Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Großeinsatz in Arbeitsagentur: Ursachensuche nach falschem Amok-Alarm

Die Polizei sperrt die Berliner Straße weiträumig ab.
Die Polizei sperrt die Berliner Straße weiträumig ab.

Große Aufregung am Vormittag in der Ludwigshafener Innenstadt: 150 Mitarbeiter müssen ihre Büros verlassen, schwer bewaffnete Polizeikräfte durchsuchen das Gebäude.

„Ich weiß nicht, was los ist. Ich habe eigentlich um 11 Uhr einen Termin. Aber sie lassen mich nicht rein.“ So wie der jungen Frau geht es am Dienstagvormittag einigen Kunden der Ludwigshafener Agentur für Arbeit. Sie stehen einen Steinwurf von dem Gebäude in der Innenstadt entfernt. Die Menschen finden sich in kleinen Gruppen zusammen und beobachten mit großen Augen, was sich da auf der Straße abspielt. Mindestens ein Dutzend Polizeiautos, Feuerwehr, Rettungskräfte, zum Teil vermummte und mit Maschinenpistolen bewaffnete Spezialkräfte – in der Berliner Straße herrscht absoluter Ausnahmezustand. Gegen 10 Uhr ist im Gebäude ein Amok-Alarm ausgelöst worden – ein Fehlalarm, wie sich etwa zwei Stunden später herausstellen sollte.

Zunächst ist die Lage völlig unklar. Der Bereich um das Gebäude ist weiträumig abgesperrt. Streifenwagen blockieren die Straße. „Sollen wir evakuieren, ja oder nein?“, fragt ein vermummter Beamter mit Handy am Ohr. Und die Ansage ist klar: Ja, genau das sollen er und seine Kollegen tun. Etage für Etage durchsuchen die schwer bewaffneten Polizeikräfte die Büros und bringen die Mitarbeiter nach draußen. Die Beamten fordern diese auf, sich am kaum 200 Meter entfernten Theaterplatz zu versammeln. Einer der Mitarbeiter, der sich mit einer Gruppe schon am Pfalzbau eingefunden hat, telefoniert mit einem Kollegen, der noch im Gebäude ist. „Bleib’ in deinem Büro. Polizisten kommen dich holen“, sagt er ihm.

Wie wird ein Amok-Alarm ausgelöst?

Was aber ist gegen 10 Uhr geschehen und wie wird solch ein Amok-Alarm im Fall der Fälle ausgelöst? Wenn sich ein Mitarbeiter in einem Kundengespräch bedroht fühlt, klickt er am Desktop seines Rechners auf einen Notfall-Button. Alle Kollegen bekommen dann automatisch die Information über den Amok-Alarm. Erstes Gebot: Ruhe bewahren. Als Nächstes sollen sich alle in ihren Büros einschließen und auf die Polizei warten. So beschreibt ein Mitarbeiter den Ablauf. „Ich bin etwa 30 Minuten in meinem verschlossenen Büro geblieben, bis Polizisten mich auf meinem Stockwerk zuerst zu einer gesicherten Sammelstelle und dann übers Treppenhaus nach draußen gebracht haben“, erzählt er.

Polizisten mit Maschinenpistolen sind im Einsatz.
Polizisten mit Maschinenpistolen sind im Einsatz.

Wie eine Sprecherin der Arbeitsagentur informiert, werden solche Szenarien regelmäßig geübt. Zuletzt sei solch ein Amok-Alarm am 14. Oktober dieses Jahres simuliert worden. Darüber sei damals nicht nur die Polizei, sondern seien auch sämtliche Mitarbeiter der Agentur für Arbeit und jene des Jobcenters über die Aktion eingeweiht gewesen. Bei solch einer Übung werden die Abläufe für den Fall eines echten Amoklaufs zu einstudiert – vom Auslösen des digitalen Alarms bis zum Stillhalten der Mitarbeiter in ihren Büros.

Polizei äußert sich am Mittag

Am Dienstagvormittag seien etwa 150 Mitarbeiter aus dem Gebäude gebracht worden. Es sei davon auszugehen, dass auch Kunden, die Termine hatten, die Arbeitsagentur verlassen mussten. Als schon vor der Mittagszeit die schwer bewaffneten Beamten wieder in ihre zivilen Fahrzeuge steigen und davonfahren, deutet bereits vieles darauf hin: Es handelt sich um einen Fehlalarm. „Wir gehen von einem technischen Defekt aus“, sagt die Sprecherin der Arbeitsagentur, „unsere IT-Abteilung muss jetzt recherchieren, was da technisch schief gelaufen ist.“ Was den weiteren Angaben zufolge recht schnell feststeht: Keiner der Mitarbeiter hat den Amok-Alarm ausgelöst. Bei der Polizei greift nach der Alarmierung ein routinemäßiges Einsatzkonzept für solche Gefahrenlagen. Schnell ist ein Großaufgebot vor Ort.

Der Einsatz dauert den ganzen Vormittag.
Der Einsatz dauert den ganzen Vormittag.

Die Polizei gibt kurz nach 12 Uhr offiziell Entwarnung. Zu diesem Zeitpunkt ist die Durchsuchung des gesamten Gebäudes einschließlich des Kellers abgeschlossen. Es gebe keine Hinweise auf eine tatsächliche Amok- oder sonstige Gefahrenlage, heißt es aus dem Polizeipräsidium. Wie der Amok-Alarm ausgelöst worden sei, sei noch nicht abschließend geklärt. Die bisherigen Ermittlungen bestätigen das, was bereits die Sprecherin der Arbeitsagentur mitgeteilt hat: Vermutet werde ein technischer Defekt als Ursache.

Arbeitsagentur bleibt ganzen Tag geschlossen

Die zwischenzeitlich auf dem Theaterplatz versammelten Mitarbeiter können am Nachmittag nach und nach wieder an ihre Arbeitsplätze zurückkehren. Laut der Sprecherin der Arbeitsagentur fallen nach der Aufregung an dem Tag aber alle geplanten Kundentermine aus – sowohl bei der Agentur für Arbeit als auch beim 100 Meter entfernten Jobcenter. „Wir werden uns mit den Leuten in Verbindung setzen. Ab Mittwoch soll der Betrieb wieder normal laufen“, sagt sie.

Die Mitarbeiter der Arbeitsagentur müssen das Gebäude verlassen. Am Theaterplatz ist eine Sammelstelle eingerichtet.
Die Mitarbeiter der Arbeitsagentur müssen das Gebäude verlassen. Am Theaterplatz ist eine Sammelstelle eingerichtet.

Einen größeren Polizeieinsatz hat es wenige Stunden vor dem Ludwigshafener Fehlalarm auch in Neustadt gegeben. An einem dortigen Gymnasium sorgte eine Amokdrohung für Aufregung, der Unterricht wurde vorzeitig beendet. Doch auch hier kehrte rasch wieder Ruhe ein.

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