Tour de LU (1) RHEINPFALZ Plus Artikel Tipps für einen Spaziergang im Ludwigshafener Norden

Der alte Frankenthaler Kanal führte einst zum Rhein.
Der alte Frankenthaler Kanal führte einst zum Rhein.

Spazierengehen ist in Corona-Zeiten angesagter denn je. Eine gute Möglichkeit, um sich mit Familie oder Freunden an der frischen Luft zu treffen. Wir haben uns auf die Socken gemacht und geben Tipps für schöne Routen in Ludwigshafen. Heute starten wir in der Pfingstweide.

Zugegeben, ich bin seit über vier Jahrzehnten in Ludwigshafen heimisch, doch in die nördlichen Stadtteile Ludwigshafens bin ich privat bisher eher selten gekommen. Das soll sich nun ändern. Dass die Pfingstweide für Erholungssuchende einiges zu bieten hat, wird mir auf meinem etwas mehr als fünf Kilometer langen Spaziergang am Samstag schnell klar: Historisches, Landwirtschaft, Industrie, Pfälzer Gemütlichkeit, Strandfeeling, ein bisschen Jakobsweg und Wildwest-Atmosphäre.

Als Startpunkt wähle ich die Jugendfarm Pfingstweide, seit über 40 Jahren ein Paradies für Kinder. In unmittelbarer Nachbarschaft: der Kleingartenbauverein Nachtweide, über dessen Zaun hinweg ich einen Blick werfe. Das eine oder andere Deutschland-Fähnchen weht in sanftem Morgenwind. Schneeglöckchen am Wegesrand zeugen davon, dass der Frühling vor der Tür steht. Nach rund 300 Metern folgt ein erster Abzweig nach rechts, weitere 200 Meter geht es erneut rechts ab. Linker Hand liegt das Gewerbegebiet Nachtweide. Direkt werden alte Erinnerungen wach, als es dort noch das Restaurant mit den legendär großen Schnitzeln und den extra großen Truckerportionen gab. Nach einer nächtlichen Tour gab es seinerzeit nichts Besseres, als dort einzukehren und am späten Abend oder manchmal auch frühen Morgen den leeren Magen mit Deftigem zu füllen.

Reste des Frankenthaler Kanals

Unter der L 523/„Am Hansenbusch“ hindurch und dann hoch hinaus geht es, ehe das Reststück des Frankenthaler Kanals in den Blick rückt. Der dortige Info-Pavillon hat wahrlich schon mal bessere Zeiten erlebt. Unrat, unschöne Graffiti-Sprayereien, nicht mehr vorhandene Tafeln, das stimmt in diesem Moment traurig. Von oben betrachtet wirkt das Teilstück auf dem Areal in unmittelbarer Nähe zum Tor 15 der BASF wie ein Knochen. Die Überreste des Ende des 18. Jahrhunderts gebauten Kanals werden heute als Grünfläche und Rückhaltebecken genutzt. Von der ehemaligen Schleuse sind wenige Reste noch erkennbar.

Der Frankenthaler Kanal war vier Kilometer lang und diente als Verbindung zwischen Frankenthal und dem Rhein. Einen echten Knochenjob verrichteten die Treidler, die mit ihrer eigenen Körperkraft die Schiffe entgegen der Strömung zogen. Letztmals befuhr 1944 ein Schiff den Kanal, Ende des Zweiten Weltkriegs wurde er teilweise zerstört.

Vorbei an Cowboys zum Rhein

Nach so viel Geschichte geht es weiter, vorbei am Kombi-Terminal, parallel zum Landeshafen Nord, bis zur Straße „Am Hansenbusch“. Von hier aus führt der Weg direkt runter an den Rhein, unter anderem vorbei am Revier der Old-West-Pioneers, die sich hier ein Wild-West-Refugium aufgebaut haben und als Indianer, Cowboys und Trapper ihrem Hobby frönen. Doch ich biege wieder ab in den Muldenweg. Wer nach zweieinhalb Kilometer eine Pause einlegen möchte, kann (wenn nicht gerade eine Pandemie herrscht) wahlweise im Balkan-Grill oder in der Hütte des Pfälzerwaldvereins Oppau-Edigheim einkehren und sich lukullischen Genüssen hingeben: Pljeskavica (serbisches Hackfleischgericht), Cevapcici, „Schiefer Sack“ (für Nicht-Pfälzer: eine Bratwurst, ein Leberknödel) oder Hüttenplotzer (Butterbrot mit weißem- und Handkäse), da würde sich ein Abstecher lohnen.

Der Magen knurrt wein wenig. Glücklicherweise ist mein Rucksack gut gefüllt, denn coronabedingt bleiben die Türen der Gastronomen geschlossen. Nach der Hütte des Pfälzerwaldvereins folgt ein Abzweig nach rechts.

Der Blick schweift über die Felder, wo gerade Kartoffeln gesetzt werden. Rechts des Weges schaut mich ein Pferd neugierig an, lugt mit seinem Kopf über den Zaun. Über den Damm geht es weiter in Richtung Theodor-Heuss-Brücke. Einmal muss ich dort hinauf. Knapp 80 Stufen zähle ich, bis ich oben bin. Rechts und links sausen Laster und Autos in einem Affenzahn an mir vorbei. Ein ungutes Gefühl. Nichts wie runter. Der Rhein rückt in den Blick. Auf den Kieselsteinen mache ich es mir gemütlich, beobachte die vorbeifahrenden Schiffe.

Auf dem Jakobsweg

Nach der Rast könnte man die Stadtgrenze weiter hinter sich lassen und am Rhein entlang Richtung Norden bis zur Petersau noch weiterlaufen. Doch es soll ja ein Spaziergang und keine Wanderung werden und so laufe ich parallel zum Autobahndamm wieder zurück. Ich entdecke ein Schild „Pfälzer Jakobsweg“, leicht verwittert und nicht mehr ganz taufrisch. In der Tat verläuft hier ein Stück der Bobenheim-Roxheimer-Ortsschleife des Jakobswegs. Ich wandle rund 200 Meter auf diesem Weg. Der Endpunkt des Pilgerwegs im spanischen Santiago de Compostela ist weit weg. Bis zum Start/-Zielort, der Jugendfarm Pfingstweide, ist es allerdings nur noch ein knapper Kilometer.

Unsere Autorin bei der Rast am Rhein.
Unsere Autorin bei der Rast am Rhein.
Die Felder am Rhein werden rege bewirtschaftet.
Die Felder am Rhein werden rege bewirtschaftet.
Die betonierten Feldwege führen von der Pfingstweide und Edigheim zum Rhein.
Die betonierten Feldwege führen von der Pfingstweide und Edigheim zum Rhein.
Der alte Kanal ist am Schilf noch zu erkennen.
Der alte Kanal ist am Schilf noch zu erkennen.
ludspazier01
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