Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Fahrlachtunnel: Bewährungsprobe für Metropolregion

In die Röhre geguckt: Der Fahrlachtunnel ist mindestens einige Monate gesperrt.
In die Röhre geguckt: Der Fahrlachtunnel ist mindestens einige Monate gesperrt.

Nach der Hochstraße Süd in Ludwigshafen ist nun auch der Fahrlachtunnel in Mannheim als Verkehrsverbindung weggefallen. Das große Chaos ist bisher ausgeblieben. Doch Industrie und Handel in der Kurpfalz sind beunruhigt und haben einige Forderungen an die Kommunen.

Die kurzfristige Sperrung des Fahrlachtunnels hat Pendler, Industrie und Handel in der Kurpfalz kalt erwischt. Von jetzt auf nachher wurde vergangene Woche der Tunnel dichtgemacht, den täglich 40.000 Fahrzeuge nutzen. Der Grund: Der Brandschutz entspricht nicht mehr den Anforderungen.

 

Das Szenario erinnert an die Sperrung der Hochstraße Süd in Ludwigshafen vor zwei Jahren. Damals hatten sich Risse im ältesten Abschnitt vergrößert – der sogenannten Pilzhochstraße. Statiker schlugen Alarm. Wegen Einsturzgefahr wurde im Herbst 2019 die Verbindung zwischen der linksrheinischen A 650 und der Konrad-Adenauer-Brücke ohne Vorwarnung geschlossen. In den ersten Tagen gab’s chaotische Verkehrsverhältnisse in Ludwigshafen, dann normalisierte sich die Lage weitgehend.

 

Der geplante Abriss der Hochstraße Nord – das Verbindungsstück zur Kurt-Schumacher-Brücke – wurde verschoben. Stattdessen wurde die Pilzhochstraße im vergangenen Jahr in 106 Tagen abgerissen. Ein Ersatz soll bis 2026 fertig sein. Alle Verantwortlichen hoffen, dass die marode Hochstraße Nord bis dahin durchhält. In diese Lage platzte nun die Nachricht von der Sperrung des Tunnels, der den Fernverkehr von der Adenauer-Brücke um die Mannheimer Innenstadt herum in Richtung Heidelberg führt.

Problem für ganze Region

„Das ist jetzt die Bewährungsprobe für den Mobilitätspakt Rhein-Neckar“, sagt Nicole Rabold. Die 46-Jährige ist bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Pfalz für die Geschäftsbereiche Infrastruktur und digitale Wirtschaft zuständig. Im Frühjahr hatten die Städte Ludwigshafen und Mannheim, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, die Metropolregion und der Verkehrsverbund Rhein-Neckar, die BASF und die beiden IHK rechts und links des Rheins eine gemeinsame Vereinbarung mit dem Namen „Mobilitätspakt“ unterzeichnet. „Das gemeinsame Ziel der Partner des Mobilitätspaktes ist die ganzheitliche Lösung der Verkehrsprobleme im Kernraum der Metropolregion Rhein-Neckar“, steht im Vorwort.

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Auslöser für den Pakt waren die beiden Hochstraßenprojekte in Ludwigshafen. Die Verantwortlichen wollen einen Kollaps während der Bauarbeiten am Hochstraßensystem verhindern. Und sie blicken dabei auch in die Zukunft: Ab 2030 steht die Sanierung aller drei Rheinbrücken (Theodor-Heuss-Brücke/A 6, Kurt-Schumacher-Brücke/B 44, Konrad-Adenauer-Brücke/B 37) sowie der alten Stahlfachwerkeisenbahnbrücke über den Fluss an.

Viele Ideen

Der Mobilitätspakt definiert eine Menge Ziele: Das ÖPNV-Angebot in der Region soll verbessert werden, um Pendler zum Umstieg vom Auto auf Busse und Bahnen zu bewegen. Die Verkehrsinfrastruktur soll ausgebaut werden. Behörden und Unternehmen sollen die Mobilität ihrer Mitarbeiter steuern, so könnte etwa durch Heimarbeit der morgendliche Berufsverkehr reduziert werden. Behörden sollen Bauarbeiten besser koordinieren. Es sind eine ganze Menge Ideen in dem Papier aufgelistet, unter anderem soll auch eine Seilbahn über den Rhein geprüft werden, um die Brücken zu entlasten.

