Tour de Lu (4)
Gemütlich übers Feld und an Weihern entlang
Wilma, die Wildbiene, und Schorsch, die Spitzmaus, sollen sich irgendwo im Naherholungsgebiet Willersinn und in der Roßlache tummeln, glaubt man den Tafeln des ökologischen Infopfads der BASF. Trotz intensiver Suche auf meinem rund 3,7 Kilometer langen Spaziergang kann ich sie weder im Insektenhotel noch im extra errichteten Totholzhaufen finden. Vielleicht ist den beiden an diesem Samstagnachmittag einfach zu viel los und sie genießen fernab von Spaziergängern, Walkern und Radlern ihre Ruhe.
Nach vielen Jahren der Planungen und Diskussionen soll die Roßlache demnächst als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen werden. Jede Menge Insekten, Vögel und andere Tiere haben sich dort mittlerweile häuslich eingerichtet. In kaum einer Ecke von Ludwigshafen prallen die Gegensätze von Industrie und Natur so aufeinander wie in der Roßlache. Weiher reiht sich hier an Weiher, Acker an Acker – mit freiem Blick auf die BASF.
Start am Bremmenweg
Meinen Spaziergang starte ich am Bremmenweg zwischen Begüten- und Willersinnweiher. Rechts und links des Weges glitzern die Weiher in der nachmittäglichen Sonne, als würden sie aus Abermillionen Diamanten bestehen. Kleine Anglerboote liegen angekettet am Ufer des Begütenweihers. Die Türen am gegenüberliegenden Vereinsgelände des WSV Ludwigshafen sind fest verschlossen. Auch das dazugehörige Restaurant, das im Sommer einen wunderbaren Blick auf den Willersinnweiher gewährt, ist zu. Kein Salat „Mare“ mit dreierlei Sorten Fisch, kein kross gebratenes Cordon Bleu, keine kühle Weißherbstschorle. Ich bin zuversichtlich, dass wieder bessere Zeiten kommen und schlendere gemächlich um den größten See des gleichnamigen Naherholungsgebiets weiter.
Ein paar Meter später traue ich meinen Augen nicht. Ein Paraglider mitten auf einer großen Wiese. Ist er etwa gerade gelandet? Wo aber ist er gestartet? Einen Hang sucht man hier vergeblich, einen Motor hat er auch nicht dabei. Ich erblicke ein Fahrrad und einen Anhänger. Aha, er übt also nur für zukünftige große Sprünge. In voller Montur zieht er mit seinem orange-blau-weißen Schirm die Blicke der Vorbeiflanierenden auf sich.
Kreuz erinnert an Pfarrer Schaller
Auf den Feldern zeigt sich erstes Grün. Jetzt im April präsentiert sich die Natur von ihrer schönsten Seite, erwacht aus ihrem Winterschlaf. Die Skyline der BASF begleitet mich, in der Ferne entdecke ich die ersten Häuser von Oppau. Ich verweile ein paar Minuten am Feldkreuz, das der Oppauer Pfarrer Johannes Schaller anlässlich seines 40-jährigen Priesterjubiläums gespendet hat. Ein Strauß blühender Margeriten in einer Vase am Fuße des Kreuzes bildet einen wunderbar lebendigen Kontrast zu dem Sandsteinkreuz. Die Laterne mit weihnachtlichen Motiven daneben hat bereits Patina angesetzt.
Ich biege nach dem Kreuz links ab, folge dem ökologischen Infopfad in Richtung Melm. Eine Elster tapst übers Feld und begleitet mich ein Stück des Weges bis zur Mittelpartstraße. Zwei Radfahrer kommen mir entgegen. Hier verläuft die Kurpfalzachse, eine rund 226 Kilometer lange Fahrradroute, die von West nach Ost, von Lambrecht bis Osterburken, durch die Metropolregion Rhein-Neckar verläuft.
Hier wird Honig gemacht
Noch einmal biege ich links ab, befinde mich nun in der Mittelpartstraße und laufe parallel zur Melm. Inmitten von Sträuchern erblicke ich einen Bienenstand, daneben das Schild „Honig aus eigener Imkerei“. Wilma, die Wildbiene, ist dort garantiert nicht zu Hause, denn auf dem ökologischen Infopfad habe ich gelernt, dass die Wildbiene im Gegensatz zur Honigbiene ein Leben als Einzelgängerin bevorzugt und auch nicht in einem Bienenstock lebt, sondern beispielsweise in Hecken oder Altholz nistet. Mehr als 560 Arten gibt es allein in Deutschland.
Zwischen dem Neubaugebiet Melm und den Feldern nähere ich mich dem Begütenweiher. Als Orientierungspunkt dienen mir die vier Hochhäuser der Froschlache, die 1966 erbaut wurden und mit 21 Stockwerken damals die höchsten Wohnhäuser der Stadt waren und auch heute noch imposant gen Himmel ragen. Ich biege links ab, entdecke ein paar hundert Meter vor dem Ziel auf einer kleinen Anhöhe zwischen Begüten- und Großpartweiher eine Figur aus Eisen, ziemlich verrostet und nicht mehr ganz taufrisch. Vielleicht eine Vogelscheuche? Bei meinen Recherchen zu der sitzenden, winkenden Skulptur, die offensichtlich schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat, lande ich auf der von Norbert Hufler betriebenen Website kunstinlu.de.
Anonyme Kunst
Dort sind so ziemlich alle öffentlichen Kunstwerke, die es in Ludwigshafen zu bestaunen gibt, aufgeführt. Doch wer die Skulptur im Naherholungsgebiet Willersinn platziert hat, ist nicht bekannt. „Anonymes Kunstwerk, von Unbekannten aufgestellt, wohl Ende der 1980er Jahre, von der Stadt toleriert“, schreibt Hufler auf seiner Seite. Ein paar Meter weiter: das Baggerhäusel, das geschlossen und mittlerweile ziemlich in die Jahre gekommen ist. Rost, abblätternde Farbe am blauen Eingangstor, Unkraut, Laub – das „Baggerhäusel“ versprüht den Charme eines „Lost Places“. Ich erreiche nach 3,7 Kilometer mein Ziel. Ein kurzweiliger Spaziergang endet.
Die Touren