Tour de Lu (2) RHEINPFALZ Plus Artikel Einsame Pfade und viele Tiere

Weiter Blick auf Edigheim.
Weiter Blick auf Edigheim.

Spazierengehen ist in Corona-Zeiten angesagter denn je. Eine gute Möglichkeit, um sich mit Familie oder Freunden an der frischen Luft zu treffen. Wir haben uns auf die Socken gemacht und geben Tipps für schöne Routen in Ludwigshafen. Heute starten wird in Edigheim.

So viel Einsamkeit hätte ich bei meinem Spaziergang zwischen Edigheim und Frankenthal nicht erwartet. Zwei Joggerinnen, ein paar Radfahrer, eine Handvoll Spaziergänger – mehr Menschen sind an diesem frühen Samstagabend nicht unterwegs. Dafür jede Menge Getier. Beim Start an der über 200 Jahre alten, denkmalgeschützten Bocksbrücke kreuzen direkt zwei Biberratten meinen Weg. Zunächst bleiben sie noch sitzen, lassen sich nicht stören, ehe das Pärchen plötzlich wie auf Kommando auf Nimmerwiedersehen im Schilf verschwindet.

Die beiden Nutrias werden beileibe nicht die einzigen Tiere bleiben, die ich auf der knapp sechs Kilometer langen Strecke entdecke. Feldhasen genießen die Abendstimmung auf den Feldern, springen munter umher. Waren es fünf, sechs oder sogar mehr? Ich habe aufgehört, zu zählen. Parallel zum Altrheingraben geht es zunächst rund einen Kilometer in Richtung Norden. In diesem Bereich hat sich in den letzten Jahren einiges getan. Nachdem in den 1960er Jahren mit dem Ausbau des Grabens der natürliche Verlauf zerstört wurde und auch die Wasserqualität gelitten hat, entschlossen sich die Städte Ludwigshafen und Frankenthal für die Renaturierung des Altrheingrabens. Eine Tafel weist aktuell auf den zweiten Bauabschnitt hin.

Isenach 36 Kilometer lang

Auf der linken Seite reiht sich ein Acker an den nächsten. Inmitten von Bewässerungsrohren genießen erste zarte Pflänzchen die letzten Sonnenstrahlen. Vorbei an den Sportplätzen und der Integrierten Gesamtschule Edigheim führt die Strecke über eine kleine Brücke. Weiter geht es in Richtung Norden. Der Altrheingraben liegt nun etwas versteckt auf der linken Seite. Nach zweieinhalb Kilometer erreiche ich erneut eine Brücke, die über die Isenach führt.

36 Kilometer fließt der Fluss quer durch die Pfalz. Die Isenach entspringt in der Nähe von Carlsberg-Hertlingshausen und mündet bei Worms in den Rhein. Mittlerweile bin ich auf Frankenthaler Gemarkung angekommen. Vorbei an der Schrebergartenanlage am Sauweideweg und an der Rückseite des Strandbads Frankenthal führt der Weg über teilweise recht enge, zugewachsene Pfade weiter an der Isenach entlang. Der Monte Scherbelino rückt ins Blickfeld. Nein, gemeint ist nicht der Monte im Maudacher Bruch, der ja eigentlich Michaelsberg heißt, sondern der Monte Scherbelino von Frankenthal. Doch beide haben einige Gemeinsamkeiten: Wie der Name schon sagt, sind sie aus ehemaligen Müll- und Schuttdeponien entstanden. Beide sind sie die höchsten Erhebungen der Nachbarstädte. Sie erfreuen sich großer Beliebtheit bei Joggern, Spaziergängern und Wanderern und bieten bei gutem Wetter einen fantastischen 360 Grad-Panoramablick. Ein Abstecher nach oben lohnt auf alle Fälle.

Graureiher gesichtet

Ich lege eine Pause am Fuße des Frankenthaler Monte Scherbelinos ein und betrachte das Geschehen entlang der Isenach. Ein paar Wasservögel dribbeln mit ihren zarten, zerbrechlich wirkenden Beinchen munter umher. Da – ein Graureiher! Schon lange habe ich keinen mehr gesehen.

Weiter geht’s durch das Naturschutzgebiet „Kleiner Wald“, in dem viele seltene Pflanzen- und Tierarten zu Hause sind. Vorbei am Tiergehege Frankenthal, in dem ein paar Schafe und Ziegen faul unter den Bäumen liegen oder genüsslich an der Futterraufe stehen und vor sich hin kauen, führt die Strecke weiter gen Süden. Ein Fasan kreuzt meinen Weg. Erneut passiere ich eine Brücke über die Isenach. Rechts und links Felder, soweit das Auge reicht. Ein Bussard fliegt verdächtig oft über einen der Äcker. Vermutlich hat er eine Maus entdeckt, die ich allerdings mit bloßem Auge nicht sehen kann.

Pittoresker Pavillon

Dafür rückt ein eingezäuntes Gelände in den Blick: Die Erich-Putz-Anlage auf einem ehemaligen Gelände der Stadtwerke Frankenthal. Mittendrin auf dem 41.000 Quadratmeter großen Gelände: der Ranney-Brunnen, ein Horizontal-Filterbrunnen, mit seinem pittoresken Pavillon. Dort leben mittlerweile zahlreiche Tiere in einem geschützten Raum. Über eine schön bewachsene Allee nähere ich mich meinem Ziel, der Bocksbrücke. Ich blicke auf die untergehende Sonne, lausche den Kirchenglocken in der Ferne und genieße die Stille.

Durch Feld und Flur: Spaziergängerin Saskia Helfenfinger-Jeck.
Durch Feld und Flur: Spaziergängerin Saskia Helfenfinger-Jeck.
Historisch: die über 200 Jahre alte Bocksbrücke.
Historisch: die über 200 Jahre alte Bocksbrücke.
Idyllisch: die Isenach.
Idyllisch: die Isenach.
Allee zum Wasserwerk .
Allee zum Wasserwerk .
Sonnenuntergang am Altrheingraben.
Sonnenuntergang am Altrheingraben.
Zwei Nutrias kreuzen den Feldweg.
Zwei Nutrias kreuzen den Feldweg.
ludspazieredigheim
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