In der Praxis zeigt sich jedoch, dass die Umsetzung nicht einfach ist, wie das Beispiel Fahrlachtunnelsperrung zeigt. Niemand in der Metropolregion hatte damit gerechnet. Einige Verantwortliche erfuhren davon erst aus den Medien. Momentan sind die Verkehrsprobleme auf das Stadtgebiet Mannheim konzentriert, doch nach den Sommerferien könnten die Auswirkung der Tunnelsperrung auf beiden Seiten des Rheins zu spüren sein. „Die Versäumnisse der vergangenen Jahrzehnte kommen dadurch auf den Tisch: Es fehlen Ausweichmöglichkeiten“, sagt Nicole Rabold von der IHK Pfalz. Sie gibt angesichts der spontanen Sperrungen zu bedenken: „Was passiert, wenn die Hochstraße Nord nicht mehr durchhält?“

Forderungen an Politik

Die IHK Pfalz mit Sitz in Ludwigshafen drängt daher darauf, dass sich der Arbeitskreis Baustellenkoordination des Verbands Region Rhein-Neckar so bald wie möglich trifft. Gemeinsam mit der Mannheimer IHK Rhein-Neckar haben die Pfälzer Vertreter von Industrie und Handel am Freitag ein Positionspapier mit Vorschlägen verfasst, das an die Kommunalpolitik ging. „Nach der Sperrung des Fahrlachtunnels sollten alle weiteren kritischen Verkehrsinfrastrukturen im Kernraum der Metropolregion rasch auf Ausfallsicherheit überprüft werden“, heißt es darin. Alle aktuellen und geplanten Baumaßnahmen rechts und links des Rheins müssten ferner auf den Prüfstand und wenn nötig verschoben werden. Auf Baustellen im Verkehrsnetz solle beschleunigt gearbeitet werden, beispielsweise auch nachts und an Sonntagen.

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Der Durchgangsverkehr sei weiträumig über Fernstraßen umzuleiten, um die Innenstädte zu entlasten. Diese Hauptachsen wie die A 6 oder die A 61 müssten möglichst baustellenfrei sein. In den Städten sollten verbesserte Ampelschaltungen, Verkehrslenkungssysteme und digitale Echtzeitinformationen rasch eingesetzt und insbesondere auch rhein-übergreifend koordiniert werden. Bisher plant Ludwigshafen die Einführung eines Verkehrslenksystems im kommenden Jahr. Langfristig brauche die Metropolregion auch eine weitere Rheinquerung, um ausreichende Kapazitäten für den Ost-West-Verkehr zu schaffen, erneuern die beiden IHK eine alte Forderung.

BASF informiert Mitarbeiter

Kurzfristiger umsetzen lässt sich ein weiterer Vorschlag: Eine rasche Kommunikation und Abstimmung zwischen allen Beteiligten in der Region sei dringend erforderlich. Das gelte besonders für die Städte Mannheim und Ludwigshafen, heißt es. Für Kunden, Wirtschaft und Arbeitnehmer müssten die Innenstädte gut erreichbar bleiben. Diese Erreichbarkeit müsse auch kommuniziert werden. Hintergrund sind Sorgen des Handels, dass wegen der Nachrichten über die Tunnelsperrung die Kunden in den Quadraten ausbleiben könnten.

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Auch die BASF als größter Arbeitgeber macht sich Gedanken: „Wir haben unsere Mitarbeiter über die Vollsperrung des Fahrlachtunnels informiert. Grundsätzlich ist festzustellen, dass die Verkehrsinfrastruktur in der Metropol-Kernregion ausgereizt ist und an vielen Stellen unter Druck steht. Es ist daher wichtig, dass alle Maßnahmen die zur Entlastung beitragen, zügig vorangetrieben werden“, sagte ein Unternehmenssprecher am Freitag. Der Chemiekonzern plant wegen der Hochstraßenprojekte seine Logistikabfertigung für Lastwagen komplett in den Norden des Werks zu verlegen. Denn schon jetzt gibt es nach Unternehmensangaben Probleme bei der Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit im Warenverkehr.

Beim Logistikunternehmen Contargo, das Containerterminals in Ludwigshafen und Mannheim betreibt, ist man schon vor der Sperrung des Tunnels dazu übergangene, den Warenverkehr auf die Nachtstunden zu verlegen. Die Sperrung des Tunnels falle daher bisher nicht ins Gewicht, sagt Geschäftsführer Andreas Röhr. „Aber wenn die Sanierung der Rheinbrücken ansteht, müssen wir uns etwas einfallen lassen“, sagt der Logistikmanager.

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