Ludwigshafen Ludwigshafen: Arbeitsagentur übt Amok-Alarm

Anruf bei der Polizei: Daniel Lips (rechts) teilt mit, dass der Amokalarm ausgelöst ist.
Anruf bei der Polizei: Daniel Lips (rechts) teilt mit, dass der Amokalarm ausgelöst ist.

In der Agentur für Arbeit in der Berliner Straße hat es am Mittwoch einen Amokalarm gegeben. Kunden waren zu dieser Stunde nicht im Haus, die Mitarbeiter konnten sich sämtlich in ihren Büros einschließen.

Der Alarm ploppte ziemlich genau um 14 Uhr auf den PC-Monitoren der Arbeitsagentur-Mitarbeiter auf. Ausgelöst hatte ihn Daniel Lips, der Vorsitzende der Geschäftsführung. In allen sechs Stockwerken wie auch im Keller des Arbeitsamts in der Berliner Straße im Stadtteil Mitte verschlossen die Mitarbeiter daraufhin von innen ihre Bürotüren, manche krochen unter die Schreibtische oder suchten sich Ecken, die auch von den Fenstern aus nicht einsehbar sind. Derweil wählte Lips nun den Notruf der Polizei. „Wir haben den Alarm ausgelöst“, sagte er mit ruhiger Stimme in den Hörer. Aus den Lautsprechern der Telefonanlage, die auf Laut gestellt war, antwortete der Beamte: „Ja, wir sind informiert. Ist mein Kollege vor Ort?“ „Ja, der steht neben mir“, sagte Lips. Der Kollege, Markus Schmitt von der Polizeiinspektion 1, versicherte nun, dass alles wie geplant laufe. Bei einem Probealarm ist das aber auch wahrscheinlich entschieden einfacher als im Ernstfall.

Abläufe üben

Natürlich waren nicht nur die Polizei, sondern auch sämtliche Mitarbeiter der Agentur für Arbeit und jene des Jobcenters, die in dem Gebäude in der Berliner Straße untergebracht sind, vorab über die Aktion informiert. Dabei ging es laut Lips darum, die Abläufe für den Fall eines echten Amoklaufs zu üben, vom Auslösen des digitalen Alarms bis zum Stillhalten der Mitarbeiter in ihren Büros. Hintergrund der Übung war ein Fehlalarm am 18. Oktober vergangenen Jahres bei der Agentur für Arbeit Ludwigshafen. Damals habe, was das Verhalten in einem solchen Fall angehe, manches nicht so gut geklappt, erläuterte der Vorsitzende der Geschäftsführung wenige Minuten, bevor er dem Alarm auslöste. Nicht zuletzt hätten sich Mitarbeiter falsch verhalten.

Mittwochs ohne Kunden

Lebensbedrohende Situationen oder Drohungen gab es in der Vergangenheit immer wieder bei Arbeitsämtern in Deutschland. Im Juni 2014 sorgte etwa ein bewaffneter Mann im bayerischen Pfarrkirchen für Angst und Schrecken, zwei Jahre zuvor hatte ein 52-Jähriger in Neuss seine Jobcenter-Sachbearbeiterin erstochen. Und in Ludwigshafen sorgte Anfang 2016 eine Bombendrohung dafür, dass die Agentur für Arbeit wie auch das Jobcenter für Stunden evakuiert wurden. Gefunden wurden damals nichts. Für die Probe an einem Mittwochnachmittag hat man sich in der Arbeitsagentur entschieden, weil diese da für Kunden prinzipiell geschlossen ist. Und für eine Übung ohne Kundenverkehr habe man sich entschlossen, weil die Gefahr doch zu groß gewesen wäre, dass einer etwas über die Sozialen Netzwerke rausgibt, was andere falsch hätten interpretieren könnten, erklärte Polizist Schmitt. Und eine Panik außerhalb des Hauses habe man ausschließen wollen.

"Schlecht"

Unmittelbar nachdem der Alarm ausgelöst war, kontrollierten Mitarbeiter auf allen Stockwerken, ob die Kollegen sich der Situation angemessen verhalten. Sie prüften etwa, ob die Alarmeinrichtungen funktioniert haben, die Bürotüren abgeschlossen wurden und die Eingeschlossenen sich still verhielten. Tatsächlich war es für eine Weile gespenstisch ruhig auf den Fluren der Agentur. Dann ertönte ein lauter Gong und die Durchsage, dass die Übung beendet sei. Bei der abschließenden Besprechung konnten die Stockwerk-Kontrolleure Lips mitteilen, dass soweit alles gut gelaufen sei. Die Türen seien überall abgeschlossen gewesen, hier und da sei allerdings Geflüster zu hören gewesen. Und mancher Mitarbeiter habe sich im Büro auch nicht so gut versteckt, als dass er durch die Fenster nicht doch zu sehen gewesen wäre. Auf das Anklopfen der Kontrolleure hätten die meisten – korrekterweise – nicht reagiert. Einmal aber sei die Tür doch aufgeschlossen worden. „Schlecht“, meinte Lips dazu. Bei einer Sitzung im Mai sollen die Erkenntnisse aus der Übung weiter aufgearbeitet werden.

Rundgang durch die Flure: Bastian Syring kontrolliert, ob die Kollegen die Türen fest verschlossen haben.
Rundgang durch die Flure: Bastian Syring kontrolliert, ob die Kollegen die Türen fest verschlossen haben.
x