße in erster Linie für die Pendler.“
„Gegen diesen Wahnwitz“
Auch deshalb haben er und seine Mitstreiter Unterschriften gegen die Planungen gesammelt. Über 3000 Menschen hatten damit ihre Ablehnung signalisiert – fertig abgepackt, vermutlich für die Lagerung im Stadtarchiv. Doch die BI verfolgt auch ein moralisches Ziel: „Wir wollen dokumentieren, dass es Menschen gab, die gegen diesen Wahnwitz waren.“
Bei der Diskussion im Verdi-Haus gab es aber auch Gemeinsamkeiten. So herrschte Einigkeit darüber, dass die Verkehrswende nur mit einem attraktiven Angebot des Nahverkehrs zu stemmen sei. Dafür biete der Umbau Chancen, so Thewalt. Boris von Krueger von der Rhein-Neckar-Verkehrsgesellschaft (RNV) zufolge könnten mit der Kohl-Allee Verbindungen verdichtet werden und auch komplett neue Linien die Metropolregion noch enger zusammenbringen. Unter anderem ist die Verlängerung des Schienennetzes bis zur Pfingstweide und sogar Frankenthal geplant, in der anderen Richtung bis Gartenstadt, Maudach, Mutterstadt oder Neuhofen. „Teilweise handelt es sich sogar um komplette Neubauten.“ Chancen, die durch den Umbau entstehen würden.
Dem wollte Gerlach nicht folgen. „Es gehört zur Ehrlichkeit dazu, zu sagen, dass wir Straßenbahnlinien ins Umland oder Pendlerradwege nicht bauen können, weil das Geld nicht da ist, wenn eine Milliarde Euro in die Allee fließen.“ Zu den RNV-Plänen meinte er: „Über eine Umsetzung würden wir uns freuen, wir begleiten diese Planungen positiv.“ Von Krueger stellte sogar in Aussicht: „Wenn wir tatsächlich sehen, dass die Straße überdimensioniert ist, können wir eventuell eine Straßenbahnspur mehr machen“, meinte er gegen Ende der gut zweistündigen Veranstaltung. Bis Anfang der 2030er-Jahre soll die 860 Meter lange Stadtstraße fertig sein.