Tour de Lu (3) RHEINPFALZ Plus Artikel Ein ungewöhnlicher Osterspaziergang

Die knapp vier Kilometer lange Route führt durch den Oppauer Park.
Die knapp vier Kilometer lange Route führt durch den Oppauer Park.

Spazierengehen ist in Corona-Zeiten angesagter denn je. Eine gute Möglichkeit, um sich mit Familie oder Freunden an der frischen Luft zu treffen. Wir haben uns auf die Socken gemacht und geben Tipps für schöne Routen in Ludwigshafen. Heute geht’s nach Oppau und Edigheim.

Selten hat mich eine scheinbar schnöde Unterführung so in ihren Bann gezogen. Zwischen Bad-Aussee-Straße, Tor 12 der BASF und dem Oppauer Stadtpark ist in anderthalb Jahren eine farbenfrohe, legale Graffiti-Freiluftgalerie entstanden. Die Motive könnten unterschiedlicher kaum sein. „Ja so en gude Palz-Woi, der geht ähm in de Hals nei“, trällert eine bestens genährte Katze mit einem gut gefüllten Dubbeglas vor dem Hintergrund des Pfälzerwaldes und mit Blick auf das Hambacher Schloss den Pfalz-Klassiker auf einer Wand. Ein Nikolaus, der an den Coca-Cola-Weihnachtsmann erinnert, hat nicht nur einen Teddy dabei, sondern auch zwei prall gefüllte Kisten mit Corona-Schutzimpfstoff von Biontech/Pfizer. Datiert ist das Bild auf Dezember 2020.

Ein putziger Marienkäfer, aber auch der „Joker“ aus dem gleichnamigen Film tummeln sich auf weiteren Wänden. Unterirdisch riecht es nach frischer Farbe, die sich mit den Gerüchen des benachbarten Chemie-Riesen vermischt. Zeit zum Weitergehen. Durch den Oppauer Park geht es gen Norden. Ein kleiner Junge flitzt über den Spielplatz, rutscht mutig die hohe Rutsche hinunter. Zwei Jungs kicken mit ihrem Vater hinter dem alten restaurierten Eingangstor, das daran erinnert, dass der Park einst ein Friedhof war. Flankiert von BASF, K1 und der L523 lädt die „grüne Oase“ zum Verweilen ein.

Ein Schnullerbaum am Wegesrand

Nach dem Überqueren der Rheinstraße, die an diesem Samstagnachmittag ziemlich ruhig ist, laufe ich auf dem Radweg parallel zur K1 weiter und biege in den Großen Katzenpfad ab. Veilchen leuchten in wunderschönem Violett auf dem Boden, die Bäume entlang des Weges blühen in den schönsten Farben. Einer von ihnen ist ein ganz besonderes, außergewöhnliches Exemplar: Ein Schnullerbaum am linken Wegesrand. Welche Dramen haben sich in der Vergangenheit wohl abgespielt, wenn es darum ging, das Kind vom Schnuller zu entwöhnen und den Nucki dem Schnullerbaum zu spenden? Damit sich die Kleinen leichter von ihrem Schnuller lösen können, entstand schon in den 1920er-Jahren in Dänemark die Tradition des Schnullerbaums. Kinder können dort ihren liebgewonnenen Freund, der sie durch dick und dünn begleitet hat, aufhängen, Abschied nehmen und ihn jederzeit wieder besuchen.

Nach so viel Sentimentalität marschiere ich weiter parallel zur L 523. In der Ferne erblicke ich den Edigheimer Wasserturm, der mich auf den folgenden Kilometern begleiten wird. Vorbei geht es an der Kleingartenanlage Guldengewann und an der Anlage des Geflügelzuchtvereins Oppau-Edigheim, wo einige gefiederte Gesellen in ihren Volieren die wärmenden Sonnenstrahlen genießen. Über die Bahngleise, die von Oggersheim aus auf das Gelände der BASF führen, erreiche ich den Gehlen- und den Stricklerweiher, die nur durch einen Weg getrennt sind. Beide entstanden in den 1950er- und 1960er-Jahren durch Kiesabbau.

Riesenwels gefangen

Bei Joggern, Spaziergängern und Radfahrern erfreut sich das Areal großer Beliebtheit. Und auch für Angler sind die Weiher ein Paradies. Schon so manch großen Fang haben sie gemacht. 1,70 Meter lang und 36 Kilo schwer war ein Wels, den Franz Geiger vom dort beheimateten Angelsportverein „Gut Fang Oppau“ bereits aus dem Gehlenweiher geholt hat, berichtete die RHEINPFALZ vor einigen Jahren. Ein wahrlich stattliches Exemplar. Zwischen beiden Weihern befindet sich die Gehlenhütte, in der vor Corona manche „heiße“ Partynächte gefeiert wurden. Im Sommer laden die Wiesen rund um Strickler- und Gehlenweiher zum Picknicken ein.

Ich mache mich auf den Rückweg, lasse den TV Edigheim mit seinem Vereinsheim, seinen Sportplätzen und Boulodrom links liegen. Ich spaziere gemächlich parallel zur K1. In der Ferne ragen die Schornsteine der BASF in den Himmel, vereinzelt kommen mir Fahrradfahrer entgegen. An der Kleingartenanlage Guldengewann herrscht Hochbetrieb. Schließlich gilt es, bei den Temperaturen den Garten aus dem Winterschlaf zu wecken und frühlingsfit zu machen. Noch einmal führt die Strecke durch den Oppauer Stadtpark. Ich mache noch schnell einen Abstecher zum ehemaligen Brunnen, der heute bepflanzt ist, und muss unbedingt noch einmal an den fantastischen Graffitiwänden vorbei. Wieder entdecke ich Neues und nehme mir vor, in ein paar Wochen nochmals vorbeizuschauen.

In den bisherigen Folgen ging es um Einsame Pfade und viele Tiere sowie Tipps für einen Spaziergang im Ludwigshafener Norden.

Kunst in der Unterführung: Schorlekatze mit Faible für die Pfalz und ihre Lieder.
Kunst in der Unterführung: Schorlekatze mit Faible für die Pfalz und ihre Lieder.
Aktuelle Straßenkunst: Weihnachtsmann mit Impfstoff.
Aktuelle Straßenkunst: Weihnachtsmann mit Impfstoff.
Idyllisches Fleckchen: am Gehlenweiher mit Blick auf den Edigheimer Wasserturm.
Idyllisches Fleckchen: am Gehlenweiher mit Blick auf den Edigheimer Wasserturm.
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