Ludwigshafen
Ein Fahrradhelm schützt, wenn auch nicht immer
Generell darf die Unfallgefahr nicht unterschätzt werden. Während die Polizei für das Tragen eines Helms plädiert, widerspricht der Fahrrad-Club vor Ort. Warum eigentlich?
Mit teilweise über 20 Prozent mehr Radlern hat das Fahrradaufkommen in Ludwigshafen innerhalb eines Jahres deutlich zugenommen. Das hat die Stadt mithilfe der drei Zählstellen an der Brunckstraße Süd und Nord sowie an der Deutschen Straße herausgefunden.
Doch mit vermehrtem Radfahren steigen in vielen Kommunen auch die Unfallraten. Nicht so in Ludwigshafen. Hier lässt sich in den vergangenen Jahren das Gegenteil beobachten. Wie aus einer Polizeistatistik hervorgeht, kam es im Jahr 2021 zu 229 Verkehrsunfällen mit Radfahrern. Im Vorjahr waren es noch 271. Die Gründe dafür sind vielfältig. Häufig führten Vorfahrtsmissachtungen, fehlerhaftes Einfahren in den Verkehr oder unachtsames Abbiegen zu Zusammenstößen. Umso wichtiger sei es, sich zu schützen.
Das heißt einerseits, auf die korrekte Fahrradausstattung wie Licht und funktionierende Bremsen zu achten. Andererseits kann auch der Fahrradhelm nützlich sein, findet die Polizei. Sie verweist auf Studien der Hannelore-Kohl-Stiftung und der Unfallforschung der Versicherer. Hiernach könne das Tragen eines Helmes schwere Verletzungen bei Verkehrsunfällen verhindern oder mindern.
Deswegen sensibilisiert die Polizei Ludwigshafen Radfahrer bei den regelmäßigen Verkehrskontrollen und betont auch in Presse- und Öffentlichkeitsarbeit den Schutz des Fahrradhelms. Noch scheinen dieses Vorgehen und andere Maßnahmen jedoch noch nicht effektiv genug zu sein. Denn wie aus der letzten Kontrollwoche hervorging, trugen lediglich rund 35 Prozent der Kontrollierten einen Fahrradhelm. Dieser Wert sei in den letzten Jahren laut Polizei trotz Kampagnen nahezu gleichbleibend.
Keine klare Empfehlung
Der ADFC Ludwigshafen bewertet den Helm in seiner Schutzfunktion ohnehin anders. „Wir sprechen keine klare Empfehlung für einen Helm aus“, sagt Armin Winkler, Vorsitzender der Ortsgruppe. Zum Beispiel kann ein schlecht sitzender Helm gefährlicher sein als gar keinen zu tragen. Besonders bei Kindern würde der Kopfschutz häufig zu weit im Nacken sitzen. Zusätzlich wüssten viele Menschen nicht, dass Helme regelmäßig ausgetauscht werden müssen. Das hänge damit zusammen, dass die enthaltenen Kunststoffe mit der Zeit porös und instabil würden.
Außerdem sei umstritten wie viel die Kopfbedeckung bei Unfällen tatsächlich helfe. Gerade bei schweren Unfällen mit Autos oder Lkw mache nicht der Helm, sondern die Geschwindigkeit den entscheidenden Unterschied. Deswegen sei es sinnvoller, die Sicherheit der Fahrradfahrer im Straßenverkehr zu erhöhen, damit es gar nicht erst zu solchen Unfällen komme. Winkler nennt als geeignete Maßnahmen den Ausbau der Fahrradwege und Tempo 30 in der gesamten Stadt.
Bei sogenannten Alleinunfällen, also wenn kein anderes Fahrzeug beteiligt ist, könne ein Helm hingegen sinnvoll sein. Zu solchen Unfällen gehört beispielsweise, wenn ein Radfahrer am Bordstein hängenbleibt oder auf nassen Gleisen der Straßenbahn ausrutscht. Unter ähnlichen Bedingungen werden die Helme innerhalb der EU getestet. Aus einer Höhe von 1,5 Metern fallen sie mit einer Aufschlagsgeschwindigkeit von 19,5 Kilometern pro Stunde auf eine Ebene. Das habe nichts mit den tatsächlichen Gegebenheiten eines schweren Unfalls zu tun, so die Einschätzung Winklers.
Helmpflicht bei der BASF
Für die Stadtverwaltung ist der Helm laut eigener Aussage als Schutzmaßnahme dennoch wichtig. Sie verweist auf die BASF, die auf dem Werksgelände eine Helmpflicht eingeführt hat. Dies wirke sich auch auf das Helmtragen im Stadtgebiet aus. Nähere Angaben dazu macht die Verwaltung nicht. Es seien jedoch bei den polizeilich aufgenommen Unfällen mit Radfahrern keine schwerwiegenden Kopfverletzungen festgestellt worden. Ob die an den Unfällen beteiligten Radfahrer ein Helm trugen, ist nicht bekannt.
Die BASF selbst lege großen Wert auf das Tragen des Helms. Dieser wird von dem Chemiekonzern deshalb auch dauerhaft kostenfrei zur Verfügung gestellt. Aktuell hat die BASF etwa 15.300 Räder an Mitarbeiter ausgegeben, die diese auch mit nach Hause nehmen dürften. „An der steigenden Zahl der Jobräder sehen wir auch, wie beliebt das Verkehrsmittel bei den Mitarbeitenden ist“, sagt Valeska Schößler, Pressesprecherin für Werkschutz in Ludwigshafen.